Dortmunds netter Versuch in Bremen

1. Bundesliga, 32. Spieltag / Werder Bremen 1 BVB 1

Keine 90 Minuten Spitzenfußball, die ein oder andere heikle Szene überstanden, aber allemal genug getan, um drei Punkte mitzunehmen: So lässt sich das schwarz-gelbe Gastspiel in Bremen zusammenfassen. But you can’t win anything with Schürrle, um es mal frei nach Alan Hansen zu sagen. Ich würde mich freuen wenn ich genauso falsch läge wie der schottische TV-Experte – glaube es aber nicht.

Wer hätte nicht gerne einen Bierbecher in Richtung Bildschirm geworfen, als der eingewechselte André Schürrle frei vor Jiri Pavlenka am Bremer Keeper scheiterte? Klar, der Schuss war klasse gehalten – aber war er nicht besser platzierbar? Es ist das Langzeitproblem von Schürrle: Er läuft und läuft, schießt und schießt, trifft aber nicht. Auch an seinem sanften Kopfball war Pavlenka noch entscheidend dran.

Natürlich lag das Unentschieden mehr am Bremer Torwart als an einem einzelnen Dortmunder. Es gab außerdem Aluminiumtreffer von Akanji und Sancho, einen knapp verfehlten Knaller von Marco Reus. Aber es ist symptomatisch für diese BVB-Saison, dass Peter Stöger immer wieder André Schürrle bringt oder bringen muss.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Vor allem in der zweiten Halbzeit war das eine ansprechende Partie von schwarz-gelb, während es zuvor längere passive Phasen gegeben hatte. Und da auch die Bremer weiter mitmischen wollten, wurde es trotz Dortmunder Überlegenheit doch noch zu einem dieser heißen Duelle, für die diese beiden Klubs schon oft gesorgt haben.

Die schwarz-gelbe Offensive lässt sich in der derzeitigen Besetzung gut anschauen, doch natürlich fehlt ein echter Torjäger. Gegen Mainz, das heute zum Glück RB Leipzig schlug, kann der BVB dennoch die Champions League klar machen. Eine gute Gelegenheit, noch an den Blauen vorbeizuziehen, hat man jedoch ausgelassen.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Toprak, Akanji – Weigl, Götze – Pulisic (61. Schürrle), Reus, Sancho – Philipp (79. Yarmolenko). Gelbe Karten: Piszczek, Sokratis. Tor: Reus

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Und etwas dreht sich doch

1. Bundesliga, 31. Spieltag / BVB 4 Bayer Leverkusen 0

Was passiert denn da auf dem Planeten Borussia? Kapitän Marcel Schmelzer sitzt unverletzt auf der Tribüne und die Mannschaft nimmt Bayer 04 auseinander. Ob das etwas miteinander zu tun hatte?

Wenn ich mir nach der Derby-Pleite etwas von Peter Stöger und den schwarz-gelben Jungs gewünscht hatte, dann mehr Mut. Ich hatte auf Alexander Isak in der Startelf gehofft – doch der stand nicht im Kader. Überraschungen in der Aufstellung gab es trotzdem: Götze rückte ins zentrale Mittelfeld und Jadon Sancho auf die linke Außenbahn. Hinten links spielte der Innenverteidiger Manuel Akanji. Für Schmelle. Und wie.

Doppelter Punktgewinn für Stöger

Peter Stöger traf nicht nur eine überfällige Personalentscheidung, er konnte sich am Ende der Partie auch als Taktiksieger fühlen. Mit Akanji kam der nötige Druck auf die als Schwachstelle erkannten Leverkusener Außenverteidiger zustande. Endlich funktionierte einmal ein Dortmunder Flügel von vorne bis hinten. Obendrein war der Schweizer Aushilfs-Linksverteidiger auch an einem der BVB-Treffer maßgeblich mit einem langen, präzisen Pass beteiligt. Weiterlesen „Und etwas dreht sich doch“

Nur noch vier Spiele – zum Glück!

