Countdown zum Derby: Noch 1 Tag

Michael Zorc, Julian Weigl und Roman Bürki haben uns erklärt, wie wichtig ihnen das Derby ist. Nun müssen wir das nur noch morgen auf dem Platz sehen. Viele Gründe daran zu zweifeln gibt es nicht: Direkt nach der Länderspielpause scheint mir ein guter Zeitpunkt für das Spiel der Spiele zu sein. Auch wenn der eine oder andere viel unterwegs war.

Die Pressekonferenzen der Trainer haben noch die eine oder andere neue Info erbracht. Thomas Tuchel verriet heute, dass André Schürrle und Erik Durm verletzungsbedingt ausfallen. Schürrle hat sich bei seinem erfolgreichen Auftritt in Baku wehgetan, Erik im Training. Kein Grund zur Besorgnis, nur in mindestens einem Fall schade fürs Derby. Tuchel äußerte zudem, dass Shinji Kagawa frischer als Christian Pulisic vom Nationalteam zurückgekommen ist. Hinweis oder Täuschungsmanöver?

Generell hat man den Eindruck, dass der BVB-Trainer genau weiß, auf was es morgen ankommt. Doch den hatte man meistens vor den Spielen. Trotzdem schön, wie Thomas Tuchel die Derbyatmosphäre auf den Punkt bringt:

Die Entscheidungen sind noch einen Tick wichtiger. Jeder weiß, dass jeder Fehler entscheidend sein kann und man ihn erst in einem Jahr wieder korrigieren kann.

Gestern hatte auch Schalkes Markus Weinzierl noch nicht alle Karten aufgedeckt: Sead Kolasinac und Eric Maxim Choupo-Moting waren ebenfalls angeschlagen von ihren Länderspielen zurückgekehrt und der Trainer konnte noch nicht sagen, ob es bis morgen reicht. Der lange verletzte Spanier Coke wäre „nur im Notfall“ eine Option.

Mancherorts wurde in den letzten Tagen über das steigende oder ausbleibende Derbyfieber diskutiert. Ich bin zwar mit einigem, was den sogenannten „modernen Fußball“ ausmacht, nicht einverstanden. Aber trotzdem oder gerade deswegen und nach der Länderspielpause noch mehr freue ich mich auf dieses Derby. Und habe kein schlechtes Gefühl!

BVB verstärkt volles Mittelfeld mit Mahmoud Dahoud

Das Derby-Warm-up wurde heute durch eine Vollzugsmeldung unterbrochen: Mahmoud Dahoud wechselt im Sommer von Borussia Mönchengladbach zu Borussia Dortmund und unterschreibt einen Vertrag bis 2022. Dabei hatte die Bild heute noch berichtet, der FC Liverpool sei ins Rennen um den 21-jährigen U21-Nationalspieler eingestiegen. Die Initiative zur Bekanntgabe des Transfers scheint von Gladbach und dessen Noch-Sportdirektor Max Eberl ausgegangen zu sein. Kein Wunder, bei dieser Gerüchtedichte.

Heiß begehrt war Dahoud wohl tatsächlich. Ohne Zweifel bekommt der BVB für nach Kicker-Informationen 12 Millionen Euro einen zentralen Mittelfeldspieler mit viel Potenzial. Die Summe soll einer bestehenden Ausstiegsklausel in Dahouds Vertrag mit Gladbach entsprechen. Der Neuzugang könnte in der kommenden Saison neben oder etwas vor Julian Weigl agieren. Ohne Zweifel hat Mahmoud aber auch noch Probleme mit der Konstanz. So war die Hinserie beim VfL eher durchwachsen – natürlich nicht nur bei ihm. 2017 läuft es wieder besser und so darf es ab Juli weitergehen.

Man kann den BVB-Verantwortlichen zu einem gelungenen Transfer gratulieren, der dank Klausel wirklich „value for money“ verspricht. Gleichzeitig stellen sich Fragen nach der Transferpolitik allgemein. Ein weiterer Spieler fürs Mittelfeld, wo die Kaderdichte ohnehin sehr hoch ist – macht das Sinn? Das wird davon abhängen, ob es gelingt, den Kader an anderer Stelle zu reduzieren.

Im Netz werden nun schon wieder Streichlisten diskutiert. Dabei vergessen die Autoren gerne, dass es sich zum einen um Menschen mit Emotionen und eigenem Willen handelt, die teilweise viel für die Borussia geleistet haben. Zum anderen verkaufen sich Spieler von der Ersatzbank oder der Tribüne nicht so einfach wie gehypte Jungstars. Schon letztes Jahr gelang es Michael Zorc und Aki Watzke nicht, für alle ‚Überzähligen‘ Abnehmer zu finden. Meine persönliche Meinung: Zumindest Gonzalo Castro und Sven ‚Manni‘ Bender gehören in den Kader. Andere, auf die man vielleicht sportlich verzichten könnte, würden bei einem Abgang zum finanziellen Verlustgeschäft.

