Geordnete Verhältnisse

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1. Bundesliga, 11. Spieltag / BVB 1 Bayern München 3

Sechs (bzw. vier) Punkte Vorsprung für den FC Bayern – so ist es, so war es, so wird es immer sein. Nach dem Topspiel sind die Kräfteverhältnisse geklärt, die Liga wieder in ‚bester‘ Ordnung. Wenigstens die vorschnelle Taktikdiskussion dürfte nun abebben; zu deutlich waren beim BVB die fehlende Qualität in der Defensive und die schwache Chancenverwertung.

Die Schwarz-Gelben müssen wegen der gezeigten Leistung nicht in Sack und Asche gehen. Im Gegensatz zu den schwachen Auftritten gegen schwächere Teams in den letzten Wochen war das gestern eine klare Steigerung. Doch gegenüber Bayern fehlen die entscheidenden Prozente. Es war natürlich richtig, etwas tiefer zu stehen als zuletzt. Allerdings waren die Borussen dafür nun streckenweise und besonders in der ersten Hälfte nicht nah genug dran an den Gästen. Hier den richtigen Mittelweg zu finden ist gegen ein Spitzenteam wie den FCB schwer bis unmöglich.

Eine Frage der Qualität und der Besetzung

Schauen wir uns die Gegentore an, dann werden die Probleme deutlich. Natürlich ist Arjen Robben ein Topspieler und das 0:1 gut gemacht. Aber Schmelzer und Toprak sind eben auch nicht in der Lage, Vorlage und Schuss zu verhindern. Dass sich die Besetzung der Außenverteidigung derzeit problematisch darstellt, ist ja nicht neu. Wie schon nach dem CL-Spiel geschrieben: Marc Bartra ist für mich erste Wahl neben Sokratis. Außen muss Peter Bosz andere Optionen finden. Jeremy Toljan machte es gestern nach seiner Einwechslung besser als zuletzt. Bezeichnenderweise fiel das 0:2 gerade dann, als Sokratis draußen behandelt wurde.

Vorne gilt: Wenn du erfolgreich sein willst, musst du deine Chancen nutzen. Was wie eine schrecklich banale Weisheit aus einem Ratgeberbuch klingt, ist gegen die Bayern tatsächlich essenziell. Da gehen die zwei freistehend vergebenen Dinger von Yarmolenko eben gar nicht. Etwas Vergleichbares hatte Pierre-Emerick Aubameyang nicht zu bieten – was aber nicht für ihn spricht. Dagegen war es eine Freude, Christian Pulisic ein ums andere Mal durch die Bayern-Abwehr dribbeln zu sehen. Hätte er jemand anders als seine beiden glücklosen Sturm-Kollegen neben sich gehabt, wer weiß …

Die Einstellung stimmt

Ja, der BVB hatte es Roman Bürki zu verdanken, lange im Spiel geblieben zu sein. Und trotzdem kann man das Engagement nicht verleugnen. Die Bayern ließen gegen Ende etwas zu viel zu und Marc Bartra bestrafte sie sehenswert. Wenig später rutschte Castro, der den Treffer vorbereitet hatte, knapp an einer Hereingabe vorbei – die berühmten Millimeter fehlten, um dem Rekordmeister noch ein paar unruhige Sekunden zu bescheren.

Viele wären es wohl nicht geworden – womit wir bei Schiedsrichter Tobias Stieler sind. Man braucht nicht über Nettospielzeit zu diskutieren, die Referees sollten erst mal genügend nachspielen lassen. Zwei Tore und die Sokratis-Verletzung in Hälfte 1 ergaben wie viel Nachspielzeit? Eine Minute. Außerdem gehen auf Stielers Konto zwei für den BVB nicht gegebene Ecken sowie die lächerliche gelbe Karte gegen Toprak. Wenn es irgendwo einen Bayern-Bonus gibt, dann in Szenen, in denen sich ein Roter auf dem Boden wälzt.

Weiter, immer weiter

Man braucht jetzt nicht Peter Boszs Optimismus belächeln, der naturgemäß daran glaubt, den Negativtrend umkehren zu können. Das Auftaktprogramm des BVB war zwar auf dem Papier nicht so leicht wie es jetzt dargestellt wird – man konnte nicht damit rechnen, dass es etwa gegen Gladbach und Hertha so einfach gehen würde. Aber die echten Prüfsteine warteten erst danach. Eine Länderspielpause und andere Gegner könnten der Borussia nun also gut tun.

Zart blühende Meisterträume waren – das hätte man wissen können – eine Illusion. Für die Schwarz-Gelben wird es allenfalls um Platz 2 gegen RB Leipzig gehen (dazu demnächst mehr). Stuttgart und Schalke sind zwei Gegner, die da jetzt ganz gut reinpassen.

Die Aufstellung: Bürki – Bartra, Sokratis (42. Toljan), Toprak, Schmelzer – Weigl, Castro – Kagawa (68. Götze) – Yarmolenko (80. Sancho), Aubameyang, Pulisic. Gelbe Karten: Schmelzer, Toprak. Tor: Bartra

(Bild: Marvin Ronsdorf / Unsplash)

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