Wer beendet die Stagnation?

1. Bundesliga, 20. Spieltag / BVB 2 SC Freiburg 2

Drittes Unentschieden im dritten Spiel der Rückserie – und Borussia Dortmund ist mittendrin in einer Phase, die man bestenfalls als Stagnation beschreiben kann. Jeder halbwegs kompetente Beobachter der Begegnung mit dem Sportclub konnte auch sehen, dass eindimensionale Erklärungsversuche wie die Unruhe um Pierre-Emerick Aubameyang viel zu kurz greifen.

Ja, der viel diskutierte Maybe-soon-to-be-Londoner stand in der Startelf. Eine logische Personalentscheidung von Peter Stöger angesichts der letzten beiden Partien ohne ihn, obwohl oder gerade weil es Aubas letztes Spiel in schwarz-gelb sein könnte. Die ARD-Sportschau listete äußerst bescheidene Leistungsdaten für den Torschützenkönig von 2017 auf: Er war am wenigsten von allen Feldspielern gelaufen und hatte nur einen Gegenspieler überspielt. Aber er hatte zumindest eine veritable Torannäherung und es hakte an vielen anderen Stellen in der Mannschaft genauso. Was nichts daran ändert, dass die meisten BVB-Fans Auba nächsten Freitag nicht vermissen würden, sollte er in Köln nicht mehr dabei sein.

20 Minuten spielte die Borussia so, wie man es in einem Heimspiel erwarten kann. Zum ersten Mal in 2018 ging sie sogar in Führung und alles hätte einen besseren Verlauf nehmen können als zuletzt. Aber die Defensivprobleme sind eben noch nicht komplett behoben und auf der Gegenseite stand eine Freiburger Mannschaft, der man einfach nur höchsten Respekt zollen kann, wie natürlich ihrem großartigen Trainer. Beim 1:1 wirkte Jeremy Toljan vor der Flanke von Kübler sehr passiv, im Strafraum stand Sahin schlecht und so kam Petersen zum normaleren seiner beiden Tore.

Wer ist der Architekt auf dieser Baustelle?

Was danach vom BVB kam, war einfach nur schwach. Es lohnt sich nicht wirklich, auf einzelne Spielszenen einzugehen. Aber natürlich sollten sich auch Schwarz-Gelbe Nils Petersens Traumtor zum 1:2 anschauen. Ansonsten halten wir es mal allgemeiner. Um es mit Nuri Sahins Worten zu sagen: „Wir hatten viel zu wenig Bewegung in unserem Spiel, hatten kein sauberes Passspiel.“ Immerhin ist die Selbsterkenntnis da. Es lag tatsächlich am statischen Spiel, an Abspielfehlern, an der fehlenden Kreativität, dass viel zu wenige Großchancen entstanden – und nicht an einem vermeintlich faulen Aubameyang.

Peter Stöger hatte ja eine Schwachstelle richtig erkannt: das zentrale Mittelfeld. Wie eh und je ist es die Schaltzentrale des Dortmunder Spiels, weil uns vor allem in der Außenverteidigung die Power fehlt. Der Trainer brachte Castro und Sahin für Götze und Weigl, die in diesem Jahr schlichtweg noch nicht überzeugt hatten. Was bei Mario nach der Verletzung noch etwas verständlicher ist. Aber gerade Nuri Sahin erwischte nicht nur wegen des Fehlpasses vor dem 1:2 einen schwarzen Tag. Und es bleibt mal wieder festzustellen: Wir haben eine offene Baustelle. Keine der Optionen auf der 6er-Position drängt sich derzeit auf.

Nun gibt es ja noch andere Möglichkeiten für den Spielaufbau. Bei einer hoch stehenden Mannschaft wie es der BVB zumindest zu Hause noch ist, könnte auch die Viererkette ihren Teil dazu beitragen. Und hier darf man Peter Stöger sein Festhalten am spielerisch limitierten Ömer Toprak schon vorwerfen. Ja, die Innenverteidigung stand in den letzten Partien ordentlich. Aber wenn man mehr erreichen will als den Status Quo, wenn man im defensiven Mittelfeld Probleme hat und einen neuen Mann wie Manuel Akanji auf der Bank, dann muss man mutiger sein. Denn wie wir schon gehört haben: Der Schweizer soll im Aufbau- und Passspiel die Qualitäten besitzen, die die Schwarz-Gelben heute vermissen ließen.

Bürki hat recht

Am Mittwoch schließt das Transferfenster. Dann sind Kreativität und mutige Entscheidungen auch vom Trainer gefragt. Natürlich werden einige Rückkehrer bald ohnehin seine Möglichkeiten erweitern. Aber Stöger muss die Optionen zu nutzen wissen.

Und die Spieler? Ja, die haben den Auftritt heute zu verantworten. Und dann beschwert sich Roman Bürki nach der Partie bei Sky und der ARD über die Pfiffe der West- und Osttribüne. Erwartbarer Reflex von vielen Medien und manchen Fans: Was erlaubt der sich? Aber man kann es ihm auch nicht so richtig verübeln.

Pfiffe während des Spiels sind einfach unnötig und kontraproduktiv. Kann man zur Pause machen oder nach dem Schlusspfiff. Also dann wenn viele der Pfeifer schon nicht mehr da sind. Weil sie schnell aufs Klo, an den Bier- oder Wurststand (Halbzeit) oder zum Parkplatz (ab 75. Minute) müssen. Man muss es mal aussprechen: Auch der BVB hat viele Event-Fans. Leute, die auch das legendäre Ende gegen Malaga verpassten und denen das von Herzen zu gönnen ist. Die brauchen wir wirklich nicht im Westfalenstadion.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Toprak, Toljan – Sahin (78. Isak) – Castro (46. Castro), Kagawa – Pulisic (67. Yarmolenko), Aubameyang, Sancho. Gelbe Karte: Castro. Tore: Kagawa, Toljan

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