Countdown zum Derby: noch 3 Tage

Reinhard Rauball spricht vom emotional wichtigsten Spiel der Saison – und „das hat sich über die Jahre auch nicht abgenutzt“. Da will ich dem BVB- und DFL-Präsidenten nicht widersprechen, denn am Samstag zur besten Fußballzeit ist Derby in Gelsenkirchen. Natürlich darf darüber diskutiert werden, ob Partien gegen den FC Bayern nicht ähnlich aufgeladen sind. Rauball hält sie „rein sportlich und wirtschaftlich“ aktuell für wichtiger als das Revierderby. Das mag in der Regel so sein, aber das 150. Aufeinandertreffen von BVB und S04 ist auch in dieser Hinsicht für beide Klubs eminent wichtig: Für die Schwarz-Gelben geht es um Platz 2 oder zumindest um die direkte CL-Quali, für die Blauen darum, 2017/18 überhaupt europäisch spielen zu dürfen.

Grund genug, im Vorfeld all das aufzugreifen, was eine Erwähnung wert ist und mich noch mehr ins Derbyfieber zu schreiben. Während Thomas Tuchel und Hans-Joachim Watzke gerade Lobeshymnen auf Ousmane Dembelé anstimmen, hätte Schalke-Trainer Markus Weinzierl gerne bessere Spieler – so einen wie Aubameyang beispielsweise. Ousmane oder Auba? Mein Lieblingsschütze für das Siegtor wäre ja ‚Papa‘ Sokratis, aber egal!

Zur Folklore vor einem Revierderby gehört leider, dass sich gewaltbereite Fans verabreden – im aktuellen Fall wohl aus dem BVB-, S04- und Effzeh-Umfeld. Doch die Polizei bekam glücklicherweise Wind von der am Flughafen Weeze geplanten Konfrontation. Außerdem sind gefälschte Tickets für das Spiel in der Turnhalle aufgetaucht.

Die Personalfragen vor dem Derby scheinen bei der Borussia weitgehend geklärt – sofern es darum geht, wer in der Lage ist, im Kader zu stehen. Für Marco Reus kommt die Partie wohl zu früh. Sven Bender und Nuri Sahin trainieren dagegen wieder voll, nachdem sie letztes Wochenende für das Spitzenspiel der zweiten Mannschaft gegen Viktoria Köln (2:3) absagen mussten. Julian Weigl sollte spätestens bis Samstag wieder voll belastbar sein, obwohl er für das Länderspiel in Aserbaidschan ausgefallen war.

Bleibt die Personalie André Schürrle. Dortmunds Rekordtransfer überzeugte in Baku, tut das aber im Verein eher selten. Manche Medien wollen nun leise Kritik am BVB-Trainer aus seinen Worten nach dem Länderspiel herausgehört haben. Thomas Tuchel wird sich davon hoffentlich nicht beeinflussen lassen. Was die anderen offensiven Schwarz-Gelben machen, ist einfach gefährlicher als das, was Schürrle bisher für die Borussia gezeigt hat. Sollte natürlich er am Samstag den Siegtreffer erzielen, könnte sich sein Standing schnell verbessern…

Derby County: Was kommt nach Wally?

In diesen Tagen steht Steve McClaren wieder im Regen: Vor knapp zwei Wochen wurde der ehemalige englische Nationaltrainer beim Zweitligisten Derby County entlassen. Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren. Und schon sind sie wieder da, die Erinnerungen und Anspielungen an den „Wally with the brolly“, den „Depp mit dem Schirm“, der einst nach einer verregneten Niederlage gegen Kroatien seinen Job beim Nationalteam verlor. Mit seinen Äußerungen seit der jüngsten Entlassung macht es McClaren den Medien aber auch leicht. Er sei geschockt und überhaupt habe er die ihm gesetzten Ziele doch erreicht: Die „Rams“ aus der Gefahrenzone am Ende der Championship zu führen.

