Hard Times

1. Bundesliga, 13. Spieltag / BVB 4 FC Schalke 4

Dieser verdammte Fußball: Der FC Schalke nimmt Revanche für die Jahre zurückliegende Aufholjagd der Borussia, die in einem der großen Derbys noch zum 3:3 führte. Und die Blauen setzen mit 4:4 nach 0:4 noch einen drauf. Einem absoluten Rausch in der ersten Hälfte folgte ein ganz dicker Kater, den man schon nach dem 4:1 anschleichen spürte.

Derby-Wahnsinn

Sieht man es mal einen Moment von der neutralen Seite, dann darf man begeistert sein: Ein solches Derby gab es seit Jahren nicht mehr. Es hatte einerseits seine eigenen Gesetze, aber am Ende zeigten sich doch Muster aus den letzten Wochen. Zunächst schien es ja, als ob die Blauen übermotiviert (durch das öffentliche Abschlusstraining?) und dadurch unkonzentriert ins Spiel gingen. Ja, sie hatten die erste Chance. Aber dann zeigten die Schwarz-Gelben, was mit einer Offensivreihe aus Yarmolenko, Pulisic und einem wachen Auba sowie den zunächst formstarken Sahin und Götze möglich ist. Eine halbe Stunde lang wurden die Gäste zerlegt und vorgeführt – inklusive einem Eigentor.

S04-Trainer Dominic Tedesco muss man eins zugutehalten: Er reagierte rechtzeitig. Mit einem Doppelwechsel schon nach 34 Minuten, bei dem Goretzka und mit Harit einer der Matchwinner – so muss man es nennen – kamen. Ohne diesen Wechsel hätte der BVB wohl deutlich gewonnen. Im Gegensatz dazu wirkten Peter Boszs Einwechslungen in der zweiten Hälfte mutlos.

Aytekin mit zweierlei Maß

So unerklärlich die letzte halbe Stunde von Dortmunder Seite war: Ohne Schiedsrichter Deniz Aytekin hätte sie es nicht gegeben. Denn natürlich hätte Thilo Kehrer für zwei rüde Fouls noch vor der Pause Gelb-Rot sehen müssen – das wird wohl niemand abstreiten. Doch offensichtlich gewährte ihm Aytekin einen Frust-Bonus. Hätte es nicht 0:4 aus Schalker Sicht gestanden, wäre Kehrer womöglich geflogen. Dass dann beim Stand von 4:2 Aubameyang nach einer fragwürdigen ersten gelben Karte und einem weniger harten Einsteigen als von Kehrer runter muss, geht natürlich gar nicht.

Trotzdem hat sich Auba mit der zweiten Hälfte keinen Gefallen getan. Sein Egoismus nach dem Fehler von Fährmann, als er einfach vor das leere Tor hätte querlegen müssen, hat uns genauso zwei Punkte gekostet wie Platzverweis und Nicht-Platzverweis.

Was neben vielen, vielen Fehlern seiner Vorderleute auch zu sehen war: Roman Weidenfeller ist keine Alternative zu Roman Bürki mehr. Einen Ball artistisch gehalten, aber sonst einfach zu oft auf dem falschen Fuß erwischt. Eine Baustelle für nächsten Sommer.

Was passiert jetzt?

Manche Medien sehnen es herbei, der Druck wird noch größer: Muss Peter Bosz trotz sensationeller erster Hälfte bald gehen? Natürlich ist es bedenklich, was da heute ab viertel vor fünf passiert ist. Man konnte sich nach dem 4:1 vorstellen, dass es noch so kommt und die Spieler konnten das vermutlich auch. Darüber hinaus sah es tatsächlich so aus, als ob die Schwarz-Gelben gegen später auch körperlich ziemlich platt waren. Ein Eindruck, den manche Beobachter schon in den vergangenen Partien hatten. Sollte das wirklich so sein, wäre es natürlich fatal.

Nur: Alle, die Bosz sofort weghaben wollen, sollten auch über eine Alternative nachdenken. Welcher Trainer, der einem Verein wie dem BVB weiterhilft, ist mitten in der Saison verfügbar? Gefragt sind also keine vorschnellen Reaktionen nach einem ganz bitteren Derby, sondern erneut tiefgehende Gespräche und Analysen mit allen Beteiligten. Dass man sich trotzdem hinter den Kulissen mal umhört, gehört inzwischen zum Geschäft. Das Leverkusen-Spiel wäre mMn nach ein besserer Maßstab für die Zukunft von Peter Bosz.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Sokratis, Toprak, Schmelzer – Weigl, Sahin – Pulisic, Guerreiro (83. Zagadou) – Yarmolenko (69. Bartra), Götze (78. Castro) – Aubameyang. Gelbe Karten: Sokratis, Castro, Sahin. Gelb-Rote Karte: Aubameyang. Tore: Aubameyang, Stambouli (ET), Götze, Guerreiro

(Bild: Marvin Ronsdorf / Unsplash)

 

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