Dortmund gibt sich die Mozartkugel

Europa League, Achtelfinale / „FC“ Salzburg 0 BVB 0

Es hört sich ja schon komisch an, vom „Wunder von Salzburg“ zu sprechen. Aber in diese Verlegenheit kommt nun keiner. Borussia Dortmund hat sich mit einem tristen 0:0 aus dem Europapokal verabschiedet – nach einer insgesamt sehr schwachen Kampagne. Das Weiterkommen in der schweren CL-Gruppe war keine Pflicht, mehr Punkte gegen Nikosia allerdings schon. Und ein Ausscheiden gegen RBFC Salzburg wegen einer Heimniederlage geht natürlich gar nicht.

Was die Schwarz-Gelben gestern Abend boten reihte sich ein in die schwächeren Auftritte in den europäischen Wettbewerben dieser Saison. Da war über weite Strecken eine Mannschaft auf dem Platz, die keinen Plan davon hatte, wie man diesen Gegner systematisch unter Druck setzen könnte. Und vor allem in der ersten Hälfte auch wenig Plan, wie man die schnellen Salzburger Attacken unterbinden sollte. Wenn Letzteres in den zweiten 45 Minuten etwas besser aussah, dann lag das vor allem an einer verbesserten Innenverteidigung, in der sich Toprak-Ersatz Zagadou besser präsentierte als zu Beginn.

Es blieb auch gestern dabei: Der BVB schafft es nicht mehr, das Zentrum des Spielfelds zu kontrollieren. Meistens ging es uneffektiv über die Außen oder mit langen Pässen nach vorne, die nicht ankamen. Mahmoud Dahoud wirkte emsig, verbuchte das technische Kabinettstückchen des Spiels, um den Ball zwei Sekunden danach zu verlieren. Das fasst seine Leistung ganz gut zusammen. Die Borussen überall auf dem Platz wirkten zu oft zu langsam, kamen zu spät, spielten unsauber ab. Es war ernüchternd – bis auf eine Phase von etwa zehn Minuten in Hälfte 2, in der man die Gastgeber ernsthaft unter Druck setzte und zwei große Chancen vergab.

Trauerspiel mit einem einsamen Helden

Zu dieser Zeit durfte man sich natürlich längst bei Roman Bürki bedanken, dass es noch 0:0 stand. Das Lob für ihn wird nach diesem Spiel wieder zu kurz kommen, deshalb ganz deutlich hier: Roman war großartig. Leider war die Partie auch Anschauungsunterricht im Sinne meines letzten Artikels: Lukasz Piszczek blieb höchstens Statist und ist eben leistungsmäßig keine Stütze dieser Mannschaft mehr. Eine gute Flanke auf Schmelzer bleibt von ihm in Erinnerung – ansonsten war das gar nix.

Dass Umwälzungen im Kader der Schwarz-Gelben unausweichlich sind, konnte man nicht nur hier schon öfter lesen. Ab heute darf, so leid mir das tut, auch über Peter Stöger diskutiert werden. Er und sein Team haben es eben auch nicht geschafft, der Mannschaft zu 100 Prozent die richtige Einstellung zu vermitteln. Es sah zumindest nicht danach aus. Warum nicht von Anfang an Philipp anstelle des zuletzt arg mittelmäßigen Götze auflief, darf man Stöger auch fragen.

Es bleibt spannend, wenn auch alles andere als schön. Fast würde ich mir schon wünschen, dass morgen die beiden Brauseklubs gegeneinander gelost werden. Damit endlich klar wird, was UEFA und andere Verbände da durchgewinkt haben.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Zagadou, Schmelzer – Castro (62. Guerreiro), Dahoud – Reus (46. Isak), Götze (46. Philipp), Schürrle – Batshuayi. Gelbe Karten: Sokratis, Zagadou

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