Die Aussagen passen zum Bild des immer etwas zu soften, zu naiven McClaren. Dass die eigentliche Mission erst mit dem Aufstieg in die Premier League vollendet ist, hätte er nicht nur deshalb wissen können, weil er selbst mit Derby 2014 bereits im Play-Off-Finale stand. Letzte Saison erreichten die Rams erneut die Play-Offs, scheiterten aber im Halbfinale. Auf dem Transfermarkt macht der Klub zwar keine ganz verrückten Sachen, ist aber durchaus bereit zu investieren. Viele Spieler haben bei Derby langfristige Verträge; so will man Bindungen schaffen, die etwa Leihspieler normalerweise nicht haben.

Das Problem: McClaren, aber auch seine Vorgänger haben es nicht geschafft, eine homogene und stets hungrige Mannschaft zu formen. Den Rams fehlt die Konstanz. Manche Spieler scheinen sich auf ihren Verträgen gelegentlich auszuruhen. Der Altersschnitt des Kaders und vor allem der Akteure mit den meisten Einsätzen liegt über dem der Liga. Zeit für einen Umbruch! Aber wie soll der gelingen, wenn in zwei Jahren fünfmal der Trainer ausgewechselt wird? Der in Derby wie in den meisten englischen Klubs eine größere Rolle bei Transfers spielt als in Deutschland.Weiterlesen »

Dortmund rettet sich in die Pause

1. Bundesliga, 25. Spieltag / BVB 1 FC Ingolstadt 0

Selten schien der BVB eine Spielpause so nötig zu haben wie jetzt. Gegen den Tabellenvorletzten waren die Schwarz-Gelben im eigenen Stadion die schwächere Mannschaft, wobei den Schanzern zum Klassenerhalt ganz offensichtlich die Sicherheit im Abschluss fehlt. Die Gastgeber wirkten mental und körperlich müde, wofür man bedingt Verständnis haben kann.

Drei Gedanken zum Spiel

Es war nicht schön, aber am Ende zählt trotz allem das Ergebnis. Meiner Ansicht nach kommt der Leistungssport davon nicht weg. Wer mit lauteren Mitteln glücklich gewinnt, darf sich freuen. Wir können über das elfmeterwürdige Foul von Roman Bürki sprechen, aber auf der anderen Seite spielte Ingolstadts Pascal Groß den Ball nach Castros Freistoß mit der Hand. Der Kicker notiert 10:14 Torschüsse aus Sicht des BVB; die Chancenanzahl dürfte schon ausgeglichener gewesen sein.

Wenn die Mannschaft nicht ganz auf der Höhe ist, wackelt die Dreierkette. Wenn die Außenspieler Schmelle und Durm zur Unterstützung fehlen, merkt man auf Dauer, dass Piszczu eben kein Innenverteidiger ist und Ginter einfach kein konstant hohes Niveau erreicht. Zudem schwächelte der zentral im Mittelfeld agierende Guerreiro. Es bleiben also Zweifel an der Abkehr von der guten alten Viererkette. Und die Frage, was gegen das Duo Sokratis/Bartra in der Innenverteidigung spricht. Wie wäre es außerdem mit einer Rückkehr von Guerreiro nach links hinten?

Schlecht gespielt, Chance genutzt. Das schließt natürlich an Punkt 1 an. Aber da ich nur die letzte halbe Stunde der Partie am Freitag sehen konnte, beschäftige ich mich lieber noch mit der Zukunft. Die tabellarische Gegenwart zeigt, dass der Kampf um Platz 2 wieder offen ist. RB Leipzig hat erneut gepatzt und diesmal ist der BVB auf drei Punkte herangekommen. Allerdings bleibt auch der Kampf um Platz 3 offen, denn Hoffenheim ist mitgezogen. Wenn die Borussia ein schlechtes Spiel und die Länderspiel-Pause benötigt, um für die ganzen Knaller-Spiele – Schalke! Bayern! Monaco! – wieder voll da zu sein: so be it!

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Ginter – Durm, Castro (83. Merino), Guerreiro (56. Weigl), Schmelzer – Pulisic (77. Schürrle), Kagawa – Aubameyang. Gelbe Karte: Schmelzer. Tor: Aubameyang

Lieber Fürstentum als Königliche

Borussia Dortmund feiert eine Premiere und trifft erstmals in der Champions League auf den AS Monaco. So ergab es die Auslosung des Viertelfinales durch Ian Rush heute Mittag in Nyon. Monaco, das ist der Klub, der schon mal groß war, bevor er 2011 in die zweite Liga abstieg. Heute ist er mit drei Punkten Vorsprung auf PSG Tabellenführer der Ligue 1.

