Bringt bloß nicht die 90er zurück!

Musikalisch bin ich in den Neunzigern sozialisiert worden – und fand das Jahrzehnt in dieser Hinsicht deutlich besser als viele behaupten. Neben mancher Verirrung gab es vor allem abseits des Mainstreams viel Gutes, vor allem Tanzbares zu entdecken. Borussia Dortmund hat in den Neunzigern die größten Erfolge seiner Vereinsgeschichte errungen – allerdings auch dank finanzieller Konstruktionen, die uns später an den Rande des Abgrunds brachten.

Schaut man jedoch nur auf einen speziellen Wettbewerb, den DFB-Pokal, dann sinkt die Lust an einem 90s Revival gewaltig. Die Erfolge sind da nämlich äußerst überschaubar. Das Jahrzehnt begann ein Jahr nach dem Pokalsieg in Berlin mit einer Niederlage gegen Fürth und endete mit einer gegen die Stuttgarter Kickers. Das höchste der Gefühle war eine Viertelfinalteilnahme in der Meistersaison 95/96 – man scheiterte am Karlsruher SC. Eine der peinlicheren Pleiten trug sich in der Saison 1997/98 zu. Als amtierender Champions League-Sieger unterlag der BVB im Achtelfinale Eintracht Trier, damals Drittligist, mit 1:2. Ob es der Ehrenrettung dient, dass die Moselstädter eine Runde zuvor auch die Nachbarn aus Gelsenkirchen ausgeschaltet hatten?

Beenden wir unsere kleine Zeitreise. In der kommenden Saison 2016/17 muss Borussia Dortmund erneut nach Trier reisen und in der ersten Pokalrunde im Moselstadion antreten – das ergab die Auslosung gestern Nacht. Die Eintracht ist wieder Regionalligist, die Spielklasse aber nur noch die vierthöchste. Trainer ist Peter Rubeck, sowohl als Spieler wie als Trainer ein Mann der Region. Schaut man sich den Kader der Trierer an, klingelt es bei mir bei keinem Namen. Die vergangene Saison beendete der Verein als Fünfter, bei einem Zuschauerschnitt von gut 2300.

Warum sollte die Borussia sich trotzdem noch mal an die Geschehnisse von vor 19 Jahren erinnern? Trier könnte dann erneut zum Stolperstein werden, wenn es Thomas Tuchel und seinem Team bis Mitte August nicht gelingt, aus einem beträchtlich veränderten Kader schon eine Mannschaft zu formen, die solch ein vermeintlich leichtes Pflichtspiel ernsthaft und konzentriert angeht. Schön, dass der BVB heute einen solchen Status hat, dass so gut wie niemand an ein solches Szenario glaubt. Völlig ausgeschlossen ist es dennoch nicht.

Eine der heißesten Pokalpartien der letzten Jahre findet unterdessen in Sachsen statt: Dynamo Dresden gegen RB Leipzig. Urlaubsstopp bei der sächsischen Polizei?

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