Auf der Suche nach dem goldenen Tor

Champions League, Achtelfinale / Benfica Lissabon 1 BVB 0

Das Golden Goal gibt es zum Glück nicht mehr, aber dafür Tore, die Gold wert sind. Ein solches gelang Borussia Dortmund gestern in der portugiesischen Hauptstadt nicht – obwohl die schwarz-gelben Jungs diesmal alles dafür taten, sich ihr Glück zu verdienen. Sie hatten die Partie – immerhin ein CL-Achtelfinale – über weite Strecken im Griff und deutlich mehr Chancen als Benfica, die ihre einzige große Gelegenheit kurz nach der Pause nutzten. Passenderweise war es eine Ecke.

Drei Gedanken zum Spiel

Diese Diskrepanz zur Liga muss man nicht verstehen. Wenn du siehst, welche Welten zwischen Darmstadt und Lissabon liegen, ärgerst du dich schwarz. Einerseits. Andererseits gibt es natürlich Hoffnung auf Besserung, wenn die richtige Mentalität doch mal in den Köpfen der Spieler ankommt. Es spielt ja niemand absichtlich wie gegen Darmstadt. Gestern jedenfalls zeigten die elf Schwarz-Gelben alles, was es am Samstag nicht zu sehen gab: zuvorderst Bissigkeit und Präsenz. Ganz früh wurden die Gastgeber attackiert und zu vielen Ballverlusten gezwungen. Mit Schmelzer und Piszczek kam wieder Ruhe in die Defensive. Auch der Spielaufbau wirkte viel ansehnlicher, Guerreiro und Reus etwa steigerten sich massiv gegenüber Samstag.

Wäre da nicht diese ausbleibende Chancenverwertung. Das geht dann wirklich nicht im Achtelfinale der Champions League: so viel liegen lassen und hoffen, dass nichts passiert. Pierre-Emerick Aubameyang hatte die klarsten Gelegenheiten, die er auch noch selber vergab. Bei seinem Elfmeter musste sich Torwart Ederson weniger anstrengen als etwa bei dem sensationell gehaltenen abgefälschten Pulisic-Schuss. Auch in anderen Szenen reagierte Ederson stark. Dennoch muss sich die Borussia bei allem Lob für die starke Leistung die Niederlage selbst zuschreiben. Neben den vergebenen Chancen zeigten sich beim Benfica-Treffer Piszczek und Sokratis nicht reaktionsschnell genug. Verbesserungswürdig waren übrigens auch die langen, öffnenden Bälle, die mit etwas mehr Präzision und weniger Hast noch mehr Torgefährliches hätten hervorrufen können.

In der Champions League ist Aubameyang die einzige Lösung im Sturm. Alexander Isak wurde für den Wettbewerb nicht gemeldet. Marco Reus und erst recht André Schürrle sind nicht effektiv genug im Torabschluss, um als echte Stürmer durchzugehen. Bleibt Ousmane Dembelé, der schon früher im Sturmzentrum gespielt hat, aber in Dortmund aufgrund seiner Dribbelstärke eher aus dem Raum bzw. von der Seite kommen soll. Trotzdem wäre ein Versuch mit ihm auf der Auba-Position nicht völlig abwegig. Ob die frühe Auswechslung unseres Top-Torjägers aber sinnvoll war, darüber darf diskutiert werden. Sky-Experte Ottmar Hitzfeld sagte nein, Thomas Tuchel erklärte nach dem Spiel seine Beweggründe.

Immerhin relativierte der verschossene Elfer etwas den Ärger über den in der ersten Hälfte nicht gegebenen (Ederson an Dembelé). Schiedsrichter Nicola Rizzoli hätte übrigens später auch reagieren müssen, als Schürrle zu Boden gezogen wurde – nicht die beste Partie des renommierten italienischen Referees.

Nach den Eindrücken von Lissabon glaubt man natürlich trotz fehlendem Auswärtstor an die Chance im Rückspiel. Doch viel wichtiger ist jetzt erst mal das Heimspiel vor leerer Südtribüne gegen den VfL Wolfsburg.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Bartra – Durm, Schmelzer – Weigl, Guerreiro (82. Castro) – Dembelé, Reus (82. Pulisic) – Aubameyang (62. Schürrle). Gelbe Karten: Schmelzer, Pulisic, Bartra