Bayern sticht Dortmund aus

DFB-Pokal, Finale / Bayern München 4 BVB 3 (n.E.)

Ein heiß umkämpftes Pokalfinale der zwei besten deutschen Mannschaften, taktisch und defensiv besser als in der Offensive, aber ungemein spannend. Dennoch liegt der Felsen am Ende des Tages wieder am Fuß des Bergs und Borussia Sisyphos muss von vorne anfangen. Und zwar nicht nur auf dem Weg nach Berlin, sondern auch beim Zusammenstellen eines neuen Erfolgsteams.

Dass sich Thomas Tuchel nach dem Spiel Gedanken über seine Auswahl der Elfmeterschützen und Mats Hummels‘ Auswechslung machte, ist seiner Enttäuschung oder den bohrenden Reporterfragen geschuldet. Sich lange damit aufhalten muss man nicht. Elfmeterschießen ist größtenteils Lotterie und Matthias Ginter machte seine Sache nach der Hereinnahme so schlecht nicht.

Tatsächlich waren die 120 Minuten ein Abnutzungskampf. Es schien auch darum zu gehen, wer die lange Saison besser verkraftet hatte. Die Schwarz-Gelben hatten ja noch mehr Spiele absolviert. Wie entscheidend die Kraftfrage am Ende war, sei dahingestellt. Schmelzer und Hummels mussten jedenfalls aus Kraftgründen ausgewechselt werden.

Spielerisch war die Vorstellung der Bayern souveräner, vor allem was die Ballkontrolle angeht. Da hatte der Rekordmeister am Ende deutliche Vorteile. Der BVB verlegte sich gezwungenermaßen auf eine Mischung von schnellen Kloppesken Angriffszügen und Kick-and-rush – und hatte damit ähnlich viele zwingende Gelegenheiten wie der FCB. Leider wurden die Konter oft zu schlampig ausgespielt. Alles in allem war die Borussen-Offensive zu sehr von der Schnelligkeit von Aubameyang abhängig, da die Bayern Mkhitaryan und Reus meist gut im Griff hatten. Dafür überragten defensiv Hummels in seinem Abschiedsspiel und vor allem, bis zum Elfmeter, Sokratis.

Ein Griff, kein Rot, die Bayern

Aber – mal wieder – hätte es auch ganz anders ausgehen können. In der 39. Minute beging Gonzalo Castro ein Foul und tätschelte danach Franck Ribery am Hinterkopf – eine Geste, wie man sie sicher ein Dutzend Mal pro Spiel sieht. Daraufhin fasste der Franzose Castro ins Auge. Die Entscheidung von Schiedsrichter Marco Fritz, nach Konsultationen mit seinem Assistenten: Gelb für beide. Man muss gar nicht von einem Bayern-Bonus sprechen. Es ist vielmehr ein Ribery-Bonus, den es seit Jahren gibt. Die Schiedsrichter hierzulande scheinen sich zu sagen: Es ist halt der Froonck. Ein bisschen impulsiv eben, aber ein großer Fußballer. Da braucht man das nicht so eng sehen. International wäre es vermutlich eine klare Rote Karte gewesen.

Natürlich hat man auf die fortgesetzten Benachteiligungen in Endspielen gegen Bayern – vom letztjährigen Halbfinale mal abgesehen – keinen Bock mehr. So hat es Marcel Schmelzer nach der Begegnung gesagt. Es ist schade, dass DAS Topspiel des deutschen Fußballs mal wieder verfälscht und Sisyphos gleichsam ein Rucksack mitgegeben wurde. Denn Ribery war ja nicht nur einfach einer von elf, sondern später im Spiel immer mehr Dreh- und Angelpunkt der Bayern-Angriffe. Bis auch er nach 108 Minuten verletzt runter musste.

Es war ein trauriger Abschied von Mats Hummels, ein emotionaler von Pep Guardiola und für Borussia Sisyphos Ende und Anfang zugleich. Nun wird wohl bald wieder Miki die Schlagzeilen bestimmen. Mit dem x-ten verlorenen Endspiel macht man bei ihm auch keinen Eindruck. Woran es lag, interessiert da wohl wenig.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Bender, Sokratis, Hummels (78. Ginter), Schmelzer (70. Durm) – Weigl – Mkhitaryan, Reus, Castro (106. Kagawa) – Aubameyang. Gelbe Karten: Castro, Hummels, Sokratis.

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