Beeindruckendes Trauerspiel

1. Bundesliga, 26. Spieltag / BVB 2 FSV Mainz 05 0

Ein Stadion schweigt gemeinsam, auch wenn die eine Mannschaft einen großartigen Sieg herausspielt und die andere einen herben Dämpfer kassiert. Die Nachricht von einem Todesfall auf der Tribüne verbreitete sich im Westfalenstadion und zwei Fangruppen zeigten, dass die (De-)Mobilisierung von Massen auch positiv funktionieren kann. Und so hatte die gemeinsame Trauer – oder Respektbekundung – bei aller Tragik auch etwas Gutes.

Ja, das Spiel rückte in den Hintergrund. Doch die Dortmunder Leistung hat es allemal verdient, gewürdigt zu werden. Nach einer englischen Woche mit einem fulminanten Sieg über den Tabellenzweiten der Premier League und erneut ohne Ilkay Gündogan bezwangen die Schwarz-Gelben den Bayern-Bezwinger. Das macht gleichzeitig Hoffnung für den Rest der Saison wie für die nächste.

Eine halbe Stunde zeigten die lauffreudigen Mainzer, warum sie so eine starke Saison spielen. Sie boten kaum Lücken für den wie üblich in Sachen Ballbesitz überlegenen BVB. Andererseits hatten die Gäste selbst noch weniger Raum nach vorne, weil auch die Borussen ihre Gegenspieler früh anliefen und das schon die Offensivkräfte verinnerlicht hatten. Wenige Minuten, nachdem der äußerst fidele Castro zwei Meter vor der Torlinie die einzige große Mainzer Chance abblockte, trieb der 28-Jährige den Ball unwiderstehlich durchs Mittelfeld und spielte einen tollen Pass durch die Abwehrreihe für Marco Reus. Ich wiederhole mich, aber in dieser Form gehört Gonzalo unbedingt in die Startelf.

In der zweiten Hälfte konnte man sich entweder die Haare raufen, dass klarste Chancen nicht genutzt wurden (Aubameyang, Kagawa, Schmelzer) oder sich eben freuen, wie wenig man Mainz 05 gestattete. Nämlich gar nichts. Ich gestehe, mir bleibt immer noch die Spucke weg, wenn ich Schmelle plötzlich dribbeln sehe. Aber es freut mich auch, selbst wenn er mich eines besseren belehrt. Sicher, so gut wird nicht jeder Tag sportlich gesehen laufen – weder für Schmelle noch für das Team. Doch der Tuchel-BVB hat eine beeindruckende Balance gefunden zwischen ökonomischer Spielweise, sicherem Auftreten und genügend Momenten, die begeistern.

Selbst wenn es auch ein trauriger Tag war und Kagawas 2:0 mehr anerkennend zur Kenntnis genommen als gefeiert wurde, muss sich wohl niemand schämen, der sich an der sportlichen Leistung der Borussia erfreut hat. In dieser Form kann man selbstbewusst in die White Hart Lane einlaufen.

Die Aufstellung: Bürki – Durm (46. Piszczek), Sokratis, Hummels, Schmelzer – Sahin (64. Weigl) – Kagawa, Castro – Mkhitaryan (84. Ramos), Aubameyang, Reus. Tore: Reus, Kagawa

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