Pokalfinale mit Eskalationsstrategie

Brandenburg-Pokal, Finale / FSV Luckenwalde 1 SV Babelsberg 03 3

Überharter Polizeieinsatz bei Luckenwalde v Babelsberg
Ende eines Pokalendspiels: Während der SVB 03 feiert, fährt ein Krankenwagen aufs Spielfeld und selbst Ordner müssen ihre Augen spülen.

Ein Pokalfinale, frühsommerliches Wetter und eine Fahrt von rund 45 Kilometern – drei gute Gründe, sich am Samstag auf den Weg nach Luckenwalde zu machen. Im Endspiel des Brandenburg-Pokals: der aufgrund des Losentscheids gastgebende FSV und mein ‚Heimatverein‘, der SV Babelsberg 03. Das Werner-Seelenbinder-Stadion in Luckenwalde ist ein nicht unsympathisches Provinzstadion mit 3000 Plätzen und einer kleinen altmodischen Haupttribüne. Die Gästefans stehen auf der Gegengeraden hinter einem Zaun.

Vor der Partie und 90 Minuten lang war das überhaupt kein Problem. Gute Stimmung, gute Würste, kühles Bier. Zwar kein hochklassiges Finale, aber ein souveräner SVB gegen nervöse und unterlegene Gastgeber. Babelsberg hat die Saison in der Regionalliga Nordost auf Platz 6 beendet, Luckenwalde wurde 16. und bleibt nur drin, weil der FSV Zwickau gestern aufgestiegen ist. So ähnlich waren die Kräfteverhältnisse, auch wenn sich 03 phasenweise vom Niveau des FSV anstecken ließ.

Liga-Toptorjäger Andis Shala gelang in der ersten Hälfte per Kopf das 1:0. Das 2:0 in Hälfte 2 sah für wohl jedermann auf der flachen Tribüne wie ein Eigentor aus, es wurde jedoch Lovro Sindik zugeschrieben. Doch wenige Minuten vor Schluss fiel der Anschlusstreffer; ein Sonntagsschuss nach einem Standard. Zum Glück wurde nur begrenzt gezittert: In der Nachspielzeit überlupfte Onur Uslucan den FSV-Keeper zum Endstand – ein ähnlicher Treffer war 03 auch im Ligaspiel gegen denselben Gegner, aber im heimischen Karl-Liebknecht-Stadion gelungen.

Nun hätte man schön den Einzug in den DFB-Pokal feiern können, doch kurz vor Abpfiff wurde eine Eskalationsspirale in Gang gesetzt, die zu einem hässlichen Ende führte. Ich bin sicher niemand, der die Verfehlungen von Fußballfans klein redet – auch und gerade nicht beim BVB. Vieles geht mir auf gut Deutsch auf den Sack. Davon gab es im Werner-Seelenbinder-Stadion die ein oder andere Portion. Aber vor allem war dort zu sehen, wie ein schlechter Polizeieinsatz zur Eskalation der Situation beiträgt, die dann mit exzessiven Mitteln wieder unter Kontrolle gebracht wird.

Das Meiste hat der SV Babelsberg in einer ausführlichen Stellungnahme auf seiner Webseite nachvollziehbar dargelegt. Im Stadion sah man kurz vor den Feierlichkeiten behelmte Polizisten direkt vor der Gästekurve aufziehen. Laut SVB auf Anforderung des eigenen Sicherheitsdienstes, der für die Kurve zuständig war. Einige Fans, aber wohl kaum 100, wie später die Polizei behauptete, saßen auf dem Zaun und wollten aufs Spielfeld. Das aber hatte sich der Veranstalter, der Fußballlandesverband Brandenburg, ausdrücklich verbeten. Man wollte eine ‚gesittete‘ Pokalzeremonie. Entsprechende Anweisungen hatten wohl Security und Polizei.

Nur dass letztere offensichtlich nichts von Deeskalation hielt, direkt am Zaun blieb und vereinseigene Ordner wie Spieler wegschickte. Das kam nicht gut an, einige Fans kletterten über den Zaun, wurden daraufhin unsanft zu Boden gebracht oder mit Reizgas besprüht. Als sich die Stimmung weiter aufheizte, sprühten die Einsatzkräfte ohne Rücksicht auf Unbeteiligte Reizgas in den Block. Im Hintergrund versuchte unterdessen die Mannschaft, zu feiern. Das Ergebnis des Einsatzes: viele Verletzte, Krankenwagen auf dem Spielfeld, sogar Ordner, die Reizgas abbekamen.

Nicht zu verschweigen ist, dass ein Feuerwehrmann versuchte, eine Rauch- und eine Pyrofackel in einer Sandkiste zu löschen und sich dabei scheinbar an der Hand wehtat. Der oder die Träger der Fackeln müssen diese also aus Versehen verloren oder aufs Feld geworfen haben. Beides kein Argument für Pyrotechnik im Stadion. Im zweiten Fall eben auch kriminell.

Trotzdem: Dieses Pokalfinale war ein Beispiel dafür, wie man es als Polizei nicht machen sollte und darf. Mit zurückhaltenderen Ordnungskräften wäre es vermutlich eine friedliche Feier geblieben, denn nennenswertes Eskalationspotenzial bestand hinsichtlich der überschaubaren Zahl aktiver FSV-Fans eigentlich nicht. Eine Lektion für jene, die immer nur auf die Chaoten unter den Fußballfans schimpfen. Davon waren ein paar auch in Luckenwalde. Aber bei der Polizei waren sie in der Überzahl.

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