Selters-Frühstück nach dem Pokalrausch

1. Bundesliga, 31. Spieltag / BVB 0 1. FC Köln 0

Das Umstellen von großen Dienstags- und Mittwochsspielen auf den Ligaalltag fällt den Schwarz-Gelben weiterhin schwer. Eins von beiden läuft in der Regel suboptimal. Am Samstag war’s eigentlich ein anständiger Auftritt gegen den Effzeh, nur ein Tor fehlte.

Die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt: Köln zog sich weit zurück, sobald der BVB richtig Druck aufbaute. Mitte der ersten Hälfte sahen die Gäste kurzzeitig gefährlich aus, aber die Schwarz-Gelben überstanden diese Phase schadlos. Die zweite Hälfte war ein einziges Anrennen; mal mehr, mal weniger intensiv. Doch die Kölner machten es defensiv immerhin so gut, dass zwar 23 Torschüsse, aber weit weniger echte Chancen heraussprangen.

Man kann das natürlich so machen in Dortmund, absolut legitim. Drei Punkte darf man allerdings nicht erwarten und dementsprechend zufrieden zeigte sich FC-Trainer Peter Stöger mit dem Unentschieden. Noch in der Nachspielzeit musste Keeper Timo Horn den Punkt allerdings gegen Guerreiro retten, anschließend war ausgerechnet Neven Subotic zur Stelle, um den Abpraller vor Dembelé zu klären.

Es war die einzige erwähnenswerte Geschichte rund um eine Partie, die schnell in Vergessenheit geraten wird: Neven wurde nach Schlusspfiff von der Südtribüne gefeiert. Auch wenn er angesichts der Personallage wohl kaum zurückkehren wird: Es war eine schöne Aktion, die einen unweigerlich wieder an die schönen Momente mit Neven erinnert.

Ändert aber nichts daran, dass der Punktverlust je nach Spielausgang in Sinsheim noch mal weh tun könnte.

Die Aufstellung: Bürki – Durm, Sokratis (74. Piszczek), Ginter, Schmelzer – Weigl, Castro – Pulisic, Kagawa (66. Guerreiro), Reus (66. Dembelé) – Aubameyang. Gelbe Karten: Durm, Castro.

Dortmund holt alles was zählt

DFB-Pokal, Halbfinale / Bayern München 2 BVB 3

Es ist viel mehr als nur ein Finaleinzug, ja sogar mehr als nur ein neuer Rekord für den BVB: Der Sieg beim FC Bayern macht aus einem diffusen Unbehagen über Aspekte des Vereins und des ‚modernen Fußballs‘ gelöste Glückseligkeit. Ging wahrscheinlich nicht nur mir so. Die Dramaturgie des Halbfinales von München folgte dabei dem Ligaspiel in Mönchengladbach – nur dass es die Schwarz-Gelben mit einem viel stärkeren Gegner zu tun hatten, dessen Weiterkommen die logische Konsequenz gewesen wäre.

Drei Gedanken zum Spiel

Was war das denn für ein Spielverlauf? Wir starten gut gegen den FC Bayern: typisch. Wir gehen sogar in Führung: auch schon vorgekommen. Der FCB zieht das Spiel an sich und dreht auch das Ergebnis: typisch Bayern. Und dann? Ich würde schreiben, wir waren doch schon tot – wenn es gerade nicht so makaber wäre. Spätestens nach der Bayern-Führung war die Borussia weg vom Fenster und viel zu weit weg von den Gegenspielern. Doch die Gastgeber ließen eine Reihe hochkarätiger Chancen aus, vor allem durch Lewandowski und Robben. Und dann reichten eine großartige Vorbereitung und ein großartiges Tor von Ousmane Dembelé, verbunden mit einem Fehler von Bayern-Kapitän Lahm, dieses Spiel unfassbarerweise erneut zu drehen.

