Maximilian Philipp quetscht sich ins offensive Mittelfeld

Borussia Dortmund hat sich die Dienste eines 23-jährigen deutschen U21-Nationalspielers gesichert: Maximilian Philipp kommt vom SC Freiburg und unterschreibt einen Vertrag bis 2022. Seine Qualitäten?

Er ist im offensiven Mittelfeld vielseitig einsetzbar, abschlussstark und hat eine glänzende Perspektive.

Das ist der O-Ton von Sportdirektor Michael Zorc zum Transfer. So weit, so gut. Für sich genommen ist das eine Top-Verpflichtung. Der Berliner Philipp reifte in seiner Zeit in Freiburg zum gestandenen Profi, dem jetzt der nächste Schritt zuzutrauen ist.

Reden wir über das, worüber Zorc und der Verein nicht sprechen. Zunächst die Ablöse: Laut Kicker beträgt sie 20 Millionen Euro, wobei unklar bleibt, ob das ein Sockelbetrag ist oder die maximal zu erzielende Summe nach erfolgsabhängigen Aufschlägen. Für den SC Freiburg ist es in jedem Fall der Rekordtransfer, der die nicht in Abrede zu stellende Schwächung des Teams hoffentlich abmildern kann. Maximilian Philipp hält das für ihn gezahlte Geld sogar für übertrieben. Für den BVB ist es ein beträchtlicher Betrag, den sich der Klub aber natürlich leisten kann, zumal ja leider bald noch ein großer Abgang anstehen dürfte.

Schwieriger wird die Geschichte, wenn man bedenkt, dass die Borussia letztlich 20 Millionen in einen Stand-in für Marco Reus investiert. Natürlich muss man für alle Eventualitäten planen; auch dafür, dass Marco in der kommenden Saison möglicherweise erst spät eingreifen kann. Aber stehen für die drei Positionen im offensiven Mittelfeld nicht jetzt schon mehr als genug Alternativen im Kader? Das sollte man zumindest meinen, wenn man das Talent oder die gezahlten Ablösesummen dieser Spieler betrachtet: Ousmane Dembelé, Christian Pulisic, Marco und Shinji, Emre Mor, André Schürrle und Mario Götze. Sieben Mann ohne Philipp und ohne Nachwuchskräfte, die vielleicht auch mal einen Einsatz verdient hätten.

Mir fehlt da ein wenig Problembewusstsein. Beim Verein und auch bei manchen Fans. Neuverpflichtungen werden bejubelt, aber es wird kaum darüber nachgedacht, ob wir noch einen ausgewogenen Kader haben. Oft ist es deutlich schwerer, Spieler loszuwerden als sie zu verpflichten. Die Konsequenz aus dem an sich zu begrüßenden Philipp-Transfer müsste sein, dass jene Akteure, die enttäuscht haben, gehen. Etwa André Schürrle oder Emre Mor, den man im Idealfall verleihen würde. Doch vor allem bei Ersterem dürfte ein Abgang kompliziert werden.

Wie es bisher aussieht, werden auch in diesem Jahr manche Bereiche (Mittelfeld, Innenverteidigung) übervoll besetzt, andere stiefmütterlich behandelt. Ein BVB-Verantwortlicher, es könnte Michael Zorc, aber auch Jürgen Klopp gewesen sein, äußerte einmal, dass man speziell in der Außenverteidigung dem eigenen Nachwuchs eine Chance geben wolle. Das hat nur bedingt geklappt. De facto ist es einfach so, dass dort eine der größten Schwachstellen der Schwarz-Gelben liegt. Marcel Schmelzer etwa ist ein solider Spieler, aber das Standing, das er im Verein und bei einem Teil der Fans genießt, korrespondiert eher mit seiner Vereinstreue als mit seinen Leistungen. Er ist nicht schlecht, aber es ginge eben besser. Das Mindeste wäre ein ernstzunehmender Konkurrent. Denn der Offensivstil, den Peter Bosz spielen möchte, verlangt einfach nach starken Außenverteidigern.