15 Jahre zweite Liga und kein Ende in Sicht

Das Schlimmste wird Ipswich Town nicht passieren. Ein Abstieg des traditionsreichen Zweitligisten dürfte zu vermeiden sein, auch wenn er sich nur noch haarscharf über dem unteren Tabellendrittel bewegt. Es ist das ewig Gleiche, das die Fans zermürbt: Ipswich spielt im 15. Jahr in der Championship, länger als es deren heutigen Namen gibt. Die Erfolge der Vergangenheit machen das schwer akzeptabel für die, die sich erinnern können. 1978 gewann der Klub den FA Cup und 1981 sogar den UEFA-Pokal. In der Saison nach dem Abstieg 2002 war Town noch mal europäisch dabei.

Heute hat der Verein mit dem wohl lustigsten Spitznamen im englischen Profifußball wenig Spaß. Die „Tractor Boys“ (eine erst von gegnerischen Fans benutzte und dann adaptierte Anspielung auf die Lage Ipswichs in der ländlich geprägten Grafschaft Suffolk) haben noch keine zwei aufeinanderfolgenden Spiele gewonnen. Einem überraschend deutlichen und positiven 3:0 gegen die Queens Park Rangers folgte am Samstag ein ernüchterndes 0:2 bei Bristol City, zuletzt auf Abwärtskurs in der Tabelle. Ein Elfmeter und ein Sonntagsschuss – da war er wieder, der Yo-Yo-Effekt.

Die Konstanz fehlt den Tractor Boys – und den Fans langsam die Geduld. Ipswich hatte noch nie die enthusiastischsten Anhänger. Es sind aber vor allem die langen Jahre in der zweiten Liga, die ihren Tribut fordern. Die Zuschauerzahlen daheim an der Portman Road sinken ebenso wie die Anzahl der Auswärtsfahrer. Hinzu kommt: Mit jedem Rückschlag und jedem torlosen Spiel macht sich der jetzige Trainer Mick McCarthy unbeliebter. Die Fans werfen ihm negative Taktik und defensive Aufstellungen vor. Es hilft nicht, dass er in seinen gut vier Jahren in Ipswich keinen dauerhaften Fortschritt gebracht hat.

Der Trainer verrät die Aufstellung

Beim jüngsten Heimspiel, dem Sieg gegen QPR, wurde bereits vor der Partie nach Bekanntgabe der Aufstellung gebuht. Besonders kontrovers war „Skuglas“ – McCarthys zentrales Mittelfeld, bestehend aus dem 30-jährigen Cole Skuse und dem 35-jährigen Jonathan Douglas. Dagegen saßen das 20-jährige Eigengewächs Teddy Bishop und der von vielen Fans als spielerisch bester Akteur angesehene Jonathan Williams auf der Bank. Vor der Partie in Bristol hatte Mick McCarthy bekanntgegeben, die siegreiche Startformation erneut aufzubieten – eine für den Gegner informative Aussage, die nach einer Niederlage natürlich hinterfragt wird.

Inzwischen dürfte die große Mehrheit der Town-Fans eine Trennung vom Trainer noch vor dem Winter-Transferfenster befürworten. Da hilft auch nicht mehr, dass der ein jovialer Typ ist, der redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Und eigentlich war McCarthy mit der festen Verpflichtung des jungen Flügelspielers Grant Ward von Tottenham im Sommer sogar ein kleiner Coup gelungen. Doch auch der seit heute 22-Jährige konnte seine teilweise richtig guten Darbietungen nicht in jedem Spiel abrufen.

Der Klubbesitzer zahlt ungern Ablöse

Teil des Problems ist, dass der Trainer in den Jahren zuvor kaum Ablösesummen zahlen durfte. Klubeigentümer Marcus Evans legt Wert auf Sparsamkeit – bei den laufenden Verlusten nachvollziehbar. Doch die richtige Balance zu finden und die sportliche Konkurrenzfähigkeit zu gewährleisten, ist so nicht einfach. Ehemalige Premier League-Vereine und Klubs mit noch reicheren Gönnern im Hintergrund tummeln sich in der Championship.

Evans hält sich aus dem Tagesgeschäft heraus, das er unter anderem Klubdirektor Ian Milne überlässt. An McCarthy hält der gerne im Hintergrund bleibende Besitzer aber noch fest. Was erst mal kein negativer Zug sein muss – wenn es nicht bei manchen so rüberkommen würde, als ob Evans das Interesse an den Belangen des Vereins fehlt. Im topaktuellen und stark frequentierten Fanzine TWTD.co.uk äußern sich einige Fans so desillusioniert von McCarthy und Evans, dass sie sogar den Boykott von Town-Spielen ankündigen, bis zumindest der Trainer weg ist.

Keine gute Gemengelage beim Traditionsverein von 1878. Heute ist FA Cup-Auslosung und die Fans befürchten schon die nächste Blamage gegen einen niedrigerklassigen Verein. Neben einer Siegesserie könnte nur ein Triumph im „Old Farm Derby“ gegen Norwich City, den großen Konkurrenten aus dem benachbarten Norfolk, helfen. Doch das findet erst am 26. Februar statt – womöglich zu spät für McCarthy.

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