Die jetzt natürlich wieder alles hinterfragenden Rekordmeister verloren aber in erster Linie, weil sie ihre Riesengelegenheiten nicht nutzten. Man könnte jetzt auch nicht sagen, was Manuel Neuer bei den drei Treffern besser gemacht hätte – obwohl ihm irgendein teuflischer Stunt immer zuzutrauen ist. Weiterlesen →

Vertragsverlängerungchen: Nuri Sahin bleibt bis 2019

Gerade noch hat ihn wieder mal das Verletzungspech ereilt: In Mönchengladbach zog sich BVB-Mittelfeldspieler Nuri Sahin einen Außenbandteilriss zu und wird frühestens im letzten Saisonspiel oder im Pokalfinale wieder auflaufen können. Doch was unser Eigengewächs in seinen wenigen Einsätzen der letzten Wochen gezeigt hat, scheint den Vereinsverantwortlichen gereicht zu haben: Nuri Sahin und die Borussia verlängern ihre Zusammenarbeit bis Juni 2019. Sportdirektor Michael Zorc sagte dazu unter anderem folgendes:

Auch wenn Nuri in den vergangenen beiden Jahren Pech mit Verletzungen hatte, hat er doch immer wieder gezeigt, dass er zurückkommen und einen sehr wichtigen Part in unserer jungen Mannschaft ausfüllen kann.

Natürlich weiß Nuri, dass jetzt ein ungünstiger Zeitpunkt für einen Wechsel wäre. Aber natürlich hat man auch auf Vereinsseite seine Verletzungsanfälligkeit ins Kalkül gezogen. Insofern macht eine Vertragsverlängerung um (nur) zwei Jahre für beide Seiten Sinn: Nuri ist heute 28 – Kinder, wie die Zeit vergeht. Mit 30 könnte er noch mal zu einem halbwegs ambitionierten Klub wechseln, wenn es nötig werden sollte. Der BVB sichert sich eine Integrations- und Identifikationsfigur, was bei einer jungen und veränderten Mannschaft schon mal per se Sinn macht.

Ob es sich für den Verein direkt sportlich auszahlt, ist noch mal eine andere Frage. Ich war damals skeptisch, als Nuri und Shinji Kagawa aus England zurückgeholt wurden. Bis zur aktuellen Rückserie dürften die meisten Beobachter diese Skepsis geteilt haben. Seither haben beide wieder eine Reihe guter Auftritte gezeigt – Shinji noch ein paar mehr als Nuri. Ob der Aufschwung von Dauer ist, lässt sich kaum vorhersagen. Noch haben sie ihr Spitzenniveau nicht erreicht und die Messlatte liegt hoch. Verletzungen helfen in aller Regel nicht.

Sagen wir es so: Wäre mit der Vertragsverlängerung eine deutliche Gehaltserhöhung verbunden, würde der Deal für den BVB keinen Sinn machen. Zu ähnlichen oder leistungsbezogeneren Bezügen dagegen schon. Und noch mehr dann, wenn Tuchel, Zorc und Watzke die Überbesetzung des Mittelfelds beheben und den Kader auf anderen Positionen stärken. Gerade in Zeiten wie diesen darf man sich außerdem auch mal ganz sentimental freuen, wenn uns ein langjähriger Schwarz-Gelber erhalten bleibt.

Hier sind die Big Points!

1. Bundesliga, 30. Spieltag / Mönchengladbach 2 BVB 3

Die Schwarz-Gelben drehen das Borussen-Duell erneut, nachdem sie nach einer zwischenzeitlichen Wende in Rückstand lagen. Es war kein Auftritt aus einem Guss, schon gar nicht bei den Gastgebern, doch was erwartet man mehr als eine solch engagierte Leistung mit später Belohnung in einer spannenden Partie?

Drei Gedanken zum Spiel

Wir müssen mit individuellen Fehlern leben und in Spielen wie diesem können wir das auch. Das war vor dem Anschlag so und das ist jetzt so, aus welchem Grund auch immer. Diesmal war es beim 1:1 kurz vor der Pause Mikel Merino, dem natürlich Spielpraxis fehlt, der relativ unbedrängt einen leichtsinnigen Querpass spielte. Das 1:2 kurz nach der Pause dann ein nicht gerade unvermeidbares Eigentor von Marcel Schmelzer. Und schon war der Spielverlauf auf den Kopf gestellt.

