Derby County: Was kommt nach Wally?

In diesen Tagen steht Steve McClaren wieder im Regen: Vor knapp zwei Wochen wurde der ehemalige englische Nationaltrainer beim Zweitligisten Derby County entlassen. Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren. Und schon sind sie wieder da, die Erinnerungen und Anspielungen an den „Wally with the brolly“, den „Depp mit dem Schirm“, der einst nach einer verregneten Niederlage gegen Kroatien seinen Job beim Nationalteam verlor. Mit seinen Äußerungen seit der jüngsten Entlassung macht es McClaren den Medien aber auch leicht. Er sei geschockt und überhaupt habe er die ihm gesetzten Ziele doch erreicht: Die „Rams“ aus der Gefahrenzone am Ende der Championship zu führen.

Die Aussagen passen zum Bild des immer etwas zu soften, zu naiven McClaren. Dass die eigentliche Mission erst mit dem Aufstieg in die Premier League vollendet ist, hätte er nicht nur deshalb wissen können, weil er selbst mit Derby 2014 bereits im Play-Off-Finale stand. Letzte Saison erreichten die Rams erneut die Play-Offs, scheiterten aber im Halbfinale. Auf dem Transfermarkt macht der Klub zwar keine ganz verrückten Sachen, ist aber durchaus bereit zu investieren. Viele Spieler haben bei Derby langfristige Verträge; so will man Bindungen schaffen, die etwa Leihspieler normalerweise nicht haben.

Das Problem: McClaren, aber auch seine Vorgänger haben es nicht geschafft, eine homogene und stets hungrige Mannschaft zu formen. Den Rams fehlt die Konstanz. Manche Spieler scheinen sich auf ihren Verträgen gelegentlich auszuruhen. Der Altersschnitt des Kaders und vor allem der Akteure mit den meisten Einsätzen liegt über dem der Liga. Zeit für einen Umbruch! Aber wie soll der gelingen, wenn in zwei Jahren fünfmal der Trainer ausgewechselt wird? Der in Derby wie in den meisten englischen Klubs eine größere Rolle bei Transfers spielt als in Deutschland.

Dabei könnte man meinen, Derby County sei (wieder) in guten Händen: 2015 übernahm der einheimische Geschäftsmann Mel Morris den Klub von einer amerikanischen Investment-Gruppe. Morris ist seit Jahrzehnten Derby-Fan. Sein Vermögen machte er vor allem mit einer Investition: in das Unternehmen, das hinter einem Smartphone-Spiel namens Candy Crush Saga steckt.

Guter Wille ist jedoch manchmal nicht genug und die Konkurrenz in der Championship groß. Die Absteiger aus der Premier League haben durch Ausgleichszahlungen, die sie bekommen, ohnehin einen Vorteil. Auch andere Zweitligisten werden von potenten Geldgebern unterstützt. Umso wichtiger wäre es, wenn Morris und CEO Sam Rush nun die richtige Trainerwahl getroffen hätten. Neuer Mann ist der 43-jährige Gary Rowett, der im Dezember überraschend bei Ligakonkurrent Birmingham City entlassen worden war. Bei den Fans der „Blues“ war Rowett beliebt und auch für Derby hat er den richtigen Stallgeruch: In den Neunzigern spielte er drei Jahre bei den Rams; in der Saison 2008/09 analysierte er ihre Spiele für BBC Radio Derby.

Rowett wird nachgesagt, gegenüber McClaren ein direkteres, mutigeres Spiel nach vorne zu präferieren. Die Fans erhoffen sich von ihm auch ganz allgemein weniger Zauderei. Der Start war ermutigend und enttäuschend zugleich: Im Lokalderby beim großen Rivalen Nottingham Forest drehte Derby zunächst die Partie, führte 2:1. Doch tief in der Nachspielzeit köpfte Nottinghams Pinillos zum Ausgleich ins Tor. Die Rams verpassten damit einen Schritt in Richtung Play-Off-Ränge, stehen nun neun Punkte dahinter auf Platz 10 – bei acht ausstehenden Spielen. Außerdem zeigte sich ein verhängnisvolles Muster: Nur der deutliche Tabellenletzte Rotherham hat mehr späte Gegentore kassiert als Derby. Selbst gelang den Rams kein einziger Treffer in oder nach der 90. Minute.

Denkt man an diese Statistik und die vier Vereine, die Derby von Platz 6 trennen, braucht man eigentlich nicht lange rechnen. In dieser Saison wird das mit dem Aufstieg nichts mehr. Es läuft also darauf hinaus, ob Gary Rowett, der bei den Fans der Rams bisher gut ankommt, auch von der Vereinsführung die nötige Unterstützung bekommt. Im nächsten Transferfenster, um den Umbruch im Kader inklusive Verjüngung einzuleiten. Und in der nächsten Saison, wenn sich die Neuen einfügen müssen. Geduld hilft ja auch bei Candy Crush, Herr Morris!

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