Diese Wende nach ganz oben hat der AS Monaco vor allem dem Geld von Dmitry Rybolovlev zu verdanken. Im Winter 2011 kaufte der russische Milliardär, um den sich auch einige Skandalgeschichten ranken, zwei Drittel der Klubanteile (der Rest gehört dem monegassischen Fürstenhaus). Seitdem hat er massiv investiert und unter anderem den heutigen Kapitän Radamel Falcao für rund 43 Millionen Euro (laut Transfermarkt.de) von Atletico Madrid geholt. Die Portugiesen Joao Moutinho und Bernardo Silva spielen ebenso im Fürstentum wie der bei europäischen Topklubs gefragte Teenager Kylian Mbappé.

Der BVB muss sich also auf viel, viel Qualität einstellen, wie auch schon Pep Guardiolas Manchester City erfahren durfte. Zudem findet das Rückspiel im Stade Louis II statt. Trotzdem: Die Monegassen haben in Manchester fünf Tore kassiert und sind noch kein in Europas absoluter Spitze etabliertes Team. Das Los ist also allemal besser als im April viermal gegen den FC Bayern spielen zu müssen. Oder etwa gegen den Titelverteidiger und Spitzenreiter der Primera Division. Da überlassen wir den königlichen Glanz doch gerne unserem deutschen Rekordmeister.

Große Punkte in großem Spiel

1. Bundesliga, 23. Spieltag / BVB 6 Bayer Leverkusen 2

Man kann ja gegen Leverkusen sagen was man will, aber die Spiele unserer Borussia gegen die Werkself sind immer auf die eine oder andere Weise unterhaltsam. An diesem Samstag sahen wir die womöglich beste Partie mit BVB-Beteiligung in dieser Saison. Was nicht nur am deutlichen Sieg lag, sondern auch daran, dass die Gäste zweimal zurückkamen und die Schwarz-Gelben so weiter anstachelten. Deshalb kann man ihnen zugestehen, dass der Sieg vielleicht ein Tor zu hoch ausfiel.

Drei Gedanken zum Spiel

Thomas Tuchel hat die derzeitige Idealformation gefunden. Ob die nun mit Dreierkette hinten auflaufen MUSS, sei mal dahingestellt. Wesentlich scheint eher, dass Guerreiro und Durm Marcel Schmelzer offensive Qualitäten voraushaben und mit denen mehr gegnerische Spieler binden. Während zentral Gonzalo Castro in guter Form eine Entlastung für Julian Weigl ist. Über die geniale Offensivreihe mit Reus, Dembelé und Auba müssen wir keine Worte verlieren. Kein Wunder, dass die Stimmung offensichtlich prächtig war wie vor der Südtribünen-Sperrung lange nicht. Der Wermutstropfen: Marco Reus musste mit einer Muskelverletzung ausgewechselt werden und fehlt ausgerechnet gegen Benfica. Erster Kandidat für seinen Platz – und ich hoffe Tuchel sieht das genauso: Christian Pulisic, nicht nur wegen seines Tores.

Reus‘ Verletzung ist das Stichwort: Nicht zum ersten Mal gegen den BVB agierte Leverkusen hart an der Grenze. Euphemistisch könnte man von „robustem Einsatz“ sprechen. Oder man sieht es als Mittel zum Zweck, die Dortmunder Feintechniker zu verunsichern. Um es klar zu sagen: Solche Mittel sind legitim, bis der Schiedsrichter pfeift. Doch der muss das dann auch tun. Und nicht wie Christian Dingert ein klar gelb-rot-würdiges Einsteigen von hinten durchgehen lassen, wie im Fall von Karim Bellarabi gegen Dembelé.

Sechs Tore gegen Abwehrchef Toprak. Bekanntlich wechselt der Leverkusener Innenverteidiger im Sommer zur Borussia. Werbung für sich war das gestern natürlich nicht. Zwar war Toprak bei den meisten BVB-Toren nicht der Hauptschuldige, doch gut organisiert wirkte die Gäste-Defensive nur gelegentlich. Gerade bei Standards zeigte sie sich erstaunlich anfällig. Nun ist auch das nicht in erster Linie Toprak schuld, doch als Ältester in der Viererkette konnte er zumindest keine Ruhe reinbringen. Blicken wir dagegen auf die momentane BVB-Abwehrreihe, hat Marc Bartra durch die jüngsten Erfolge an Sicherheit dazu gewonnen. Es mag noch eine Momentaufnahme sein, aber seine Pässe haben schon fast Hummels-Qualität.

Die nächste Saison wird in dieser Hinsicht spannend. Gesetzt den Fall, dass Sokratis bleibt – was wir wohl alle hoffen – darf sich auch Ömer Toprak seines Stammplatzes nicht sicher sein. Was ich nicht schlimm finde. Nur die Summen, die wir auf der Ersatzbank geparkt haben, die sind beachtlich.