Dem BVB fehlte es an Präzision – vor allem in der dominant geführten ersten Hälfte. Da hatte Gladbach bis zum Ausgleich keine ernsthafte Torchance, die Schwarz-Gelben sahen auch nach der frühen Führung durch Reus‘ Elfmeter ein paar Mal gefährlich aus. Und doch hätte es bei genauerem Passspiel in der Offensive noch viel öfter gefährlich werden können. Das ist der Bereich, in dem die jungen Supertalente Dembelé und Pulisic noch Verbesserungsbedarf haben. Ebenso wie Merino, der nach 22 Minuten für den leider erneut verletzten Nuri Sahin kam. Wobei Mikel es nach seinem Fauxpas zumindest in der zweiten Hälfte nicht an Einsatz und guten Ansätzen fehlen ließ.

Wie die bessere Borussia die Partie nochmals drehte, zeugt von wiedergewonnener Stärke – auch mentaler Art. Natürlich ist es ein Luxus, Pierre-Emerick Aubameyang von der Bank bringen zu können. Der dann nach knapp 110 Sekunden traf. Aber nach dem Ausgleich befanden sich eher die Schwarz-Gelben im Aufwind, obwohl es für die gastgebenden Gladbacher auch noch um einiges geht. Nach diesem Spielverlauf war es mir eine besonders große Freude, als in der 87. Minute ein BVB-Freistoß endlich mal wieder perfekt in den Strafraum segelte und den richtigen Kopf fand. Castro hatte ausgeführt und der im Spielverlauf stärker werdende Guerreiro köpfte ein.

Höchsten Respekt für eine nicht astreine, aber unter den Umständen tolle Leistung! Vielleicht kommt die von allen herbeigesehnte Normalität nach der Verhaftung des Bombenlegers früher als erhofft, zumindest auf dem Platz. Ohne dass wir vergessen, was man nicht vergessen kann. Und endlich nutzt der BVB die Vorlage der Konkurrenz: Dritter!

Die Aufstellung: Bürki – Ginter, Bender, Schmelzer – Durm, Sahin (22. Merino), Guerreiro, Castro – Dembelé (87. Mor), Reus (57. Aubameyang), Pulisic. Gelbe Karten: Castro, Merino, Bürki. Tore: Reus (EM), Aubameyang, Guerreiro

Perversion des Finanzmarkts ist schuld am BVB-Attentat

Es war nach jetzigem Stand ein einzelner Mensch, der sich entschieden hat, Fußballspieler zu töten, um damit Geld zu verdienen – die Idee eines kranken und vor allem extrem bösartigen Hirns. Doch die Voraussetzung für das Entstehen dieser Idee war, dass es eine Möglichkeit gibt, mit fallenden Aktienkursen Geld zu verdienen. Mit der Art von Optionsscheinen, die der mutmaßliche Attentäter Sergej W. erwarb, hätte er umso mehr gewonnen, umso tiefer der Kurs der BVB-Aktie gefallen wäre. Es ist abgrundtief zynisch, aber je mehr Spieler gestorben wären, desto gewinnbringender für den 28-Jährigen.

Keine Frage, ermöglicht wurde dieser Plan auch dadurch, dass Aktien von Borussia Dortmund überhaupt an der Börse gehandelt werden. Doch der springende Punkt ist: Warum gibt es überhaupt die Option, auf fallende Aktienkurse zu setzen? Warum sollte jemand davon profitieren, wenn es einem Unternehmen schlechter geht? Die FAZ erklärt, dass die Idee hinter diesen Finanzprodukten ursprünglich war, das eigene Aktiendepot für schwierige Zeiten abzusichern und Verluste auszugleichen. Doch schon vor zehn Jahren während der Finanzkrise zeigte sich, dass solche und ähnliche Produkte vor allem für Zocker interessant waren. Das Spiel- und Wettelement ist den Optionsscheinen immanent – und leider auch die Möglichkeit, Wettmanipulation zu begehen.

