Der lange Weg des ersten Meisters

Endlich wieder erste Liga: Die Fans des ersten und zweiten englischen Meisters nach Gründung der Football League träumen davon seit 1961. Die Zeiten der großen Pokale sind für Preston North End sowieso lange vorbei. Nach besagten Meisterschaften 1889 und -90 gab es 1938 noch den FA Cup zu bejubeln. Seither: Nichts mehr, auch wenn die Fünfziger mit dem Mittelfeldstar Tom Finney durchaus eine Blütezeit waren.

Seit den Sechzigern vagabundieren die „Lilywhites“ durch die Ligen 2, 3 und 4. Lange Zeit schien der Tunnel eher dunkler als heller zu werden und die Premier League (wie zuvor die First Division) war ein weit entferntes Land. Heute ist man in Preston erst mal froh, sich in der zweiten Liga (Championship) wieder akklimatisiert zu haben. Deepdale ist das schmucke, moderne Stadion des Klubs, das mit seinen rund 23.000 Plätzen Premier League-tauglich wäre. Die vielen unterklassigen Jahre haben jedoch ihre Spuren in der Anhängerschaft hinterlassen. Die Zuschauerzahlen bewegen sich bei normalen Ligaspielen im niedrigen fünfstelligen Bereich.

Und es ist ja nicht nur der Verein, der zuletzt wenig zu lachen hatte. Preston, Verwaltungssitz der Grafschaft Lancashire im Nordwesten des Landes, hat schwierige Jahre hinter sich. Die Finanzkrise verschärfte die strukturellen Probleme und so hatte die in Teilen gar nicht hässliche 115.000-Einwohner-Stadt ihren Bewohnern wenig anzubieten. Geht man in einer solchen Zeit zum ewig erfolglosen Fußballklub? Nur wenn man es sich leisten kann und wirklich eng mit ihm verbunden ist. Immerhin: Die härteste Zeit für die Stadt gilt als überwunden.

Pferde und Fußball

Im Gegensatz zu manch anderem englischen Verein kommt die Führungsebene von Preston North End recht seriös daher. Zumindest auf Eigentümer Trevor Hemmings trifft das zu. Er stammt aus dem Nordwesten, hat sein Vermögen mit Immobilien gemacht und sein großes Hobby sind Rennpferde. Klingt noch nicht so überzeugend? Nun, Hemmings engagiert sich laut Wikipedia in seiner Geburtsstadt Preston auch für soziale Zwecke und mit seinen 82 Jahren liegen die wilden Zeiten wohl hinter ihm. Ungewiss ist eher, was passiert, wenn Hemmings mal verkaufen möchte.

Die täglichen Geschäfte bei North End leitet ein Vorstand um CEO John Kay. Doch eine entscheidende Stellung hat auch Peter Ridsdale als persönlicher Berater von Trevor Hemmings inne. Ridsdale hat eine, sagen wir, schillernde Fußball-Vergangenheit als Vorsitzender von Leeds United, FC Barnsley, Cardiff City und Plymouth Argyle. Bei seinen Ex-Vereinen hinterließ er teilweise hohe Schulden und sein Umgang mit Vereinsgeldern warf ebenfalls Fragen auf, so dass er bis 2020 keinen Posten als Direktor eines Unternehmens mehr bekleiden darf. Daher auch die formell inoffizielle Position in Preston.

Ganz aus den Augen lassen sollte man die Führungsebene also nicht. Aber sportlich haben sich die Lilywhites eben stabilisiert. Auf dem Trainerstuhl sitzt seit dieser Saison der 36-jährige Schotte Alex Neil, der 2015 Norwich City in die Premier League führte, dort aber nicht halten konnte. Neil gilt als unaufgeregter Vertreter der Branche und als akribischer Arbeiter. Alles in allem ein Mann, dem die Fans vertrauen.

Traumstart und schwarze Serie

Sein Start war ungeheuer vielversprechend: North End lag auf den Play-Off-Plätzen (3 bis 6), der Rückstand auf die direkten Aufstiegsränge blieb wochenlang knapp. Doch lange Wochen ohne Sieg folgten und man rutschte bis in die untere Tabellenhälfte ab. Die schwarze Serie ging einher mit einer unglaublichen Verletzungsmisere in der Defensive. Es gab Partien, in denen gleich zwei Abwehrspieler verletzt raus mussten. Kommt einem bekannt vor, war aber sogar noch schlimmer als beim deutschen Pokalsieger.

Mit den ersten Rückkehrern wie Innenverteidiger Paul Huntington oder etwas später dem aus der eigenen Jugend stammenden Ben Davies änderten sich die Vorzeichen. Auch die Startelf-Rückkehr des erfahrenen Mittelfeldspielers Paul Gallagher spielte eine Rolle. Ein überraschender Auswärtssieg beim Top 6-Klub Bristol City, immerhin ein Punkt bei Alex Neils Ex-Verein Norwich und zuletzt endlich der erste Heimsieg seit Mitte September gegen die Queens Park Rangers waren die Folge. Das Resultat des Zwischenhochs: Platz 10, sechs Punkte Rückstand auf Platz 6.

Nicht schlecht für einen Verein, dessen Etat zu den fünf niedrigsten in der Championship gehört. North End wird für seine Transferpolitik gelobt, etwa für das Aufstöbern von meist jungen Spielern, die trotz vorhandenem Potenzial an dicht besetzten Kadern scheiterten oder bei unterklassigen Klubs kickten. Ob das für die Play-Offs reicht? Gerade die älteren North End-Fans werden ihre gesunde Portion Skepsis behalten, bis der Aufstieg irgendwo schwarz auf weiß oder in eine Trophäe graviert steht. Schließlich hat Preston auch in den Play-Offs selten gut ausgesehen, scheiterte neun von zehn Mal. Aber träumen wird man wohl dürfen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s