Dortmund holt alles was zählt

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DFB-Pokal, Halbfinale / Bayern München 2 BVB 3

Es ist viel mehr als nur ein Finaleinzug, ja sogar mehr als nur ein neuer Rekord für den BVB: Der Sieg beim FC Bayern macht aus einem diffusen Unbehagen über Aspekte des Vereins und des ‚modernen Fußballs‘ gelöste Glückseligkeit. Ging wahrscheinlich nicht nur mir so. Die Dramaturgie des Halbfinales von München folgte dabei dem Ligaspiel in Mönchengladbach – nur dass es die Schwarz-Gelben mit einem viel stärkeren Gegner zu tun hatten, dessen Weiterkommen die logische Konsequenz gewesen wäre.

Drei Gedanken zum Spiel

Was war das denn für ein Spielverlauf? Wir starten gut gegen den FC Bayern: typisch. Wir gehen sogar in Führung: auch schon vorgekommen. Der FCB zieht das Spiel an sich und dreht auch das Ergebnis: typisch Bayern. Und dann? Ich würde schreiben, wir waren doch schon tot – wenn es gerade nicht so makaber wäre. Spätestens nach der Bayern-Führung war die Borussia weg vom Fenster und viel zu weit weg von den Gegenspielern. Doch die Gastgeber ließen eine Reihe hochkarätiger Chancen aus, vor allem durch Lewandowski und Robben. Und dann reichten eine großartige Vorbereitung und ein großartiges Tor von Ousmane Dembelé, verbunden mit einem Fehler von Bayern-Kapitän Lahm, dieses Spiel unfassbarerweise erneut zu drehen.

Die jetzt natürlich wieder alles hinterfragenden Rekordmeister verloren aber in erster Linie, weil sie ihre Riesengelegenheiten nicht nutzten. Man könnte jetzt auch nicht sagen, was Manuel Neuer bei den drei Treffern besser gemacht hätte – obwohl ihm irgendein teuflischer Stunt immer zuzutrauen ist.

Trainer Tuchel traf die richtigen Entscheidungen. Ja, die Partie hätte auch 1:3 oder erneut 1:4 enden können. Aber sie tat es nicht und Thomas Tuchel tat alles dafür. Es war richtig, zunächst im 4-4-2 zu beginnen. Mehr Sicherheit durch Viererkette. Das Problem mit unseren defensiven Außen ist ein personelles: Sind Piszczek und vor allem Schmelle hinten stark eingebunden, gelingt ihnen wenig bis nichts nach vorne. Deshalb war es in diesem Spiel richtig, wenn auch riskant, wieder auf Dreierkette umzustellen und den offensivstärkeren Erik Durm zu bringen. Hätte Dembelé nicht die unberechtigte Gelbe Karte gesehen, hätte man ihm auch weiterhin den Flügel anvertrauen können. So konnte er in diesem System etwas nach innen rücken. Trotzdem verbleibt für mich auf den Außenverteidigerpositionen Handlungsbedarf. Gegen starke Teams muss der BVB die Flügel besser dicht machen.

Manni Bender Fußballgott. Erinnern wir uns zurück an jenes Spiel in Manchester, das Jürgen Kohler seinen himmlischen Beinamen bescherte! Auch er klärte damals halb liegend vor dem Tor. Nun Sven ‚Manni‘ Bender, der auch noch eine ultrastarke Grätsche verbuchen konnte. Was für ein großartiger Typ! Ich hoffe sehr, dass Thomas Tuchel eine Position für ihn in der Mannschaft der nächsten Saison findet. Sven hätte es verdient, seinen Wert beweisen zu dürfen – nach so viel Verletzungspech und jetzt diesem Spiel.

Der BVB überstand auch fast sechs Minuten Nachspielzeit, die außer den Bayern wohl niemand bekommen hätte, und fährt also zum vierten Mal hintereinander nach Berlin! Nun ist man Favorit gegen Frankfurt, aber natürlich noch lange nicht am Ziel. Zumal wir zum ersten Mal im Olympiastadion wohl nicht die stimmliche Oberhand haben werden und die Eintracht mit ihren Fans im Rücken kämpfen wird bis zum Umfallen. Auf die Karten, fertig, los!

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek (80. Pulisic), Sokratis, Bender, Schmelzer – Dembelé, Castro (46. Durm), Weigl, Guerreiro – Aubameyang, Reus (90. +1 Ginter). Gelbe Karten: Weigl, Dembelé, Bürki. Tore: Reus, Aubameyang, Dembelé

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