Überraschungsteam überraschend unterlegen

1. Bundesliga, 22. Spieltag / SC Freiburg 0 BVB 3

Das hatte man sich deutlich schwieriger vorgestellt: Ein sehr spielfreudiger BVB ließ dem bisher so überzeugenden Aufsteiger SC Freiburg keine Chance und musste sich nur vorwerfen lassen, die Partie nicht früher entschieden zu haben. Trotz bester Gelegenheiten gelangen erst nach der Pause Tore aus dem Spiel heraus.

Drei Gedanken zum Spiel

Diese Pause tat gut. Was immer man auch über die Anforderungen an einen hochbezahlten Profisportler denkt: Der ständige Drei-Tages-Rythmus von Spiel zu Spiel fordert irgendwann seinen Tribut. Den schwarz-gelben Jungs hatte die einwöchige Pause sichtlich geholfen. Nicht nur, da taktisch gearbeitet werden konnte. Drei Spieler fielen im Wochenvergleich besonders positiv auf: Ein gesunder und fitter Raphael Guerreiro bringt Flexibilität und internationale Klasse ins Spiel der Borussia. Zum einen, weil er mit Übersicht und Präzision Standards treten kann – wie beim 1:0 zu bewundern. Zum anderen, weil er für Dynamik bis ins letzte Drittel sorgt und damit Marco Reus und Ousmane Dembelé entlastet.

Sokratis war zuletzt ungewohnt erratisch aufgetreten und hatte zudem einiges auf die Socken gekriegt. Letzteres war auch gestern der Fall, doch in der Defensivarbeit machte „Papa“ als Zentrum einer hoch stehenden Dreierkette eine gute Figur. Ebenso wie nach Guerreiros Freistoß vorne, als er per schön ins lange Eck platziertem Kopfball sein erstes Saisontor erzielte. Hilfreich für die Dreierkette war der starke Tag von Julian Weigl, der allerdings von den Freiburgern auch nicht vehement angelaufen wurde. So durchkreuzte er nicht nur manche Angriffsbemühung der Gastgeber, sondern spielte wieder seine anerkannt präzisen Pässe.

Apropos Dreierkette. Sie kann ja funktionieren. Wenn die zusätzlichen Mittelfeldakteure den Gegner richtig beschäftigen. Insofern war es eine goldrichtige Entscheidung von Thomas Tuchel, den offensiv einfach limitierten Marcel Schmelzer mal auf die Bank zu setzen. Über seine Seite und nicht nur dort wirbelte Guerreiro. Nicht immer genauso effektiv, aber immer lebendig wirkte Erik Durm über rechts. Als später André Schürrle für Aubameyang in den Sturm ging, merkte man, dass man ihn weder dort noch über Außen vermisst hatte.

Christian Streich nahm nach dem Spiel die Schuld für die Niederlage auf sich, weil er es gegen den BVB zunächst mit Viererkette probiert hatte. Die Gegentore aus dem Spiel fielen allerdings erst, als die Gastgeber schon auf fünf Abwehrspieler umgestellt hatten. Nach der gestrigen Partie ließe sich auch trefflich über die Aussage von DFB-Chefausbilder Frank Wormuth diskutieren, die Wirkung taktischer Variationen sei überbewertet; es ginge in erster Linie um die Qualität der Spieler.

Die vermeintliche Krise von Auba ist vorbei. Als BVB-Fan hatte man die Geschichten in den Medien ohnehin nicht überbewertet. Bei der Chancenverwertung hatte es ja nicht nur bei ihm gehapert. Als Pierre-Emerick gestern einen Ball im Fünfmeterraum zum Gegenspieler spitzelte und danach einem Fallrückzieher von Dembelé im Weg stand, musste man nach dem Haareraufen erst mal schmunzeln. Aber in der zweiten Hälfte stand er zweimal perfekt zum Abstauben und machte bei den Hereingaben von Reus und Durm keine Fehler. Es waren zwar auch hundertprozentige Chancen, aber wen stört das? Aubas Torkonto steht trotz des 0:8-Untergangs des HSV in München wie das von Robert Lewandowski bei 19.

Eine lange Pause gibt es für den BVB nach diesem Spiel nicht. Schon am Dienstag geht’s nach Lotte, wo den Schwarz-Gelben am ehesten der Rasen sorgen machen wird. Übermut täte trotzdem nicht gut.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Bartra – Durm, Weigl, Castro, Guerreiro – Dembelé (76. Kagawa), Reus (81. Pulisic) – Aubameyang (82. Schürrle). Tore: Sokratis, Aubameyang (2)

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