Auf Reisen: Derby, Pride Park

EFL Championship, 7.4.2018 / Derby County 3 Bolton Wanderers 0

Man kann nun wirklich nicht sagen, dass der englische Zweitligist Derby County besonders glücklich mit dem Jahr 2018 wäre. Vom Kandidaten für den direkten Aufstieg in die Premier League verwandelten sich die ‚Rams‘ in den letzten Monaten in ein Team, für das es nur noch darum geht, in die Play-Offs zu kommen. Es ist nicht das erste Mal, dass den Verein im Frühjahr eine mysteriöse Formschwäche befällt.

Anfang April war ich in Derby, nicht zuletzt um den Rams und dem Stadion Pride Park einen Besuch abzustatten. Das Heimspiel gegen die abstiegsbedrohten Bolton Wanderers folgte einem bitter nötigen und sehr glücklichen 1:0-Erfolg bei Preston North End, einem Konkurrenten um die Play-Off-Plätze. Zuvor hatten sich die Rams im eigenen Stadion gegen Sunderland, inzwischen als Absteiger feststehend, beim 1:4 bis auf die Knochen blamiert.

Abgesehen vom Sportlichen spricht einiges dafür, sich als Fußballfan ein Spiel im Pride Park anzuschauen. Derby, eine Stadt mit knapp 250.000 Einwohnern, steht ein wenig im Schatten eines größeren und berühmteren Nachbarn. In Nottingham gibt es eine Art Schloss, die berühmte Legende von Robin Hood, eine größere Altstadt, zwei Unis (Derby hat eine) und mehr Alternativkultur. Doch auch der Stadtkern von Derby kann sich sehen lassen, vor allem das Cathedral Quarter mit seinem Fixpunkt, der Kathedrale All Saints. Es gibt eine ganze Menge guter, atmosphärischer Pubs in Derby, während die Kriminalität niedriger ist als in Nottingham.

Die Rivalität zwischen den Städten setzt sich im Fußball fort und wird durch ihn verstärkt. Das East Midlands Derby zwischen Derby County und Nottingham Forest gehört zu den heißeren im englischen Fußball. Im Gegensatz dazu war beim Heimspiel gegen Bolton keine feindselige Atmosphäre zu erwarten, auch wenn es kurz vor der Zielgeraden der Saison für beide Klubs um einiges ging.

Pride Park-Schild
Durchs Grüne und am Fluss entlang von der Innenstadt ins Stadion

Alleine der Weg aus der Innenstadt zum Pride Park ist schon etwas Besonderes. Wer möchte kann den ganzen Weg von der Silk Mill, einer ehemaligen Baumwollfabrik, die zum Weltkulturerbe zählt, bis fast zum Stadion am Fluss Derwent entlanglaufen. Pride Park heißt sowohl die Spielstätte der Rams als auch das umgebende Gewerbegebiet. Das Stadion hat gut 33.500 Plätze, ist modern, weiß aber dennoch zu gefallen, gerade von innen.

Schönes Stadion, angenehme Stimmung

Gegen die Wanderers kamen an einem Samstagnachmittag zur besten Fußballzeit um drei gut 25.700 in den Pride Park – was in etwa dem durchschnittlichen Besuch in dieser Saison entspricht. Die Atmosphäre war entspannt und gut. Kontrolliert werden bei den Heimfans ausschließlich die Tickets. Wie in England üblich tranken wir im Innenraum des Stadions unser Pint; auf die Tribünen selber darf kein Alkohol mitgenommen werden. Von unseren Plätzen auf der Osttribüne genossen wir beste Sicht und Stimmung macht hier – natürlich – die Süd.

Die Partie selber war bis zu jenem Zeitpunkt sicher die beste von Derby im Jahr 2018. Was allerdings auch an der Harmlosigkeit der Gäste lag, die inzwischen, Stand Ende April, einen Spieltag vor Schluss auf einem Abstiegsplatz liegen. Die Rams sind nicht gerade als Schnellstarter bekannt, aber an diesem Tag war etwas anders. Ecke, Kopfball, Tor nach sechs Minuten. Joe Ledley auf Alex Pearce. County kontrollierte das Spiel, zunächst ohne zu glänzen. Aber nach einer halben Stunde konnte Gäste-Keeper Alnwick einen Schuss von David Nugent nur parieren und Derbys führender Torjäger, der Tscheche Matej Vydra versenkte per Abstauber.

Derby County-Bolton Wanderers
Gut 25.000 Zuschauer im Pride Park. Links im Bild: der South Stand ist die Stimmungstribüne.

Das Highlight dann nach 54 Minuten: Der junge Linksaußen Tom Lawrence mit einem nicht ganz positionsgetreuen Schuss aus über 20 Metern ins Eck. Lawrence hatte zuvor in Preston per Freistoß das einzige Tor erzielt und seine bis dahin durchwachsen verlaufene erste Saison im Derby-Trikot gekickstartet. Was danach folgte war nicht ganz perfektes Herunterspielen, das durchaus noch in einem Treffer der Gäste hätte enden können. Der Pfosten und der gut aufgelegte Scott Carson im Tor verhinderten das.

Die Heimfans auf der Südtribüne waren schon zu Beginn positiv gestimmt – was angesichts der vorherigen Wochen nicht selbstverständlich war und wohl tatsächlich auch nicht immer so ist. Wir erlebten den Pride Park jedoch für ein eher einseitiges Spiel schön stimmungsvoll. Ein bisschen Spott für die Gästefans, die darauf mit Selbstironie reagierten.

Derby ist eine schöne Fußballstadt. In der Regel läuft hier alles friedlich ab. Die Stimmung stimmt, wenn die Mannschaft sich Mühe gibt. Es gibt einen Verein, auf den sich die meisten einigen können. Bei dem läuft nicht alles perfekt, aber die wesentlichen Voraussetzungen stimmen. Kurzum, so wie in Derby stelle ich mir englischen Fußball vor. Auf bald!

P.S.: Wir springen in den Mai: Vor dem letzten Spieltag am Sonntag haben es die Rams selbst in der Hand, die Play-Offs zu erreichen. Dafür dürfen sie zu Hause gegen den abstiegsbedrohten FC Barnsley nicht verlieren. Ein Unentschieden sollte aufgrund der gegenüber Preston deutlich besseren Tordifferenz reichen.

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