Rindfleischburger zum Frühstück

1. Bundesliga, 19. Spieltag / BVB 1 RB Leipzig 0

Ein Sieg für die Freunde des Fußballs – da schmecken die Brötchen und der koffeinhaltige Kaffee am Sonntagmorgen besonders gut. Borussia Dortmund fand gegen den Tabellenzweiten die richtige Taktik und die richtige Einstellung, ließ kaum Chancen zu und hatte es sich selbst zuzuschreiben, dass die beinahe letzte Spielsekunde beinahe noch schrecklich wurde.

Drei Gedanken zum Spiel

Es war auch ein Sieg des Matchplans. Ein Sieg von Thomas Tuchel über seine Kritiker, die tatsächlich äußerst diffus in ihren Argumenten sind und vor allem das nachplappern, was die Bild-Zeitung kolportiert. Gestern hatte sich der Trainer die richtigen Gedanken vor dem Spiel gemacht und seine Spieler setzten sie um. Gegen bekanntlich sehr früh pressende Leipziger einen spielstarken Innenverteidiger wie Marc Bartra zu bringen, zahlte sich aus – auch wenn der Spanier nicht komplett ohne Fehl und Tadel blieb. In der Offensive setzte Tuchel überspitzt gesagt alles auf einen Flügel: Erik Durm und Ousmane Dembelé bildeten über rechts ein technisch starkes, handlungsschnelles Duo, das vor allem in zwei Situationen, darunter das 1:0, glänzend agierte.

Überhaupt: Dem fantastischen Dembelé gebührt in Normalverfassung ein Stammplatz. Mit Auba und ihm zwei äußerst schnelle Spieler gegen die Pressingmaschine Leipzig zu setzen, war ohnehin goldrichtig. Marco Reus erwischte dagegen einen, nun ja, unglücklichen Tag. Einsatz und Laufwege stimmten, doch der Abschluss kostete die Fans der Schwarz-Gelben einige Nerven. Drei Großchancen gegen RB zu vergeben wäre fast unverzeihlich gewesen. Dennoch: Für mich gehört Reus neben Aubameyang und Dembelé in die BVB-Offensive. Dass damit ein 55-Millionen-Duo auf der Bank Platz nehmen muss, haben andere zu verantworten.

Neben Tuchels taktischen und personellen Vorgaben gelang der Heimsieg aufgrund der Top-Einstellung. Gestern wurde gerannt als gäbe es kein Morgen und keinen Pokal. Leipzig verlor nicht nur wegen ein paar fehlenden Spielern, sondern auch weil die Borussia die Stärken der Gäste emulierte. Dadurch mangelte es zwar in der ersten Hälfte auf beiden Seiten an Torgelegenheiten, doch man muss ein Team wie RB erst mal auf zwei Torschüsse in 90 Minuten beschränken. Exemplarisch steht für diese Tugend natürlich Sokratis, den viele als den Spieler des Spiels gesehen haben.

Anstelle der vermeintlichen „Tuchel-Frage“ dürfte nun im Boulevard die Form des Protests gegen RB Leipzig diskutiert werden. Der Fußball, wie wir ihn kennen und lieben, ist nicht erst seit gestern, aber seit RB in besonderem Maße in Gefahr. Deshalb waren die zahlreichen Banner auf der Südtribüne wichtig, um die heile Marketing-Welt der Bullen zu stören. Manche Sprüche waren geschmacklos, manche einfach gestrickt, viele jedoch auf den Punkt. Was gar nicht geht und natürlich ein Bärendienst für die eigene Sache ist: die gewalttätigen Angriffe auf friedliche Fans des Gegners, die es vor dem Stadion gab – in Form von Stein- und Büchsenwürfen.

Es gibt zwei Rollen, in denen sich Ralf Rangnick und Co. gefallen: bevorzugt in der des normalen, jugendlich-frischen Bundesligisten. Und wenn von außen an der Normalität gekratzt wird, schlüpft man eben in die Opferrolle. Das haben die Dortmunder Gewalttäter dem Brauseklub leider ermöglicht.

Für die Borussia gilt es nun, die Top-Einstellung und starke Leistung aus einem Topspiel mit in die nächsten Partien zu nehmen – was in der Vergangenheit nicht immer geklappt hat. Ein Pokal-Aus am Mittwoch könnte der gestrige Sieg nicht aufwiegen. Und dann muss man erst mal beim abstiegskämpfenden SV Darmstadt 98 bestehen. Deshalb stimmt bei aller Emotion die Vorgabe von Thomas Tuchel, der zwar von einem großen Schritt sprach, aber auch mahnte: „Von Spiel zu Spiel zu denken. Immer das nächste kleine Ziel vor Augen haben.“ Da sind wir uns mit den Leipzigern ja mal einig.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Bartra – Weigl – Durm, Guerreiro (77. Ginter), Schmelzer (85. Passlack) – Dembelé (61. Pulisic), Reus – Aubameyang. Gelbe Karte: Aubameyang. Tor: Aubameyang

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2 Gedanken zu “Rindfleischburger zum Frühstück

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