Wird sich durch diesen besonders krassen Fall des Missbrauchs etwas am weltweiten Finanzsystem ändern? Wohl kaum. Vielleicht denken zumindest diejenigen unter den Fußballfans noch mal nach, die glauben, deutsche Vereine sollten bei allem, was Geld bringt, mitmachen. Mehr als ein frommer Wunsch?

Kein Wunder

Champions League, Viertelfinale / AS Monaco 3 BVB 1

Mehr als leise Hoffnung nach dem schnellen Anschlusstreffer zu Beginn der zweiten Hälfte kam nicht auf: Die Borussia scheidet deutlich aus der Champions League aus. Erneut erwischten die Schwarz-Gelben einen schwachen Start, lagen schnell 0:2 hinten. Die taktischen und personellen Korrekturen von Thomas Tuchel kamen zu spät. Und schon ab der 60. Minute hatte man das Gefühl, dass ein dritter Treffer der starken Gastgeber wahrscheinlicher war als ein zweiter des BVB.

Drei Gedanken zum Spiel

Die Frage nach dem Warum wird uns noch mindestens bis zum Saisonende verfolgen. Ein Spiel der Borussia unbeschwert zu analysieren ist durch den Bombenanschlag unmöglich geworden. Was die betroffenen Spieler erlebt haben, hängt nach – so ließen es alle, die sich geäußert haben, durchklingen. Doch inwiefern beeinflusst es eine Partie? Es ist unmöglich zu sagen, es bleiben nur Mutmaßungen. Hätte Lukasz Piszczek in einer bombenfreien Realität zwei derartige Fehlpässe in zwei CL-Partien fabriziert? Hätte Roman Bürki mehr tun können als bei Mendys Schuss nur die Fäuste hochzureißen – wenn die Mannschaft nicht vor der Abfahrt ins Stadion im Bus eine gute Viertelstunde von der Polizei aufgehalten worden wäre? Was steckte hinter der schnell korrigierten Nichtberücksichtigung von Ousmane Dembelé?

Auch Thomas Tuchel saß letzte und diese Woche im Mannschaftsbus. Das kann wohl eher nicht die fragwürdige Taktik erklären. Tuchel wollte nach der Partie nichts auf die Dreierkette kommen lassen, doch regelmäßige Leser von Any Given Weekend wissen, dass ich mit ihr nicht warm werde. Gestern zeigte sich exemplarisch, warum. Die Stellenbeschreibung für die Dreierkette müsste in etwa so lauten: „Gesucht werden Abwehrspieler, die Erfahrungen in der Innenverteidigung vorweisen können und sich dort zu Hause fühlen. Gefordert sind Schnelligkeit und Flexibilität. Bewerber müssen sich umgehend auf neue Situationen einstellen können.“ Weiterlesen →

Sokratis auf dem Olymp

Sokratis Papastathopoulos ist endgültig zum Fußballgott aufgestiegen. Leider konnte ich die Partie gegen Frankfurt nur im ZDF-Sportstudio verfolgen, aber das Spiel der Traumtore verdient trotzdem noch ein paar Zeilen. Am Mittwochabend äußerte sich die Belastung, unter der auch ‚Papa‘ nach dem Anschlag stand, in Tränen. Am Samstag lässt er mal eben einen Gegenspieler aussteigen und trifft mit einem herrlichen Pfund ins linke Eck.

Dieser Schuss war die Antwort auf das Geschehene, auch wenn er nichts ungeschehen macht und nichts vorbei ist. Umso schöner, dass auch noch Rückkehrer Marco Reus mit einem Hackentrick traf. Vielleicht beginnt nun eine Phase, in der Fußballspiele für die vom Anschlag betroffenen Spieler – zu denen Reus nicht gehörte – eine willkommene Ablenkung sind. Kopf abschalten, Fußball spielen eben. Aber das ist natürlich nur eine Hoffnung und Küchenpsychologie obendrein.

