Keine Probleme mit den Krisenschwaben

1. Bundesliga, 31. Spieltag / VfB Stuttgart 0 BVB 3

(Updated) Als Borussia Dortmund vor zweieinhalb Monaten schon einmal im Neckarstadion zu Gast war, da sahen die Fans nicht nur fliegende Tennisbälle, sondern einen zumindest in der zweiten Hälfte engen Pokalfight. Damals war wirklich nicht zu erwarten, dass der VfB am 31. Spieltag wieder knietief im Abstiegssumpf stecken und der BVB dort so wenig Probleme haben würde. Verletzungspech, etwa bei Großkreutz und Die, ist sicher ein, aber nicht der einzige Grund.

Thomas Tuchel hatte angekündigt und gefordert, dass sein Team trotz gesichertem Tabellenplatz, Pokalfinale und Transfergerüchten die Partie seriös angehen und gewinnen wolle. Die angeschlagenen Spieler blieben dabei außen vor; nur Schmelzer wurde noch eingewechselt. Und dem vieldiskutierten Mats Hummels gönnte der Trainer eine Auszeit auf der Bank. Die komplett neue Innenverteidigung: Sokratis und Ginter.

Den Worten folgten Taten. Mehr Ballbesitz ist man vom Tuchel-BVB inzwischen gewöhnt. Aber die Borussia arbeitete sich auch relativ schnell in dieses Spiel, selbst wenn die Viererkette zunächst die ein oder andere Chance der Gastgeber zuließ. Doch im offensiven Mittelfeld hat sich mit Reus, Kagawa und Mkhitaryan scheinbar ein Trio gefunden, das in dieser Kombination auch das individuelle Potenzial mehr und mehr ausreizt. Kommt dann noch ein junger, frischer und technisch starker Mann wie Christian Pulisic dazu, ist das ungemein gut anzuschauen.

Die erste Tat ließ nur 21 Minuten auf sich warten. Miki setzte sich auf dem linken Flügel durch und passte zielsicher zu Shinji, der am langen Pfosten allein gelassen worden war. Eine simple Aufgabe für den Japaner, der aber auch sonst eine starke Leistung zeigte. Das Tor erleichterte den Schwarz-Gelben gegen die nun aufrückenden Schwaben die effektive Nutzung der Räume. Ramos hätte bereits erhöhen können, doch Tyton konnte seinen Versuch noch parieren. Kurz vor der Pause wehrte der Keeper auch einen Miki-Schuss ab, konnte allerdings nur in die Mitte prallen lassen, wo Pulisic bereitstand. Ich sagte ja bereits: Is guter Junge.

In der zweiten Halbzeit schalteten die Schwarz-Gelben dosiert zurück. Der VfB hatte mehr Ballbesitz, wurde aber noch seltener gefährlich. Nach dem 3:0, diesmal durch Mkhitaryan selbst, erneut mit einem Abstauber-Tor, war das Spiel gelaufen. Auch der Neckar fließt nicht entlang der Anfield Road. Dortmund konnte mal selber auf Konter lauern. Hinten musste Bürki nur einmal entscheidend eingreifen. Die Stimmung schien im Stadion gegen Ende sehr flach – die VfB-Fans hatten die Hoffnung aufgegeben, die BVB-Ultras boykottierten mal wieder. Diesmal allerdings aus einem weit schwerer nachvollziehbaren Grund: Am Bahnhof Bad Cannstatt sollen 100 ‚Fans‘ festgesetzt worden sein, als aus der Gruppe heraus versucht wurde, eine Polizeiabsperrung zu durchbrechen.

Sportlich gesehen war der Sieg ein Ausrufezeichen, dass sich dieser Klub nicht so schnell noch mal aus dem Konzept bringen lassen will. Auch wenn die Meisterschaft endgültig entschieden scheint: Das hat mal wieder Spaß gemacht.

UPDATE: Zu der fehlenden Anfeuerung bzw. den fehlenden Fans gibt es mal wieder verschiedene Darstellungen. Am Bahnhof Bad Cannstatt sollen deutlich mehr BVB-Anhänger in Gewahrsam genommen worden sein – die Rede ist von knapp 300. Die dann im Stadion beim Support ausfielen. Die Polizei sagt, es gab am Bahnhof Aggressionen Dortmunder Fans. Wegen Fans auf den Gleisen wurde der Zugverkehr unterbrochen. Die Fans sehen es anders. Die Stimmung war aufgeheizt wegen der beim Heimspiel auf der Südtribüne präsentierten VfB-Banner. Urteilt und lest selbst –  für mich zu viel Konjunktiv und Kindergarten.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Ginter, Durm – Weigl (82. Sahin) – Mkhitaryan, Kagawa, Reus (76. Leitner), Pulisic (76. Schmelzer) – Ramos. Gelbe Karte: Pulisic. Tore: Kagawa, Pulisic, Mkhitaryan

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