Das Ende der guten alten Zeit: Neven geht

Sportlich ist es eine Randnotiz, die wahrscheinlich keine großen Auswirkungen haben wird: Neven Subotic verlässt nun endgültig Borussia Dortmund und wechselt zum französischen Erstligisten AS St. Etienne – dem Rekordmeister, der derzeit im Abstiegskampf steckt. Nach „Kicker“-Informationen bekommt der BVB doch eine Ablöse von 500.000 Euro für den 29-jährigen Innenverteidiger. Eine Summe, die natürlich dennoch daraufhin deutet, dass man Neven keine Steine in den Weg legen wollte.

So weit die harten Fakten. Doch weit kommt man mit denen in diesem Fall nicht. Es stimmt natürlich, dass Neven Subotic trotz seines kurzen Comebacks unter Peter Bosz den Schwarz-Gelben auf dem Platz nichts mehr geben konnte, was sie nicht schon hatten. Das Reinknien mit voller Identifikation reichte eben nicht. Aber es ist trotzdem ein Schlag, wenn ein Spieler mit genau diesen Merkmalen uns nun verlässt. Die Borussia muss sich fragen: Wie viele solche Menschen haben wir noch in unseren Reihen? Die sich auch abseits vom Platz derart engagieren – karitativ oder beim Feiern mit den Fans.

Der Weggang von Neven, der nach dem Köln-Intermezzo im letzten Frühjahr nun endgültig zu sein scheint, bedeutet aber noch mehr. Er markiert das endgültige Ende der Klopp-Ära, das endgültige Ende der Leichtigkeit und Andersartigkeit, die damit verbunden war. Natürlich ist der BVB nun schon seit mehreren Jahren ein fast normaler Topklub. Und hatte zuletzt mehr Krisen zu überstehen als viele andere. Aber manche Erinnerungen verbinden wir eben doch mit Personen und nicht nur mit dem abstrakten Verein.

Wer von den Verbliebenen der damaligen Zeit weckt denn noch ähnliche Emotionen bei den Fans wie Neven Subotic? Lukasz Piszczek oder Marcel Schmelzer? Nicht wirklich. Nuri Sahin oder Shinji Kagawa? Haben durch ihre Abschiede an Glanz verloren und den nach ihrer Rückkehr nicht wieder mitgebracht. Roman Weidenfeller? Ist wohl doch schon zu weit in seiner Karriere fortgeschritten.

Und welche der neuen Spieler können uns begeistern? Derzeit fallen mir drei ein. Zwei davon sind im Aufbautraining bzw. verletzt: Marco Reus und Maximilian Philipp. Der Dritte, Christian Pulisic, ist zum Glück (wieder) fit, aber liefert in dieser Spielzeit eben auch nicht jede Woche Topniveau.

Borussia Dortmund nach Neven Subotic muss sich daher seine eigene Story erst wieder erarbeiten. Den jetzigen Kader verbinden immer weniger gemeinsame Erinnerungen. Die, die da sind, verblassen. Alte Freundschaften wirken nach außen manchmal wie Seilschaften, die beim Aufbau einer neuen Identität für den BVB 2017/18 eher hinderlich sind. Derzeit schreiben die Schwarz-Gelben zwar Schlagzeilen, aber keine Geschichten, die eine längere Zeit überdauern. So wie die von Neven Subotic.

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2 Gedanken zu “Das Ende der guten alten Zeit: Neven geht

  1. „…das endgültige Ende der Leichtigkeit und Andersartigkeit, die damit verbunden war. Natürlich ist der BVB nun schon seit mehreren Jahren ein fast normaler Topklub.“ – Leider wahre Worte. Als BVB-Fan vermisse ich das Feuer, die Begeisterung der Klopp-Jahre und die Vorstellung oder auch nur die Illusion, einem wirklich besonderen Fussballclub anzugehören. Ob sich das nochmals ändert?
    LG Franz

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  2. Höchstens wenn Kloppo zurückkommt! Aber bis zu diesem nicht sehr wahrscheinlichen Szenario müssen wir uns wohl mit dem Status Quo abfinden. Mir geht es da genauso: Wer die Zeit damals mitgemacht hat, dem muss das heute schwerfallen. Leider bleibt dem Verein ja nicht viel anderes übrig, als diesen ganzen Kommerz- und Transferwahnsinn mitzumachen. Was es umso schwieriger macht, wieder eine eigene Identität aufzubauen. Ob Peter Stöger da helfen kann, ist noch offen.

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