Wohin Red Bull expandieren möchte

Bisher hatte man geglaubt, die Fußballabteilung des österreichischen Brausekonzerns schaue sich besonders die englische Landkarte intensiv an – auf der Suche nach einem Verein, den sie mit viel Geld, neuen Farben und gebrandetem Rasenballsport beglücken kann. Doch möglicherweise gibt es im Mutterland des Fußballs zu viel Konkurrenz oder Tradition. Denn nun wurde bekannt, dass sich Red Bull auch in den Niederlanden umsehen könnte. Nicht bei der Nationalmannschaft, die es vielleicht nötig hätte, sondern im Vereinswesen. Es soll unter anderem Gespräche mit AZ Alkmaar und Twente Enschede gegeben haben.

Der Holland-Chef von Red Bull, Jan Smilde, geht mit dem Vorhaben recht offen um: „Our philosophy is to have ownership of everything: the club, the name and the stadium“, sagte er dem Radiosender BNR. Der Konzern möchte also Besitzer und Bestimmer sein – ist das nicht genau das, was künftig in Salzburg nicht mehr gelten soll? Stichwort Champions League…

Allerdings scheint der niederländische Fußballverband KNVB prinzipienfester zu sein als der deutsche – und klarere Regeln zu haben. Zumindest wenn man den Worten von Sprecher Koen Adriaanse vertrauen will:

The Dutch rules are clear: It is not possible for a party like Red Bull to become shareholder of a Dutch professional football organization if Red Bull is also directly or indirectly tied as shareholder, director or commissioner to another professional football club which is a member of UEFA.

Wenn ein Unternehmen oder Investor bereits an einem anderen Verein im Bereich der UEFA direkt oder indirekt beteiligt ist, kann es/er in den Niederlanden keine Anteile an einem Fußballklub kaufen. Genau so müsste es auch in Deutschland sein. Wobei natürlich noch abzuwarten bleibt, ob der Brausekonzern nicht auch bei unseren Nachbarn ein Schlupfloch findet. Eine offizielle Bestätigung für die Holland-Pläne, etwa von RB-Welt-Fußballchef Oliver Mintzlaff, gibt es allerdings nicht.

Drei Tore und genauso viele Fragezeichen

1. Bundesliga, 27. Spieltag / BVB 3 Hamburger SV 0

Ein gutes Ergebnis, das über Mängel im Spiel der Borussia hinwegtäuscht. Die Schwarz-Gelben hatten mehr Chancen als im Derby, vergaben allerdings auch mehr. Erst spät machten Kagawa und Auba alles klar. Von einer sicheren Abwehr konnte auch nur phasenweise die Rede sein.

Drei Gedanken zum Spiel

Wenn ‚Papa‘ Sokratis fehlt, wackelt die Abwehrreihe der Borussia noch mehr als sonst. Zuletzt war es eine Dreierkette (mit der ich nicht warm werde), gestern eher eine Viererkette, aus der Guerreiro als Linksverteidiger aber gelegentlich ausrückte. Der zuletzt verlässliche Piszczek, aber auch Matthias Ginter, wirkten gelegentlich unsicher. Kommen dann noch überraschende Ballverluste im Aufbau (Dembelé!) dazu, wird es kribbelig. Zum Glück hat der HSV ’nur‘ Bobby Wood vorne drin: Der ist ein guter Techniker, aber kein Vollblut-Vollstrecker wie Lewandowski oder Gomez.

Das eigentliche Thema bei Schwarz-Gelb bleibt natürlich die Chancenverwertung. Ja, natürlich zeigen jetzt alle mit dem Finger auf Pierre-Emerick Aubameyang. Nein, wir reden hier nicht wie alle anderen von der Maske. Es war doch so: Auba war gut im Spiel, machte am Ende noch zielstrebig sein Tor und legte zuvor prima quer zu Kagawas 2:0. Natürlich muss er vorher zumindest einen gegen Adler machen. Doch es kam gestern auch nicht die nötige Unterstützung über außen. Emre Mor zeigte wieder gute Ansätze, verzettelte sich aber noch öfter. Ousmane Dembelé hatte einfach keinen guten Tag. Als Angriffspartner für Auba fielen sie zu oft aus. Wenn Dortmunds Angriff zur One-Man-Show wird, haben wir ein Problem.

Doch immerhin ist Shinji Kagawa wieder da! Ich gebe zu: In dieser Form habe ich nicht damit gerechnet. Gestern war Shinji fast wieder der Alte und für mich auch noch stärker als im Derby. Es gilt wahrscheinlich nicht für jedermann (was ist mit Alexander Isak?), aber in der Regel bekommen die Spieler bei Thomas Tuchel die Chance, sich wieder ins Team zu spielen. Kagawa war präsent, spielte gute Pässe und erwies sich endlich wieder als treffsicher. Da werden vor den entscheidenden Spielen die Bedenken ob des Fehlens von Marco Reus etwas gelindert.

Die kommenden Wochen wird auch Thomas Tuchel im Kopf gehabt haben, als er sich nach Spielschluss trotz des guten Endes recht kritisch äußerte. Kann man mit mindestens zwei Problemfeldern – Abstimmung hinten und Treffsicherheit vorne – gegen Bayern oder Monaco bestehen? Oder genügend Punkte für Platz 3 in der Liga sammeln? Rein qualitativ vermutlich schon – aber dafür müsste endlich Stabilität her.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Ginter, Bartra, Guerreiro (78. Passlack) – Weigl (78. Sahin) – Dembelé, Kagawa, Castro, Mor (60. Pulisic) – Aubameyang. Gelbe Karte: Ginter. Tore: Castro, Kagawa, Aubameyang