Mit dem Sieg hat die Borussia nun diesmal eine Leipziger Vorlage genutzt und gleichzeitig einen potenziellen Konkurrenten endgültig abgehängt. Frankfurt und Köln dürften uns nicht mehr gefährlich werden; bleiben Hoffenheim und Hertha BSC. Und nun hoffen wir am Mittwoch erst mal auf ein weiteres großes Spiel.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Bartra – Durm, Weigl, Castro, Guerreiro – Dembelé (73. Kagawa), Reus (46. Pulisic) – Aubameyang (81. Schürrle). Tore: Dembelé, Aubameyang (2), Pulisic, Schürrle (EM), Guerreiro

Wenn Halbfinale, dann in München

Gut, dass ich mir das nicht mehr angesehen habe: Ex-FCB-Sportdirektor und Ex-BVB-Meistertrainer Matthias Sammer hat am späten Mittwochabend das DFB-Pokalhalbfinale ausgelost. Gewinnt Borussia Dortmund das Nachholspiel in Lotte, muss man mal wieder in die Arroganz-Arena.

Einerseits ist damit der Los-Dusel der Bayern komplett – zumindest was das Heimrecht angeht. Andererseits kommen Erinnerungen an eine der denkwürdigsten Pokalpartien der letzten Jahre hoch. Doch die liegt jetzt im Gestern. Buchstäblich gestern haben die Bayern den Revierrivalen aus Gelsenkirchen ordentlich hergespielt. Ja, sie nehmen Schwung auf, diese Rekordmeister. Noch kann niemand ihre Tagesform Ende April vorhersagen. So es denn zum Spitzenspiel kommt, hätte eine Borussia an der obersten Leistungsgrenze eine Chance gegen den FC Bayern.

Eigentlich ist mir ein Halbfinale gegen den FCB in der derzeitigen Situation fast lieber. Nicht schon wieder eine Finalniederlage. Und außerdem – so oder so – die Möglichkeit, sich ab Ende April halbwegs auf den Liga-Endspurt zu konzentrieren. Nur ein Heimspiel hätte es schon sein sollen.

Warum die Pokalspielabsage gut für den BVB ist

Eine nasskalte Nacht in Lotte erleben – macht mit Fußball sicher mehr Spaß. Darin dürften sich Spieler und Fans gestern Abend einig gewesen sein, als die Begegnung zwischen den gastgebenden Sportfreunden und Borussia Dortmund kurzfristig abgesagt wurde. Wer die Bilder vom Platz im Fernsehen gesehen hat, kann aber an Schiedsrichter Brychs Entscheidung nicht ernsthaft zweifeln. Selbstverständlich ist das bitter für die, die hingefahren sind. Aber wer kann erinnere sich mal zurück an die Achtziger – da gab es im Winter reihenweise Spielabsagen auch in der Bundesliga.

Natürlich darf die Frage gestellt werden, ob die Problematik nicht absehbar war. Schließlich wurde am Wochenende bereits die Drittliga-Begegnung der Lotter gegen den Chemnitzer FC abgesagt. Doch wer regelmäßig zu den Spielen eines unterklassigen Vereins geht, weiß: In vielen Stadien muss improvisiert werden, im Winter häufen sich die – manchmal auch kurzfristigen – Spielausfälle. Und keiner dieser Vereine wird im Pokal ohne Not auf sein Heimstadion verzichten, wenn es halbwegs den Erfordernissen genügt. Deshalb wären Vorwürfe an die SF Lotte unangemssen.

Nun kommt es voraussichtlich am 14. März zum nächsten Versuch – im Lotter Frimo Stadion oder an einem Ausweichort. Ob der Gastgeber das Risiko eingehen will, die Viertelfinalbegegnung erneut zu Hause anzusetzen, sollte er selbst entscheiden. Nur müssten dann rechtzeitig Signale aus Lotte kommen, wenn auch der neue Termin in Gefahr gerät.

Für die Borussia sollte die Verschiebung eigentlich kein Nachteil sein. Erneut haben die Schwarz-Gelben jetzt eine Woche Zeit, um sich auf eine mutmaßlich heiße Partie gegen Leverkusen vorzubereiten. Im Anschluss dürften die Kraftreserven auch noch für mindestens 90 Minuten gegen Benfica am Mittwoch reichen. Vor Freiburg wurde die Zeit genutzt. Wer weiß, welche Opfer dagegen der sogenannte Rasen von Lotte gefordert hätte. Das Problem ist natürlich nicht aus der Welt, könnte sich aber bis Mitte März verkleinert haben.