Warum Watzke bei Mkhitaryan kein Vorwurf zu machen ist

Einer Lüge muss man sich bewusst sein. Als BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sagte, dass in diesem Sommer nicht gleichzeitig Mats Hummels, Ilkay Gündogan und Henrikh Mkhitaryan den Verein verlassen würden, konnte er sich das jedoch tatsächlich nicht vorstellen. Wenn man ihm etwas vorwerfen will, dann eine Fehleinschätzung oder meinetwegen ein gebrochenes Versprechen. Doch eigentlich weiß der aufgeklärte Fußballfan ja, wie kurzlebig die Branche ist und dass Aussagen ihrer Protagonisten nicht für die Ewigkeit getätigt werden. Immerhin behält durch den bevorstehenden Mkhitaryan-Abgang eine andere Aussage ihre Gültigkeit: Borussia Dortmund werde nach Robert Lewandowski keinen wertvollen Spieler mehr ablösefrei gehen lassen.

Nun scheint die Sache also durch zu sein – auch wenn laut BBC Henrikh Mkhitaryan noch keinen Medizincheck bei Manchester United absolviert hat und weitere Formalitäten zu klären sind. Da Miki in Dortmund noch ein Jahr Vertrag hat, soll die Borussia vom reichen Tabellenfünften der Premier League eine Ablöse in Rekordhöhe bekommen. Kolportiert werden 42,5 Millionen Euro – das wäre sowohl die höchste vom Verein als auch für einen Spieler mit einem Jahr Vertragslaufzeit erzielte Summe.

Watzke und der BVB wollten mit Mkhitaryan ernsthaft verlängern, sie wurden aber vom Spieler und dessen Berater Mino Raiola hingehalten, bis sich die Tür nach Manchester öffnete. Dagegen ist man als ein Verein mit dem Standing der Borussia nicht gefeit. Nach dieser vergangenen Saison war es keinesfalls naiv, sondern einfach zwingend, alles zu versuchen, um Mkhitaryan zu halten. Als die Vertragsverlängerung vom Tisch war, erwies sich Aki Watzke als Mino Raiola – oder zumindest Manchester United – ebenbürtig und lehnte einen Transfer in diesem Sommer zunächst ab.

Was jetzt wohl für die Borussia herausspringen wird, ist verdammt viel Geld. Enttäuscht darf man vielleicht von Miki sein – viele hatten ihn für einen charakterlich anderen Typen gehalten. Wer jetzt von den Regeln des Geschäfts und den Fußballern als Unternehmern anfangen will, hat natürlich nicht Unrecht – trotzdem sind alle im Business Menschen und keine Maschinen. Die einzige Lehre, die die BVB-Führung aus der Geschichte ziehen könnte, ist, die Zusammenarbeit mit Spielerberatern wie Raiola zu hinterfragen.

Sportlich bedeuten die drei Abgänge selbstverständlich einen herben Verlust. In der Form der letzten Spielzeit könnte Miki der herbste sein. Borussia Dortmund hat bereits vielversprechende Verpflichtungen getätigt und wird mit den sprudelnden Millionen mindestens eine weitere tätigen. Die Frage, wie gut die stark umgebaute Mannschaft 2016/17 funktionieren wird, ist eine so spannende, dass auch ein Wechsel von Andre Schürrle zum BVB die Ungewissheit nicht mehr sonderlich erhöhen würde. Ich für meinen Teil würde ihn lieber in schwarz-gelb sehen als Mario Götze – nicht aus Unversöhnlichkeit, sondern weil Letzterer selbst nach wie vor keine Anstalten macht, sich für eine Rückkehr zu erwärmen. Ob Schürrle allerdings immer noch mehr als 30 Millionen wert ist, wage ich zu bezweifeln. Vielleicht sprechen wir bald noch über ganz andere Namen.

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