Dortmund ist mit seinem Niederländisch am Ende

1. Bundesliga, 15. Spieltag / BVB 1 Werder Bremen 2

Es bleibt dabei: Auf einen leisen Hoffnungsschimmer wie in Magdeburg und Madrid folgt eine schwere Enttäuschung. Die Borussia kriegt die Kurve mit Peter Bosz nicht und bekommt selbst im Heimspiel gegen den Tabellensiebzehnten nicht mal eine ordentliche Halbzeit hin. Auch mit viel Wohlwollen sieht der Weg des Trainers inzwischen stark nach einer Sackgasse aus.

Problemzonen nehmen überhand

Man kann jetzt lamentieren, warum der BVB ausgerechnet auf dieses erstarkte Werder treffen musste und nicht auf die harmlosen Grün-Weißen der letzten Nouri-Wochen. Aber wenn man nicht gegen den immer noch Vorletzten zu Hause die Wende schafft, gegen wen dann? In Mainz oder München? Gegen Hoffenheim? Nach dem heutigen Spiel erscheint keine dieser Optionen wahrscheinlich.

Wer positiv in die Partie ging – ich etwa fand zumindest die Startelf absolut nachvollziehbar – wurde schnell eines Schlechteren belehrt. Die ersten paar Minuten gingen ja noch. Aber es braucht derzeit erschreckend wenig, um den Gameplan der Schwarz-Gelben zu erschüttern. Nur ein bisschen Pressing am rechten Ort, einen gefährlichen Angriff des Gegners – schont scheint das Selbstvertrauen dahin.

Und was Peter Bosz in Abwehr und Mittelfeld auch probiert: Nichts kann wirklich überzeugen. Nehmen wir Neven Subotic: Mit seiner resoluten, selbstbewussten Art wirkt er zwar erfrischend und einen Bonus hat er sowieso. Aber auch er kann die Defensive eben nicht entscheidend stabilisieren und war am 1:2 nicht ganz unschuldig. Die Dreierkette, die ja sowieso kein Allheilmittel ist, funktioniert natürlich nicht, wenn die Außen wie beim 0:1 nicht anständig verteidigt werden. Ein Raphael Guerreiro in seiner Post-Verletzungs-Form hilft uns dort auch nicht weiter.

Lange Pässe statt Kreativität

In der ersten Halbzeit bekam der Gastgeber keine nennenswerte Torchance hin. Ja, die Gäste standen gut. Aber ohne Kreativität aus dem Mittelfeld reicht es gegen keine Mannschaft aus der Bundesliga. Shinji Kagawa, der in Hälfte 2 mit seinen zwei Torschüssen zum Unglücksraben Nr. 1 avancierte, blieb dezent im Hintergrund. Mo Dahoud spielte viele sinnlose Pässe in die Tiefe. Und Guerreiro ist auch im Mittelfeld, wohin er schließlich von Bosz beordert wurde, außer Form. Da über das Zentrum nichts lief, die Bremer dort sogar zeitweise die Hoheit hatten, flogen also wieder zahllose laange, hohe Bälle durchs Westfalenstadion.

Das engagierte Auftreten zu Beginn der zweiten Hälfte, die Hereinnahmen von Sahin und Schürrle – sie erwiesen sich als Strohfeuer. Kurz drehten sie auf, Schürrle bekam sogar mal einen ordentlichen Torschuss hin. Aber mit dem verdienten Ausgleich durch Aubameyang hatte sich das schon. Erneuter Rückstand nach Eckball, dann als Sinnbild der Schuss von Kagawa, der frei vor dem Tor den im Weg sitzenden Aubameyang traf.

Zu viele Fragezeichen, keine Antworten

Peter Boszs Problem ist – oder war – dass er inzwischen viel probiert hat, aber nichts wirkte. Und man immer weniger glaubt, dass da noch genügend Ideen sind. Geschweige denn die richtigen. Die Rückkehr der Dreierkette könnte ein Impuls aus der Mannschaft gewesen sein – was nicht heißt, dass sie unbedingt sinnvoll war. Sondern eher, dass inzwischen zu viele mitreden und zu wenige noch einen Plan haben.

In dieser Hinsicht darf man auch das Procedere nach dem heutigen Nackenschlag skeptisch hinterfragen. Laut Kicker besprachen Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc das weitere Vorgehen mit dem Mannschaftsrat aus Kapitän Marcel Schmelzer, Nuri Sahin und Marco Reus. Also zwei Spielern, die gut und gerne als Symbole der Krise gelten können, und einem Langzeitverletzten. Man darf hoffentlich davon ausgehen, dass es dabei nur um ein Stimmungsbild aus der Mannschaft ging und letztlich in der Geschäftsführung entschieden wird. Sonst müsste man jetzt vom Bock und dem Gärtner anfangen.

Die Mannschaft: Bürki – Sokratis, Subotic, Schmelzer – Bartra, Dahoud (82. Isak), Kagawa, Guerreiro (46. Sahin) – Yarmolenko (46. Schürrle), Aubameyang, Pulisic. Tor: Aubameyang

(Bild: Marvin Ronsdorf/Unsplash)

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