Pfeifenköpfe und Volksburger

1. Bundesliga, 32. Spieltag / BVB 5 VfL Wolfsburg 1

Für die, die sich nicht mehr daran erinnern: Der VfL Wolfsburg war der Klub, der letztes Jahr dem BVB im Pokalfinale wenig Chancen ließ und außerdem Vizemeister wurde. Gäbe es nicht das respektable Abschneiden in der Champions League, müsste man spätestens nach dem Auftritt gestern davon sprechen, dass die Leistungskurve der Wölfe parallel zum Ansehen ihres Hauptsponsors verläuft.

Dagegen könnten Respekt und Freude angesichts des Auftretens der Schwarz-Gelben kaum größer sein. Nach der ganzen Aufregung um den Wechselwunsch des Kapitäns lieferte das Team inklusive Hummels eine großartige Leistung ab. Mit dem intensiven Pressing der Borussia kamen die Gäste zu keiner Phase zurecht. Nicht nur, dass sie den Ball ein ums andere Mal verloren – sie boten auch in der Rückwärtsbewegung entscheidende Räume an, die die BVB-Offensive prompt nutzte. War das frühe 1:0 noch ein bisschen durch das Glück begünstigt, dass Mkhitaryans verunglückter Schuss von rechts zentral bei Shinji Kagawa landete, spielte der Japaner wenige Minuten später astrein Ramos frei.

Die Borussia ging das Anfangstempo natürlich nicht über 90 Minuten, ließ aber mit dem Lattentreffer von Caligiuri nur eine richtig gute Chance der Gäste zu. Gegen ungeordnete Wölfe sah selbst Marcel Schmelzer mal wie ein gefährlicher Linksaußen aus. Als dann auch noch Aubameyang eingewechselt wurde, der offensichtlich schon mit den Hufen gescharrt hatte, war es um den VfL geschehen.

Thomas Tuchel scheint rechtzeitig zum Saisonfinale ein Grundgerüst für seine Startelf gefunden zu haben. Die Spielfreude ist definitiv zurück und vielleicht war das Aus an der Anfield Road bei aller Bitterkeit tatsächlich heilsam für das Konzentrationsvermögen. Man könnte jetzt viele hervorheben, auch die komplette Offensive, aber besonders gut hat mir erneut das Mittelfeldduo aus Julian Weigl und Gonzalo Castro gefallen. Weigl ist aus einem leichten Leistungstal zurück, präsentiert sich wieder aufmerksam und mit gutem Auge für den öffnenden Pass. Und Castro ist ohnehin ein Spieler, von dem ich von Anfang an überzeugt war, dass er das drauf hat, was er derzeit zeigt. Harte Arbeit gepaart mit Offensivdrang, der sich immer wieder mal auszahlt.

Das unerfreulichste Thema aus schwarz-gelber Sicht: Gezielte Pfiffe gegen Mats Hummels, zunächst bei jedem Ballkontakt. Und später Pöbeleien von der Südtribüne, als die Mannschaft nach Schlusspfiff zum Feiern kam. Man kann auf Mats Hummels sauer sein, klar. Meiner Ansicht nach hat die Familie den Ausschlag gegeben, dass der Kapitän nach München wechseln will. Vor zwei, drei Jahren hätte er sich das vielleicht noch nicht vorstellen können. Ist bitter, ärgerlich, was auch immer. Aber er hat ohne Zweifel große Verdienste um den Verein. Und vor allem bringt es der Borussia GAR NIX, wenn man Hummels jetzt so behandelt. Wenn, dann ist es schädlich. Man kann zivilisierte Kritik äußern und man kann es so machen, dass es nicht womöglich das Spiel beeinflusst.

Unabhängig von Hummels hat es die Mannschaft nicht verdient, dass nun ein Schatten auf ihre tolle Saison fällt. Und ja, es gibt noch die theoretische Möglichkeit, das Double zu holen. Das sollte nicht von außen gefährdet werden. Die Fans, die sich nicht anders zu helfen wissen, werden noch Jahre Zeit haben, Mats Hummels im Bayern-Trikot auszupfeifen.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek (63. Durm), Bender, Hummels – Weigl (69. Sahin), Castro – Mkhitaryan, Kagawa, Reus, Schmelzer – Ramos (69. Aubameyang). Gelbe Karten: Weigl, Reus. Tore: Kagawa, Ramos, Reus, Aubameyang (2)

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