Shinji der Derby-Held bleibt

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Vielleicht war es kein Zufall, dass die Vertragsverlängerung mit Shinji Kagawa bis 2020 heute verkündet wurde: am ersten Tag des Teams in Japan, aber auch am Tag nach dem Abschied von Sven Bender. Ein 28-jähriger Defensivspieler geht, ein 28-jähriger Offensivmann bleibt. Was noch bis vor einem halben Jahr unwahrscheinlich schien, ist nach einer guten Rückserie folgerichtig: Unser Derby-Held bleibt uns noch bis zu drei Jahre erhalten. Und Shinji hat durchaus Einsatzchancen – gerade jetzt, wo Marco Reus noch lange ausfällt und Mario Götze noch viel Arbeit vor sich hat.

Ich habe im vorherigen Beitrag geschrieben, dass mit Sven Benders Weggang auch der sympathische BVB der letzten Meisterjahre verschwindet. Einerseits ist das der natürliche Gang der Dinge, andererseits ändert es den Charakter der Borussia. Selbst wenn Shinji Kagawa noch mehr mit den Erfolgen von 2010 bis 2012 verbunden wird, ist er nicht eine solche Identifikationsfigur geworden wie Manni. Die Gründe sind naheliegend: Seine BVB-Vita wird durch Manchester United unterbrochen und nach seiner Rückkehr wirkte er lange nicht wie der Alte.

Dennoch ist es gut, dass Shinji bleibt. Es ist gut, dass ihm Michael Zorc und Aki Watzke einen Vertrauensvorschuss geben und eben doch auch ein bisschen gefühlig und nicht nur kühl-rational kalkulieren. Wobei Shinji in Japan natürlich ein echtes Asset ist. Ob er langfristig einen Platz in der Startelf von Peter Bosz bekommt, ist eine ganz andere Frage.

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Manni der Libero geht

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Es ist die Nachricht, die ich niemals hören wollte und die mich trotz aller Abhärtung gegen die Zumutungen des modernen Fußballs traurig macht: Sven „Manni“ Bender verlässt Borussia Dortmund und wechselt mit sofortiger Wirkung zu Bayer Leverkusen. Dort spielt er künftig neben seinem Zwillingsbruder Lars und unter Ex-Borusse Heiko Herrlich.

Für mich stirbt damit ein Stück weit jener BVB, der mir und sicher vielen anderen Fans in den letzten Jahrzehnten die meiste Freude bereitet hat: die Klopp-Borussia der Meisterjahre. Bei allem Respekt: der spielerisch limitierte Marcel Schmelzer, der Rückkehrer Nuri Sahin und der spätgekommene Marco Reus können ihn in Sachen Identifikation nicht ersetzen. Sven Bender war, obwohl er natürlich keinen klassischen Libero gespielt hat, auf den Positionen zu Hause, wo es weh tun kann und wo man sich immer voll reinhauen muss. Ersteres hat er zu spüren bekommen, Letzteres hat er gemacht.

Nun hat sich Manni entschieden, dorthin zu gehen, wo er sich mehr Einsatzzeiten erhofft. Ob sich die Hoffnung erfüllt? Mal abwarten. Ich glaube Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke, dass sie Bender halten wollten. Es ist nachvollziehbar, dass der neue Trainer Peter Bosz für einen verletzungsanfälligen 28-Jährigen, der zuletzt wenig gespielt hat, nicht das Gleiche empfindet wie die meisten Fans. Letztlich ist Manni auch ein Opfer des großen Kaders geworden, zu dem es die Verantwortlichen haben kommen lassen.

Klar: Aus den bisherigen Absätzen spricht mehr das Gefühl als der rationale Verstand. Rein finanziell gibt es an dem Transfer nichts zu meckern: 15 Millionen Euro wären eine angemessene Summe – zumindest innerhalb der Branche, über die wir reden. Aber dem BVB wird ein Teil seines Herzens fehlen, denn – und jetzt wird’s erst richtig plakativ – wer hatte denn ein Kämpferherz wie Manni? Da fällt einem allenfalls noch der Papa ein.

Aus Mannis Perspektive ist der Wechselwunsch verständlich, die Prioritäten klar:

Es ging mir schon als kleiner Junge immer nur darum, auf dem Platz zu stehen.

Ich wünsche ihm, dass er das künftig häufiger kann und darf. Nur vielleicht nicht gerade gegen Schwarz-Gelb. Uns wird Sven Bender fehlen. Da muss man nur die jüngste Erinnerung hervorkramen, die allen BVB-Fans schnell präsent sein dürfte: Manni, der Pokalheld von München, der das sichere Gegentor verhindert.