Für die Champions League, die am Mittwoch folgt, hege ich allerdings keine großen Hoffnungen. Monaco scheint mir zu wach und kühl, um sich den Vorteil noch nehmen zu lassen. Schauen wir mal. In der Liga ist nicht nur wegen des Heimspiels gegen Hoffenheim selbstverständlich noch Platz 3 drin.

Der Fußball hat verloren

Champions League, Viertelfinale / BVB 2 AS Monaco 3

Die Borussia verliert ein Spiel, das zu diesem Zeitpunkt besser gar nicht stattgefunden hätte. Ja, Monaco hat eine gute Mannschaft und der BVB sein bewundernswertes Bestes gegeben. Doch der Einfluss äußerer Faktoren auf den Spielverlauf ist unbestreitbar.

Drei Gedanken zum Spiel

Es wurde und wird auch weiterhin über die Terminierung dieser Begegnung geredet. Wäre man weniger standhaft gegenüber dem Terrorismus gewesen, wenn sie weiter verschoben worden wäre? Ich denke nicht. Zu einem späteren Zeitpunkt hätte man mindestens genauso viel Entschlossenheit spüren können – bei Fans und Spielern. Klar gibt es ein Dilemma, nicht nur für die UEFA, sondern auch wegen der Gästefans. Aber sportlich und menschlich gesehen war die Austragung gestern Abend die falsche Entscheidung. Lassen wir die Frage mal beiseite, ob Sven Bender kurz vor seinem Eigentor nicht doch strafwürdig getroffen wurde. Hätte er, selbst ohne Spielpraxis, in einem normalen Spiel den Ball so im eigenen Netz versenkt?

Man kann jetzt lange diskutieren, welche Fehler den Schwarz-Gelben auch unbelastet von einem Bombenanschlag passiert wären. Es ist natürlich fruchtlos. Neben dem Eigentor gab es den Fehlpass von Piszczek vor dem 1:3. Die Borussia ließ sich viel zu oft auskontern. Umso unglücklicher ist es an einem solchen Tag, wenn der erste Gegentreffer durch eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters bzw. seines Assistenten fällt. Nachdem der BVB zuvor ordentlich begonnen und ein vertretbarer Elfmeter für die Gäste nichts eingebracht hatte. Das Abseits von Mbappé vor dem 0:1 war deutlich; allenfalls sein komischer Bewegungsablauf könnte als kleine Entschuldigung für den Mann an der Seitenlinie gelten.

Reden wir heute über die Taktik? Ja, weil es zu diesem Sport dazu gehört und weil Thomas Tuchel seinen Spielern wohl kaum gesagt hat: Spielt wie ihr wollt und schaut mal wie ihr zurechtkommt. Ich wiederhole das ja regelmäßig: Unsere Dreierkette hinten behagt mir noch nicht. Sie ist anfällig. Ganz besonders gegen konterstarke Mannschaften, die über außen kommen. Gegen den AS Monaco fehlte da einfach die Absicherung. Ein Fehlpass und schon bestand höchste Gefahr, weil die Abwehrreihe auch gestern sehr hoch stand.

In der zweiten Hälfte drehten die Schwarz-Gelben mit Blick auf die Süd zum Glück noch mal auf. Dank der eingewechselten Sahin und vor allem Pulisic, aber auch dank Ousmane Dembelé und Shinji Kagawa. Insgesamt war es unter den Umständen eine Klasseleistung.

Und doch werden die Ereignisse vom Dienstag weiter Nachwirkungen haben. Wie verarbeiten Spieler, Trainer und andere im Verein das Gefühl der Verwundbarkeit? Sportlich gesehen wird uns Marc Bartra für den Rest der Saison fehlen. Gestern hätte er der Borussia wohl gut getan. Keine schönen Aussichten für die verbleibenden Saisonziele. Es bleibt die Hoffnung, dass die Mannschaft mal wieder über sich hinauswächst. Gute Besserung, Marc!