1. Bundesliga, 30. Spieltag / FC Schalke 2 BVB 0

Die sportlich gesehen enttäuschendste Spielzeit des BVB seit langem – ja, trotz der letzten unter Jürgen Klopp – geht bald zu Ende. Das ist die schönste Erkenntnis eines bis in die Nachspielzeit schwarzen Derby-Tags für Schwarz-Gelb. Die Borussia vergab auch die letzte Chance auf einen versöhnlichen Saisonausklang – ja, trotz der weiterhin möglichen CL-Qualifikation.

Schalke ging in eigener Halle verdient als Sieger vom Platz. Weil die Gastgeber länger die Mannschaft mit dem reiferen Spielaufbau waren. Weil sie mehr gute Abschlussmöglichkeiten hatten. Die ausgeglichene Zahl der Torschüsse (12:12) täuscht: Die des BVB waren harmloser, oft mit viel Hoffnung abgefeuert, manchmal eher Zufallsprodukte. Schalke gewann auch, wie Peter Stöger richtig erkannte, wegen individueller Fehler: Marcel Schmelzer verlor den Ball vor dem 0:1, die Spieler in der Freistoßmauer patzten beim 0:2. Aber das ist wirklich nicht mal die halbe Wahrheit.

Den schwarz-gelben Jungs gelang nach vorne zu wenig. Ganz wenig. Obwohl Christian Pulisic sich abmühte und in Ansätzen seine Klasse erkennen ließ. Aber fast alle anderen hatten einen gebrauchten Tag. Mal wieder, wenn es um etwas geht. Ausnahme: Roman Bürki, mal wieder. Mo Dahoud wirkte zunächst extrem engagiert, aber auch das legte sich im Laufe des Spiels. Ja, den Fehler vor dem Gegentor machte Schmelzer. Überraschung. Ist ja nicht so, dass man es nicht hätte wissen können, dass unsere Außenverteidigung nicht auf dem neuesten Stand ist. Eine Dreifach-Verneinung in einem Satz? Ja, auch das passt heute.

Dass es an ganz bestimmten Stellen – Außenverteidigung, Mittelfeldzentrale – weiter hakt, überrascht natürlich nicht. Inzwischen kann man aber auch davon sprechen, dass diese schwarz-gelbe Mannschaft ein Problem mit Topspielen hat. Mit dem Druck in diesen Spielen. Das Problem tritt nicht in jeder solchen Partie gleichermaßen auf – so fiel Leipzig positiv aus dem Rahmen. Es zieht sich auch nicht immer über 90 Minuten. Aber oft sind es die entscheidenden Momente, in denen das Team eben nicht auf der Höhe wirkt.

Man kann über die Gründe für die fehlende Druckresistenz jetzt wieder lange spekulieren. Man darf das letzte Frühjahr dabei nicht vergessen, aber es wird auch nie einen Beweis geben, dass da noch was nachhängt. Also bleibt uns nur, auf einen möglichst umfassenden Neuanfang im Sommer zu hoffen. Mit Watzke und Zorc, das wissen wir und das ist auch gut so. Aber vielleicht ohne viele andere. Und auch das könnte für alle Beteiligten gut sein. Ob Michy Batshuayi im Juli noch da sein wird? Eher unwahrscheinlich. Fehlen wird er der Borussia aber wohl schon vorher. Verletzte er sich doch in der Nachspielzeit dieses Derbys zum Vergessen.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Toprak, Schmelzer (86. Götze) – Sahin, Dahoud (79. Sancho) – Pulisic, Reus, Philipp (46. Schürrle) – Batshuayi. Gelbe Karte: Piszczek.

Gut dass er kommt – ihr könnt ihn Motzki nennen!

Wer nach den Partien gegen den FC Schalke und Salzburg auch das dritte Desaster der schwarz-gelben Borussia in dieser Saison verfolgt hat, zweifelt nicht mehr daran: Es muss sich etwas ändern. Auf mehreren Ebenen. Ich habe die Partie in München nur am Rande mitbekommen. Darüber bin ich heute nicht traurig. Über den aktuellen Zustand des BVB aber natürlich schon ein wenig.

