Gut dass er kommt – ihr könnt ihn Motzki nennen!

Wer nach den Partien gegen den FC Schalke und Salzburg auch das dritte Desaster der schwarz-gelben Borussia in dieser Saison verfolgt hat, zweifelt nicht mehr daran: Es muss sich etwas ändern. Auf mehreren Ebenen. Ich habe die Partie in München nur am Rande mitbekommen. Darüber bin ich heute nicht traurig. Über den aktuellen Zustand des BVB aber natürlich schon ein wenig.

Nun hat Michael Zorc gestern im ZDF bestätigt, dass sich der Verein mit Matthias Sammer auf ein Engagement als „externer Berater“ geeinigt hat. Mit Sebastian Kehl sei man auf einem guten Weg – der Ex-Kapitän soll die Lizenzspieler-Abteilung leiten. Ein Posten, den es so bisher nicht gab. Letztlich darf man sich ihn als ein Bindeglied zwischen Geschäftsführung und Sportdirektor einerseits sowie Mannschaft andererseits vorstellen. Dabei dürfte es viel um atmosphärische Dinge gehen.

Spannender erscheint die Rolle von Sammer, selbst wenn dieser nicht formell in die Vereinsstrukturen eingebunden wird. Unser ehemaliger Meistertrainer soll sich turnusmäßig mit den BVB-Entscheidern treffen und vermutlich sowohl strategische als auch ganz konkrete, etwa personelle Dinge diskutieren. Nachdem sich die Beziehung zu Sammer während dessen Bayern-Zeit stark abgekühlt hatte, ist man sich inzwischen wieder nähergekommen. Und angeblich hat der Sachse durchaus noch etwas für die Borussia übrig.

Aus dem Fernsehen geholt

Nun gibt es natürlich wieder Kritiker, die die beiden Personalien als erneute „Rückholaktion“ oder als Verzweiflungstat von zwei Versagern darstellen, die nur einmal einen Glücksgriff mit Jürgen Klopp tätigten. Die üblichen Online-Reflexe von außen eben. Ja, es handelt sich um zwei Ex-BVB-Angestellte und aktuelle TV-Experten. Aber natürlich ist Sebastian Kehl jemand, der weiß, wie eine Mannschaft tickt. Und natürlich kann man mal mit Matthias Sammer darüber diskutieren, wie man einem Team die richtige mentale Einstellung beibringt. Welche Leute du dafür brauchst. Es entscheidet ja immer noch die Geschäftsführung, man muss nicht immer einer Meinung sein.

Stellt sich die Frage, wie viel Substanz hinter der Eiferei von Sammer steckt, die man durchaus unsympathisch finden kann. Wegen seiner gelobten Tätigkeit als Eurosport-Experte wird Watzke ihn wohl nicht geholt haben. Ich kann zu der mangels Abo ohnehin nichts sagen. Matthias Sammer vertritt jedoch Werte, die man zwar nicht überbetonen sollte, die aber zweifellos für den BVB der Saison 2017/18 und den der kommenden Spielzeit wichtig bis entscheidend sind. Und man traut dem gebürtigen Dresdner auch einen Plan zu, wie die Schwarz-Gelben diese wieder verinnerlichen.

Ist es ein Zeichen von Schwäche, sich Hilfe von außen zu holen? So eine Einstellung ist inzwischen zum Glück unmodern geworden. Ohne Zweifel gab es Versäumnisse von Aki Watzke und Michael Zorc in der Transferpolitik – die ich im letzten Artikel hier ja schon benannt habe. Aber die ganzen Kritiker in den Online-Kommentaren vergessen eine Tatsache oder lassen sie absichtlich weg: Der Busanschlag im letzten Jahr war etwas, das noch keine andere deutsche Profimannschaft so erleiden musste. Das betrifft zunächst die Menschen, die wirklich im Bus saßen. Aber natürlich war die Tat auch ein Schock, ein Einschnitt für Watzke und die anderen Verantwortlichen. Und hat auch für sie vieles erschwert.

Man kann mit den Ereignissen von 2017 nicht alles entschuldigen – aber den Spielern oder auch Watzke und Zorc jetzt Versagen vorzuwerfen, ist einfach unwahrscheinlich kurzsichtig und unsensibel.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Gut dass er kommt – ihr könnt ihn Motzki nennen!

  1. Fernseh-Jogi

    Fehler machen muss erlaubt sein. Und Watzke und Zorc haben Kredit aufgebaut für 1000 Fehler. Leider lassen sich Fehler nicht immer und selten sofort korrigieren. Die Vertragsverlängerungen mit Schmelzer, Piszczek und Castro z. B. mögen menschlich (alles sympathische Jungs…) nett gewesen sein, aber zusammen mit Sahin, Weigl und Sokratis (auch nette Jungs) stellen sie eine Belastung dar, die erahnen lässt, warum man als Trainer vielleicht keinen Bock hat, diesen Kader zu übernehmen. Es wäre für alle Opfer des Anschlags vielleicht besser, in anderer Umgebung Abstand zu bekommen und Verarbeitung zu erreichen. Es wäre daher auch angesichts des Anschlags weder kurzsichtig noch unsensibel, die automatischen Vertragsverlängerungen Fehler zu nennen.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s