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Bender (46. Sahin) – Weigl, Guerreiro – Ginter, Kagawa, Dembelé, Schmelzer (46. Pulisic) – Aubameyang. Gelbe Karten: Sokratis, Ginter. Tore: Dembelé, Kagawa

Das etwas andere Bayern-Spiel

Schlimm war es 2015: Der BVB schlägt den FCB im Pokal-Halbfinale in München nach Elfmeterschießen. Ich weile im Urlaub in den herrlichen Yorkshire Dales, aber ohne Möglichkeit, deutschen Fußball zu sehen. Das Netradio mit dem weinenden Nobby Dickel bleibt das Höchste der Gefühle. Zwei Jahre später, am vergangenen Samstag, verpasse ich die Begegnung erneut, doch es fühlt sich nicht nur wegen des Ergebnisses ganz anders an.

Natürlich ist die Bedeutung eine andere: Es ist ein Ligaspiel und die Gastgeber haben schon vorher 15 Punkte Vorsprung auf die Borussia. Nur drei Tage später ist Champions League-Viertelfinale gegen die Pep-Bezwinger vom AS Monaco. Und natürlich folgt in wenigen Wochen die Neuauflage des Pokal-Halbfinales in München. Thomas Tuchel selbst vermutete, dass erst dann alle Karten auf den Tisch gelegt würden. Die vielen Verletzten – Reus, Kagawa, Weigl, Durm, um nur vier zu nennen – dienten von vornherein als Entschuldigung, warum man nicht mit einem ’normalen Spitzenspiel‘ rechnen könne.

So kam es: Der BVB hatte in der Arroganz Arena scheinbar wenig zu melden. Jetzt lässt sich trefflich diskutieren, ob die niedrige Erwartungshaltung dafür mitverantwortlich war. Für mich ist diese Vorstellung Küchenpsychologie mit höchstens einem Funken Plausibilität. Die Schwarz-Gelben sind den Bayern in deren jetziger Form schlicht qualitativ unterlegen, wenn wichtige Spieler fehlen. Fragen darf man eher nach dem Spielsystem oder einzelnen Besetzungen. Weiterlesen →

Wohin Red Bull expandieren möchte

Bisher hatte man geglaubt, die Fußballabteilung des österreichischen Brausekonzerns schaue sich besonders die englische Landkarte intensiv an – auf der Suche nach einem Verein, den sie mit viel Geld, neuen Farben und gebrandetem Rasenballsport beglücken kann. Doch möglicherweise gibt es im Mutterland des Fußballs zu viel Konkurrenz oder Tradition. Denn nun wurde bekannt, dass sich Red Bull auch in den Niederlanden umsehen könnte. Nicht bei der Nationalmannschaft, die es vielleicht nötig hätte, sondern im Vereinswesen. Es soll unter anderem Gespräche mit AZ Alkmaar und Twente Enschede gegeben haben.

Der Holland-Chef von Red Bull, Jan Smilde, geht mit dem Vorhaben recht offen um: „Our philosophy is to have ownership of everything: the club, the name and the stadium“, sagte er dem Radiosender BNR. Der Konzern möchte also Besitzer und Bestimmer sein – ist das nicht genau das, was künftig in Salzburg nicht mehr gelten soll? Stichwort Champions League…

Allerdings scheint der niederländische Fußballverband KNVB prinzipienfester zu sein als der deutsche – und klarere Regeln zu haben. Zumindest wenn man den Worten von Sprecher Koen Adriaanse vertrauen will:

The Dutch rules are clear: It is not possible for a party like Red Bull to become shareholder of a Dutch professional football organization if Red Bull is also directly or indirectly tied as shareholder, director or commissioner to another professional football club which is a member of UEFA.

Wenn ein Unternehmen oder Investor bereits an einem anderen Verein im Bereich der UEFA direkt oder indirekt beteiligt ist, kann es/er in den Niederlanden keine Anteile an einem Fußballklub kaufen. Genau so müsste es auch in Deutschland sein. Wobei natürlich noch abzuwarten bleibt, ob der Brausekonzern nicht auch bei unseren Nachbarn ein Schlupfloch findet. Eine offizielle Bestätigung für die Holland-Pläne, etwa von RB-Welt-Fußballchef Oliver Mintzlaff, gibt es allerdings nicht.