Auf dem Weg zum Durchschnitt

1. Bundesliga, 19. Spieltag / Hertha BSC 1 BVB 1

HerthaBSCBVB-19012018

Wenn Pierre-Emerick Aubameyang in Dortmund individuell trainiert, während André Schürrle in Berlin 90 Minuten stürmt, dann ist etwas gewaltig nicht in Ordnung bei der Borussia. Vor ’nur‘ gut 65.000 Zuschauern im Olympiastadion, noch dazu fehlten die BVB-Ultras gut 20 Minuten, legten die Schwarz-Gelben kein Katastrophenspiel hin, aber der Glanz einer Spitzenmannschaft fehlte ihnen fast völlig. Ohne einen echten Mittelstürmer und ohne viel Kreativität aus dem Mittelfeld wirkte der BVB wie gehobener Liga-Durchschnitt.

Die Causa Aubameyang dominiert nachvollziehbar die Schlagzeilen – dazu später mehr. Aber gerade weil der FC Arsenal nun ein erstes Angebot für Auba vorgelegt hat, lohnt es sich, besonders genau hinzuschauen, wie die Borussia ohne ihn funktioniert. Kurz gesagt: Es ist kompliziert. Vor allem in der ersten Hälfte taten sich die Gäste enorm schwer, einen Weg durch die Abwehrreihen der defensiv eingestellten Gastgeber zu finden. Weigl, Götze und Kagawa enttäuschten zunächst fast gleichermaßen. Christian Pulisic und erneut Jadon Sancho brachten über Außen gelegentlich etwas Zug rein, aber die Hereingaben fanden keine Abnehmer.

Und was soll man noch zu André Schürrle sagen? Außer: stets bemüht, aber immer einen Meter zu spät oder einen Meter daneben. Für mich war es eine Enttäuschung, dass Peter Stöger ihn über die volle Distanz gehen ließ und Alexander Isak erst nach 67 Minuten brachte. Es zeigt aber vielleicht auch, dass der Trainer keinem anderen der erfahrenen Spieler zutraut, Schwung in die Offensive zu bringen.

Nur ein Punch

Leider brauchte es erst einen Gegentreffer, um den Spielwitz der Schwarz-Gelben so richtig zu entfachen. Kurz nach der Pause traf Herthas Selke zur Führung; erst danach gingen es die Gäste zielstrebiger an. Wobei das häufig bedeutete, spekulative, lange Pässe zu schlagen. Hertha tat für eine Heimmannschaft eigentlich zu wenig, hätte aber durch Kalou fast das 2:0 gemacht, wenn nicht Duda aus Abseitsposition eingeschoben hätte. Die Borussia hatte nun genügend Chancen, um die Partie zumindest mit 2:1 zu gewinnen, aber es reichte nur zu dem einen Kopfballtreffer durch Shinji Kagawa. Schön vorbereitet durch Jadon Sancho, der eine Perle wie Christian Pulisic zu sein scheint – nur in einem früheren Entwicklungsstadium.

Torhüter Kraft parierte gegen Toljan, Isak schoss an die Latte – und in der Nachspielzeit bekam Yarmolenko keinen Elfmeter, obwohl er im Strafraum umklammert worden war. Wie sehr konnte man von meiner Position aus unmöglich erkennen – die Fernsehbilder werden es zeigen. Es hätte also positiv enden können. Trotzdem lautet das Zwischenfazit nach zwei Begegnungen der Rückserie: So sehr sich die Borussia defensiv stabilisiert hat – gegen Teams, gegen die man in der Hinrunde erfolgreich war – so sehr fehlt es derzeit am letzten Punch. Und zwar nicht nur am unmittelbaren Abschluss, sondern auch zu oft am finalen Pass.

Aubas Abschied rückt näher

Daher nun zurück zu „PEA“: Arsenal bietet laut „Kicker“ zunächst gut 50 Millionen Euro. Das entspricht natürlich noch nicht seinem Marktwert, ist aber ein Zeichen, dass man an ernsthaften Verhandlungen Interesse hat. Man darf ja nicht vergessen, dass Auba schon 28 ist. Möglicherweise kommt es also tatsächlich zu einem Wechsel in der aktuellen Transferphase. Die allermeisten BVB-Fans, mich eingeschlossen, werden Stand heute sagen: Ab nach London, wenn der Ersatzmann stimmt. Bald kommt Marco Reus zurück und sollte der endlich mal eine Weile fit bleiben, bräuchten wir uns keine Sorgen zu machen, wenn er einen halbwegs fähigen Stürmer an seiner Seite hat. Sollte es zu einem Deal mit Arsenal kommen, der Auba und Olivier Giroud umfasst: warum nicht?

Aber wie schon nach Wolfsburg geschrieben: Es müssen noch weitere Baustellen abgearbeitet werden und eine davon ist auch der Teamgeist. Der steht und fällt nicht nur mit Aubameyang.

Die Mannschaft: Bürki – Piszczek, Sokratis, Toprak, Toljan – Weigl – Kagawa, Götze (67. Isak) – Pulisic (85. Yarmolenko), Sancho – Schürrle. Gelbe Karte: Pulisic. Tor: Kagawa

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