Marcos Rückkehr und drei Punkte

1. Bundesliga, 22. Spieltag / BVB 2 Hamburger SV 0

Es war kein Spiel für originelle Überschriften heute im Westfalenstadion. Borussia Dortmund hat seinen 500. Heimsieg in der Bundesliga geschafft, das ist toll. Ansonsten war zu erkennen, dass fast jeder Gegner den Schwarz-Gelben derzeit Probleme bereiten kann. Grund zur Hoffnung gibt es dennoch.

Marco Reus stand wieder auf dem Rasen. In einem Pflichtspiel und etwas überraschend von Beginn an. Unsere Nummer 11 konnte nicht verhindern, dass es insgesamt eine zähe Partie war, aber Marco stellte den größten Lichtblick dar. Bei den meisten schnell vorgetragenen Angriffen der Borussia, von denen es zu wenige gab, war er beteiligt. Und wenn er jetzt schon wieder diese Leistung bringt, wie sieht es dann in zwei, drei Wochen aus – vorausgesetzt er bleibt gesund?

Stören nach Zahlen

Wenn wir jedoch von der Gegenwart reden, dann reicht ein zurückgekehrter Marco Reus noch nicht aus, um aus dem BVB wieder eine echte Spitzenmannschaft zu machen. Denn den Gegnern reicht derzeit ein Taktikbuch für Kinder, um den Schwarz-Gelben ernsthaft Schwierigkeiten zu machen. Die Mitte verdichten, möglichst schon beim Spielaufbau von hinten raus stören, ansonsten kompakt vor dem Strafraum stehen: So dürften in etwa die Anweisungen von Bernd Hollerbach an sein Team gelautet haben.

Dass diese vergleichweise simple Taktik so gut funktioniert, hat viel mit den drei Problemzonen der Borussia zu tun. Alle waren sie auch heute ersichtlich. Der Innenverteidigung mangelt es an Ideen bzw. Fähigkeiten im Spielaufbau. Ömer Toprak agierte defensiv sehr solide, aber einen öffnenden Pass spielt er vielleicht einmal im Spiel. Manuel Akanji, dem das zuzutrauen ist und der gegen den HSV Sokratis ersetzte, blieb noch etwas vorsichtig.

Die Außenverteidigung präsentierte sich ebenfalls eher unausgewogen. Jeremy Toljan ist deutlich mutiger geworden und weiß nach vorne immer öfter zu gefallen. Defensiv hatte er einige gute Aktionen, aber auch noch ein paar Problemchen. Doch die waren nicht der Rede wert gegenüber dem ganz schwachen Auftritt von Lukasz Piszczek auf der anderen Seite: Der wirkte passiv, immer wieder nicht zur Stelle und ohne Fortune in der Offensive. Leise Zweifel sind erlaubt, ob er noch mal auf das Niveau kommt, dass der BVB dort hinten benötigt. Der Messias, zu dem er während seiner Verletzungspause gemacht wurde, ist er jedenfalls nicht.

Tausendmal was probiert

Was Peter Stöger und Peter Bosz seit September auch probiert haben: Die Zentrale, das defensive Mittelfeld funktioniert nicht so, wie wir es aus der Vergangenheit gewöhnt sind. Nuri Sahin ist völlig außer Form, Mo Dahoud und Gonzalo Castro sind keine klassischen 6er, an Sebastian Rode können wir uns kaum noch erinnern und Julian Weigl – nun, der durfte heute ran und hat sich sicher bemüht. Aber es fehlt bei ihm zur Zeit an vielem: Stellungsspiel, Tacklings, Passsicherheit – nichts ist so, wie es mal war. Ich fand die Jubelarien auf ihn öfter übertrieben, aber er kann es besser.

Dass es gegen den HSV doch reichte, lag einerseits an dessen eklatanter Abschlussschwäche. Manchmal begleitete die BVB-Defensive die Gäste nur und trotzdem bekamen diese kaum ernstzunehmende Torszenen hin. Und zum zweiten hat die schwarz-gelbe Offensive einfach die Qualität, auch aus wenig etwas zu machen. Vor allem, wenn es schnell geht wie beim 1:0 über Reus, Pulisic und Batshuayi. Als der HSV zurücklag und der BVB selbstbewusster wurde, hätte man das Spiel entscheiden können, vielleicht müssen. Mindestens drei Gelegenheiten dazu hatten die Schwarz-Gelben.

Eine Zeit lang wirkte es dann ein bisschen so, als wolle man auf Halten spielen. Doch die Nachspielzeit hielt dann noch ein Deja-vu bereit, das ordentlich Zuckersoße über die Partie goss. Der eingewechselte Mario Götze traf – nach Vorarbeit von André Schürrle. Es freute mich für Mario, aber sprechen wir über Schürrle. Bis zu dieser Szene war es wieder einigermaßen frustrierend, ihm zuzusehen. Er lief sich die Socken ab, hatte einen brauchbaren Abschluss, den Torwart Mathenia parierte. Aber es war auch vieles umsonst, es waren viele Ballverluste und verlorene Zweikämpfe dabei. Bis dann dieser wirklich starke Antritt in der 92. Minute kam, der in einen tollen Pass auf Mario mündete.

Was ist da heute passiert? Borussia Dortmund hat im Februar zweimal hintereinander gewonnen. Michy Batshuayi hat eingeschlagen. Der BVB ist Dritter. Aber: Die Siege gab es gegen den Tabellenletzten und -vorletzten. In der Hinserie fielen sie weitaus deutlicher aus. Wir werden in den nächsten Wochen wohl niemanden demontieren. Schon gar nicht Atalanta Bergamo am Donnerstag, auch wenn die beim Tabellen-17. Crotone nur zu einem 1:1 kamen und auf Platz 8 der Serie A abrutschten. Ein bisschen Vorfreude gestatte ich mir trotzdem – auf die M & M & Ms, Marco, Michy und bald auch Maximilian.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Akanji, Toprak, Toljan – Weigl, Kagawa (62. Dahoud) – Pulisic (84. Castro), Reus (71. Götze), Schürrle – Batshuayi. Tore: Batshuayi, Götze

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