Die Storys aus Köln-Müngersdorf

Obwohl ich mich am Freitag für Regionalliga live vor Ort entschied, bekam ich die  packenden letzten 25 Minuten der Partie in Köln-Müngersdorf noch mit. Kurz nach meiner Ankunft vor dem Bildschirm trat Hector eine Ecke und Meré reagierte schneller als sein Bewacher Batshuayi. Der Effzeh hatte erneut ausgeglichen.

Für Michy Batshuayi war es allerdings der einzige echte Lapsus bei seinem Traumeinstand. Natürlich ist er in allen Medien die Top-Story des Spiels. Zwei Tore und eine Vorlage hätten wohl die wenigsten von einem Spieler erwartet, der bei Chelsea meist als Joker zum Einsatz kam. Er wird in schwarz-gelb nicht immer so erfolgreich sein, aber es spricht auch wenig dafür, dass es eine einmalige Geschichte bleibt. Michy scheint aus der Premier League Handlungsschnelligkeit und Entschlossenheit mitgebracht zu haben. Mit der WM immer im Hinterkopf wird er von sich aus nicht nachlassen.

Ob sich die andere Story der Partie auch so schnell wiederholen lässt? Ein Tor von André Schürrle? Natürlich fragte ich mich auch vor dieser Partie, warum der anstelle des zuletzt überzeugenden Sancho in der Startelf stand. Aber klar: Mit dem gut gezielten, wenn auch abgefälschten Schuss zum 3:2 hat sich Schürrle eine Ruhepause verdient. Ruhe vor der starken Kritik, die es zurecht an seinen Leistungen gab.

Peter Stöger war bei seiner Rückkehr an die alte Wirkungsstätte mit etwas Glück siegreich. In Köln werden sich auch andere Klubs aus der oberen Tabellenhälfte noch schwer tun. Um in der Rückserie richtig ins Rollen zu kommen, muss jetzt allerdings zwingend noch ein Sieg gegen den vielleicht doch absteigbaren HSV her.

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Es gibt manchmal Wichtigeres als den BVB

Regionalliga Nordost, 20. Spieltag / Babelsberg 03 4 BSG Chemie Leipzig 0

Es war ein Freitag, an dem eine Entscheidung fallen musste: Schaue ich Borussia Dortmund auf Eurosport, im ersten Spiel nach der Transferphase, die einem noch mal die negativen Entwicklungen im Spitzenfußball knallhart vor Augen geführt hatte? Oder unterstütze ich meinen örtlichen Regionalligaverein im ersten Spiel nach der Winterpause und im womöglich letzten vor dem Zwangsabstieg? Keine einfache Frage trotz aller Dramatik in Potsdam-Babelsberg, schließlich bin ich seit knapp 25 Jahren BVB-Fan.

Am Ende sollte ich noch etwa ein Viertel der spannenden Partie in Köln mitbekommen, aber zuvor stand ich 90 Minuten plus im Karl-Liebknecht-Stadion. Was Babelsberg 03 drohte, hatte am Freitag deutschlandweit den Weg in die Medien gefunden. Die Kurzversion: In der letzten Saison hatte sich der Besuch von Energie Cottbus im „Karli“ zu einem „Skandalspiel“ entwickelt. Mit Pyrotechnik auf beiden Seiten, versuchtem Platzsturm einiger Gästefans und vor allem rechten Parolen und Hitlergrüßen aus dem Cottbusser Block. Daraufhin waren von einem 03-Fan „Nazischweine raus“-Rufe zu hören.

Der Nordostdeutsche Fußballverband NOFV verurteilte im Anschluss Cottbus zu einem Geisterspiel und 16.000 Euro Geldstrafe – allerdings für Vergehen aus mehreren Spielen und ohne Einbeziehung der rechtsradikalen Vorkommnisse. Die Strafe wurde im Berufungsverfahren auf 6000 Euro ohne Geisterspiel reduziert. Eine nachträglich verhängte Strafe für die Hitlergrüße wurde wegen Verfahrensfehlern zurückgenommen. Nicht aber die 7000-Euro-Strafe für den SV Babelsberg 03, der nun für Pyro-Vorfälle UND die „Nazischweine“-Rufe 1000 Euro mehr als Energie bezahlen soll. Beiden Clubs droht im Wiederholungsfall noch ein Geisterspiel.

Zweierlei Maßstäbe

Diese Ungleichbehandlung und die Gleichsetzung von antifaschistischen mit faschistischen Sprüchen haben den Vorstand von 03 dazu bewogen, die Zahlung der Geldstrafe in dieser Höhe und mit dieser Urteilsbegründung abzulehnen. Sogar der DFB hatte sich zugunsten von Babelsberg eingeschaltet. Doch der NOFV droht dem Verein nun mit Zwangsabstieg, da am Freitag eine zweite Zahlungsfrist abgelaufen ist. Der SVB beklagt in einem offenen Brief an den Verband, man habe weder die Möglichkeit zur Revision noch zu einer persönlichen Anhörung bekommen. Weiterlesen „Es gibt manchmal Wichtigeres als den BVB“