Der nette Junge geht nach Gladbach

Matthias Ginter verlässt Dortmund und schließt sich der Borussia vom Niederrhein an. Über einen Weggang des 23-jährigen Nationalspielers war in diesem Sommer nicht zum ersten Mal spekuliert worden. Aus Vereinskreisen hieß es dann stets, Ginter genieße hohe Wertschätzung, obwohl er kein absoluter Stammspieler war. Aber er war der nette Junge mit BVB-Sympathien, den man auf verschiedenen Positionen einsetzen konnte, der die Junioren-Nationalteams durchlaufen hatte und zuletzt auch beim Confed Cup in vier von fünf Partien in der Startelf stand.

Man muss diese Dinge ins Verhältnis setzen, gewichten. Als Junioren-Nationalspieler hat Ginter seine mehrjährige Profierfahrung genutzt. Wenn er ins A-Team von Joachim Löw für die WM in Russland berufen werden sollte, dann wohl nicht als erste Wahl für die Startelf.

Ich mag nette Spieler, die es einem leicht machen, den eigenen Verein zu mögen. Deswegen hoffe ich inständig, dass Sven Bender in Dortmund bleibt, bei dem noch unbändiges Engagement dazu kommt. Matthias Ginter war sympathisch, aber seine Leistungen waren nicht über jeden Zweifel erhaben. Seine stärkste Halbserie war die erste unter Thomas Tuchel, als er Lukasz Piszczek rechts hinten temporär ersetzte bzw. verdrängte. Die Auftritte als Innenverteidiger oder in einer Dreierkette waren weit weniger überzeugend, obwohl Ersteres seine erklärte Lieblingsposition ist.

Es war keine bestimmte essenzielle Fähigkeit, die ihm fehlte – Ginter verfügt über ausreichende Schnelligkeit, Kopfball- und Zweikampfstärke. Vielmehr vermisste man bei ihm Konstanz und sein Stellungsspiel ist noch ausbaufähig. Anders ausgedrückt: Ginter unterliefen öfter Flüchtigkeitsfehler oder er ließ sich überrumpeln.

Der BVB hat gleich zwei neue Innenverteidiger geholt – den erfahrenen Toprak und das Talent Zagadou. Neven Subotic ist derzeit ebenfalls wieder Schwarz-Gelber. Stellt sich die Frage, ob es weise war, diese Spieler zu verpflichten, ob sie eine Verbesserung gegenüber Ginter darstellen. Zu diesem Zeitpunkt kann man das mit Blick auf ihre spielerischen Fähigkeiten nicht seriös beurteilen. Was man sagen kann: Die Abwehr der Borussia hat nun noch mehr unterschiedliche Spielertypen und Qualitäten, sie ist vielseitiger geworden.

Der entscheidende Faktor bei der Beurteilung dieses Transfers ist somit das Geld: Der Kicker schreibt von einer Ablösesumme in Höhe von 17 Millionen Euro, die durch Bonuszahlungen auf bis zu 20 Millionen steigen könne. Legt man zugrunde, was Matthias Ginter in seiner Zeit beim BVB geboten hat, dann ist das ein prima Geschäft von Michael Zorc und Aki Watzke. Im Gegensatz dazu soll Toprak 12 Millionen gekostet haben, Zagadou war ablösefrei. Für Mönchengladbach und deren Sportdirektor Max Eberl ist die kolportierte Rekordsumme gewagt und in erster Linie eine Spekulation auf die Zukunft. Sollte sich Ginter nun doch noch sprunghaft weiterentwickeln, könnte sich der Deal rentieren. Wer die letzten Jahre in Dortmund verfolgt hat, wird daran eher zweifeln.

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