Nun hat Michael Zorc gestern im ZDF bestätigt, dass sich der Verein mit Matthias Sammer auf ein Engagement als „externer Berater“ geeinigt hat. Mit Sebastian Kehl sei man auf einem guten Weg – der Ex-Kapitän soll die Lizenzspieler-Abteilung leiten. Ein Posten, den es so bisher nicht gab. Letztlich darf man sich ihn als ein Bindeglied zwischen Geschäftsführung und Sportdirektor einerseits sowie Mannschaft andererseits vorstellen. Dabei dürfte es viel um atmosphärische Dinge gehen.

Spannender erscheint die Rolle von Sammer, selbst wenn dieser nicht formell in die Vereinsstrukturen eingebunden wird. Unser ehemaliger Meistertrainer soll sich turnusmäßig mit den BVB-Entscheidern treffen und vermutlich sowohl strategische als auch ganz konkrete, etwa personelle Dinge diskutieren. Nachdem sich die Beziehung zu Sammer während dessen Bayern-Zeit stark abgekühlt hatte, ist man sich inzwischen wieder nähergekommen. Und angeblich hat der Sachse durchaus noch etwas für die Borussia übrig.

Aus dem Fernsehen geholt

Nun gibt es natürlich wieder Kritiker, die die beiden Personalien als erneute „Rückholaktion“ oder als Verzweiflungstat von zwei Versagern darstellen, die nur einmal einen Glücksgriff mit Jürgen Klopp tätigten. Die üblichen Online-Reflexe von außen eben. Ja, es handelt sich um zwei Ex-BVB-Angestellte und aktuelle TV-Experten. Aber natürlich ist Sebastian Kehl jemand, der weiß, wie eine Mannschaft tickt. Und natürlich kann man mal mit Matthias Sammer darüber diskutieren, wie man einem Team die richtige mentale Einstellung beibringt. Welche Leute du dafür brauchst. Es entscheidet ja immer noch die Geschäftsführung, man muss nicht immer einer Meinung sein.

Stellt sich die Frage, wie viel Substanz hinter der Eiferei von Sammer steckt, die man durchaus unsympathisch finden kann. Wegen seiner gelobten Tätigkeit als Eurosport-Experte wird Watzke ihn wohl nicht geholt haben. Ich kann zu der mangels Abo ohnehin nichts sagen. Matthias Sammer vertritt jedoch Werte, die man zwar nicht überbetonen sollte, die aber zweifellos für den BVB der Saison 2017/18 und den der kommenden Spielzeit wichtig bis entscheidend sind. Und man traut dem gebürtigen Dresdner auch einen Plan zu, wie die Schwarz-Gelben diese wieder verinnerlichen.

Ist es ein Zeichen von Schwäche, sich Hilfe von außen zu holen? So eine Einstellung ist inzwischen zum Glück unmodern geworden. Ohne Zweifel gab es Versäumnisse von Aki Watzke und Michael Zorc in der Transferpolitik – die ich im letzten Artikel hier ja schon benannt habe. Aber die ganzen Kritiker in den Online-Kommentaren vergessen eine Tatsache oder lassen sie absichtlich weg: Der Busanschlag im letzten Jahr war etwas, das noch keine andere deutsche Profimannschaft so erleiden musste. Das betrifft zunächst die Menschen, die wirklich im Bus saßen. Aber natürlich war die Tat auch ein Schock, ein Einschnitt für Watzke und die anderen Verantwortlichen. Und hat auch für sie vieles erschwert.

Man kann mit den Ereignissen von 2017 nicht alles entschuldigen – aber den Spielern oder auch Watzke und Zorc jetzt Versagen vorzuwerfen, ist einfach unwahrscheinlich kurzsichtig und unsensibel.