London kann mit Europa nichts anfangen

Europa League, Achtelfinale / BVB 3 Tottenham Hotspur 0

Borussia Dortmund steht nach einem weiteren großen Europapokal-Auftritt mit dem sprichwörtlichen einen Bein im Viertelfinale. Die extrem souveräne Vorstellung begeisterte, doch die Partie hätte eigentlich noch deutlicher  ausgehen müssen – was die Einstellung der Gäste in Frage stellt.

Mit sieben neuen Gesichtern gegenüber dem Nord-Londoner Derby schickte Mauricio Pochettino die Spurs aufs Feld – unter anderem fehlten Dembele, Lamela und Kane. Es bewahrheitete sich tatsächlich, was ich schon nach der Auslosung für möglich gehalten hatte: Die Meisterschaft scheint Tottenham allemal wichtiger zu sein als der zweitbeste europäische Wettbewerb. Ein wenig kann man es nachvollziehen. Was würde wohl geschrieben, wenn die Spurs nach vielen Jahren wieder ganz dicht am nationalen Titel dran sind, aber am Ende ausgerechnet hinter Leicester Zweiter werden? Dennoch: Auch europäisch hätten die Londoner einiges aufzuholen. Warum es nicht klappte, erklärt ein großer englischer Fußball-Experte:

Tottenham beraubte sich seiner Stärken. Die Offensive brachte zweieinhalb Chancen in rund 95 Minuten zustande. Die Abwehr bügelte zwar einiges aus, doch zu oft aus Gästesicht gelangen der Borussia präzise Pässe hinter die Abwehr, indem ein handlungsschneller Schwarz-Gelber die Verteidiger außen überlief und den Ball aufnahm. Von Pressing und früher Balleroberung der Spurs hatten wir zuvor gehört – davon war kaum etwas zu sehen. Vielleicht war das das Einzige am Spiel, was Mauricio Pochettino so einkalkuliert hatte. Vielleicht war der Plan, wie so oft gegen den BVB, hinten sicher zu stehen und zu kontern. Er ging ganz und gar nicht auf.

Die Schwarz-Gelben machten es aber auch bravourös – sogar ohne Ilkay Gündogan. Sie begannen stark, hatten in einer ruhigen Spielphase Geduld und trafen dann mit einem Klassiker: Flanke, Kopfball, Tor. Das nicht alltägliche an diesem Auba-Tor war, dass die Flanke von Schmelzer kam. Die beiden Reus-Tore Mitte der zweiten Hälfte zeigten, dass auch der BVB kurze Ecken drauf hat. Und wie schön man gegen den Tabellenzweiten der Premier League kombinieren kann.

Außerdem lieferte die Partie den Beweis, was Gonzalo Castro drauf hat. Auch da fühle ich mich ganz unbescheiden bestätigt. Es gab tolle Auftritte reihenweise: Mats Hummels, beide Außenverteidiger, Henrikh Mkhitaryan, natürlich Auba und in der zweiten Hälfte auch Marco Reus. Und: Erik Durm. Hin und wieder war eine unglückliche Aktion dabei, aber sonst legte er mal wieder das offene Geheimnis frei, dass er den anderen Außenverteidigern technisch deutlich voraus ist.

Muss man nächste Woche noch zittern? Unmöglich ist das nicht, wie schon Real und andere erleben mussten. Doch früher oder später wird die Borussia ihr Auswärtstor schon machen …

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Bender (58. Subotic), Hummels, Schmelzer – Weigl – Durm, Mkhitaryan, Reus (82. Kagawa), Castro – Aubameyang (82. Ramos). Tore: Aubameyang, Reus (2)

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