Das etwas andere Bayern-Spiel

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Schlimm war es 2015: Der BVB schlägt den FCB im Pokal-Halbfinale in München nach Elfmeterschießen. Ich weile im Urlaub in den herrlichen Yorkshire Dales, aber ohne Möglichkeit, deutschen Fußball zu sehen. Das Netradio mit dem weinenden Nobby Dickel bleibt das Höchste der Gefühle. Zwei Jahre später, am vergangenen Samstag, verpasse ich die Begegnung erneut, doch es fühlt sich nicht nur wegen des Ergebnisses ganz anders an.

Natürlich ist die Bedeutung eine andere: Es ist ein Ligaspiel und die Gastgeber haben schon vorher 15 Punkte Vorsprung auf die Borussia. Nur drei Tage später ist Champions League-Viertelfinale gegen die Pep-Bezwinger vom AS Monaco. Und natürlich folgt in wenigen Wochen die Neuauflage des Pokal-Halbfinales in München. Thomas Tuchel selbst vermutete, dass erst dann alle Karten auf den Tisch gelegt würden. Die vielen Verletzten – Reus, Kagawa, Weigl, Durm, um nur vier zu nennen – dienten von vornherein als Entschuldigung, warum man nicht mit einem ’normalen Spitzenspiel‘ rechnen könne.

So kam es: Der BVB hatte in der Arroganz Arena scheinbar wenig zu melden. Jetzt lässt sich trefflich diskutieren, ob die niedrige Erwartungshaltung dafür mitverantwortlich war. Für mich ist diese Vorstellung Küchenpsychologie mit höchstens einem Funken Plausibilität. Die Schwarz-Gelben sind den Bayern in deren jetziger Form schlicht qualitativ unterlegen, wenn wichtige Spieler fehlen. Fragen darf man eher nach dem Spielsystem oder einzelnen Besetzungen.

Doch die Gründe, warum ich über das verpasste Topspiel nicht allzu traurig war, liegen nicht nur in den nahenden noch wichtigeren Topspielen. Da ist auch eine leichte Desillusionierung. Nicht darüber, dass wir derzeit nur um Platz 3 mitspielen – der BVB hatte auch in den letzten Jahren schon schlimmere Phasen. Aber so wie es aussieht, wird die Borussia auf Jahre hinaus Sisyphos sein. Wir werden gute Spieler und vielleicht gute Mannschaften aufbauen, doch dann werden die Topleute zum FC Bayern oder anderen Topklubs gehen. Sie machen das tatsächlich nicht nur wegen des Geldes, sondern auch wegen der sportlichen Perspektiven. Es ist der einfachere, bequemere Weg zu Titeln.

Wäre das mein Hauptgrund, könnte man mir mit Recht Jammerei vorwerfen. Schließlich haben wir das Problem nicht exklusiv, sondern teilen es mit 16 weiteren Bundesligisten. Vielmehr ist es die Ausweglosigkeit aus dem Dilemma der Liga: die immer mehr drohende Langeweile an der Spitze. Auch der Tagesspiegel hat die jüngst treffend skizziert. Es gibt nicht den geringsten Hinweis, dass die Bayern noch mal zwei Jahre hintereinander nicht Meister werden. Bei ihnen stimmen finanziell, personell und vom Renommee her alle Voraussetzungen. Wenn dann die erste Alternative RB Leipzig ist: gute Nacht! Diese ‚Spannung‘ brauche ich nicht. Dann doch lieber ein wieder erstarktes Gelsenkirchen, Hertha BSC oder sogar Hoffenheim.

Die Situation ist nicht nur ein Problem des modernen Fußballs, genauso wie RBL nicht nur ein Kommerz-Problem ist. Aber es fühlt sich wie eine Weggabelung an, von der man ahnt, dass beide Wege die falschen sind. Natürlich, man hofft noch. Ein Pokal-Halbfinale gegen Bayern lasse ich mir freiwillig nicht entgehen, selbst wenn die Borussia ein echter David wäre. Doch die Schieflage beim großen Ganzen wirkt bedrohlich, so dass ich immer öfter in andere Ligen schiele.

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