Dortmund entspannt nur drei Tage

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1. Bundesliga, 10. Spieltag / Hannover 96 4 BVB 2

In Hannover hat der BVB nicht immer gut ausgesehen, doch das gestrige Spiel fiel gegenüber den üblichen Auftritten dort ab. Der Noch-Tabellenführer ließ sich im Niedersachsenstadion defensiv ein ums andere Mal düpieren, ohne das diesmal offensiv wettmachen zu können. Dennoch hätte dieses Spiel anders laufen können – es war nicht so, dass die Gastgeber dominierten.

Peter Bosz muss handeln

Der Trainer und Sportdirektor Zorc versuchten nach der Partie, die von den Medien unvermeidlich wieder gestellte Systemfrage abzuwimmeln. Schlechte Zweikämpfe, fehlende Aggressivität und pomadiges Spiel seien für die Pleite verantwortlich gewesen. Man sollte diese Frage tatsächlich nicht oberflächlich diskutieren. Wir wissen schließlich nicht, was Bosz und sein Team den Spielern im Training und den Besprechungen mitgeben.

Tatsache ist aber, dass die Viererkette immer wieder, nicht nur in Hannover, ausgehebelt und mit einfachen Mitteln überspielt wird. Da genügen oft lange Bälle, wenn die Angreifer schnell genug sind. Viel zu oft stehen die Schwarz-Gelben dann Mann gegen Mann oder sind sogar in Unterzahl. Schnelligkeitsvorteile haben wir meistens auch nicht. Selbstverständlich ist an diesem Dilemma das von mir auch letztes Wochenende kritisierte Mittelfeld mit schuld. Der springende Punkt: Wenn die Spieler wiederholt nicht in der Lage waren, hinten besser abzusichern, muss sich Peter Bosz etwas einfallen lassen – ob er dafür grundlegend sein System ändern muss, ist eine ganz andere Frage.

Das Gespenst von Köln

Er stand nicht auf dem Platz, sondern saß im vermutlich warmen Kontrollzentrum in Köln. Trotzdem suchte Wolfgang Stark mal wieder den BVB heim. Er war der Verantwortliche für den Videobeweis und hatte nichts gegen die Elfmeter-Entscheidung von Schiedsrichter Patrick Ittrich einzuwenden. Dabei hatte Torwart Roman Bürki gegen Felix Klaus erkennbar zurückgezogen und der Hannoveraner war in ihn hineingelaufen. Zieht man noch in Betracht, dass der Ball schon weg war, konnte man hier keinen Elfmeter geben. Fand auch Sky-Experte Markus Merk. Wolfgang Stark sah es anders. Und bewies, dass der Videobeweis eben kein Allheilmittel ist.

Der BVB schlug zweimal zurück, durch Zagadou und Yarmolenko. Es war nicht mal so, dass die Gastgeber besser spielten – aber eben effizienter. Die Rote Karte mit anschließendem direkten Freistoßtor war für die Borussia natürlich alles andere als hilfreich. Doch was machte Dan-Axel Zagadou genau? Alle reden selbstsicher von einem Foul. In den während des Spiels gezeigten Wiederholungen habe ich gesehen, dass Jonathas über seine Füße stolpert. Wie ihn Zagadou zuvor berührt hat, war nicht zu sehen.

„Pomadig“ greift zu kurz

Nach dem Platzverweis und dem erneuten Rückstand versuchten die Schwarz-Gelben alles und ließen sich eben nicht hängen. Das sah streckenweise besser aus als zuvor. Deswegen kann man dem Großteil des Teams kein Einstellungsproblem vorwerfen. Wenn dann natürlich Schürrle ins Spiel kommt und nicht der am Dienstag doch so überzeugende Alexander Isak, dann riecht das für mich nach Konzessionsentscheidung wegen der Transfergerüchte in den Medien. Nicht hilfreich.

Vor den Heimspielen gegen Nikosia und München wird man nun viel reden. Marcel Schmelzer wollte sich von den penetranten Fragen des Sky-Reporters zwar nicht aus der Reserve locken lassen, aber er sah wohl deutlichen Gesprächsbedarf. Müssen wir uns dennoch Sorgen machen, dass Peter Bosz gegen die Bayern sehenden Auges ins Verderben läuft? Ich kann mir nicht vorstellen, dass seine einzigen Anweisungen sein werden: immer nach vorne und drauf, drauf, drauf.

Die Aufstellung: Bürki – Bartra, Sokratis, Zagadou, Schmelzer – Sahin (66. Guerreiro) – Yarmolenko (74. Schürrle), Götze, Castro (46. Kagawa), Pulisic – Aubameyang. Rote Karte: Zagadou. Tore: Zagadou, Yarmolenko

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