Borussia verliert keine Zeit

Während alle Fußball-Welt noch das tragische Champions League-Finale diskutiert, kommt Borussia Dortmund an diesem Montag mal gleich mit drei nicht uninteressanten Neuigkeiten um die Ecke. Nicht alle davon sind schon von Vereinsseite bestätigt. So sollen der BVB und der FC Arsenal nur noch drei Millionen Euro auseinanderliegen – im Poker um die Ablöse für Sokratis. 15 Millionen hätten die Londoner geboten, 18 würde Dortmund gerne haben, schreibt der „Kicker“.

So viel dürfte feststehen: ‚Papa‘ will weg. In diesem Jahr wird der griechische Innenverteidiger 30 und wenn man da noch Premier League spielen kann… Aber es könnte mehr dahinter stecken. So gehörte auch Sokratis zu den Schwarz-Gelben, die durchklingen ließen, dass sie der Busanschlag stark belastet (hat). Unstrittig ist, dass Papa keine besonders gute Saison gespielt hat. Sie war sicher nicht abgrundtief schlecht. Aber Papas Spiel ist unsauberer geworden, er selbst wehleidiger. Bei mir persönlich ist der starke Eindruck der Vorjahre aber noch nicht vergessen. Ich halte es auch für gewagt, Ömer Toprak höher einzustufen als Sokratis. Wenn Letzterer geht, sollten die Verantwortlichen auf dieser Position noch etwas tun.

Mindestens genauso spannend: Der erste richtig neue Feldspieler ist da. Marius Wolf kommt von Eintracht Frankfurt und unterschrieb einen Vertrag bis 2023. Die festgeschriebene Ablösesumme: fünf Millionen Euro. Sieht nach einem Schnäppchen aus – und schon rein äußerlich nach einem dieser Mentalitätsmonster, die wir jetzt haben wollen.

„Wolf ist sowohl auf den offensiven Außenbahnen einsetzbar, kann aber auch im Mittelfeldzentrum spielen und gegebenenfalls auch als Rechtsverteidiger einspringen“, so der „Kicker“. Kommt da der neue Kevin Großkreutz? Oder doch Rode 2.0? Jedenfalls kann Wolf nicht nur dazwischen hauen, sondern auch anders: fünf Tore und neun Assists waren es in 2017/18. Zu den gegebenen Konditionen gibt es da wenig zu überlegen, selbst wenn Marius nicht gleich Stammspieler werden sollte.

Und Nachricht Nummer 3? Die ist zwar ebenfalls noch nicht bestätigt, aber der „Kicker“ ist sich nun auch sicher, dass Edin Terzic der neue Co-Trainer beim BVB wird. Also wie vermutet. Und beim Chef hatte das Sportmagazin schließlich auch Recht.

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Buchkritik / Alina Schwermer: Wir sind der Verein

Buch Alina Schwermer: Wir sind der VereinWelchem halbwegs kritischen Fußballfan ging es in den letzten ein, zwei Jahren nicht so, dass er oder sie mal die Nase voll hatte: von Neymar, RB, Dembelé, Scheichklubs, Oligarchenklubs etc.? Wie ein Gegenmodell kommen einem da die aus den verschiedensten Gründen fangeführten Vereine vor, die es in immer mehr Ländern gibt. Ein Hoffnungsschimmer? Die Berliner Journalistin Alina Schwermer, unter anderem bei der Taz für den Berlin-Sport verantwortlich, hat im Februar ein Buch zum Thema veröffentlicht: Wir sind der Verein. Wie fangeführte Klubs den Fußball verändern wollen.

Erschienen ist es im Verlag Die Werkstatt. Der hat zweifellos schon viele lesenswerte Fußball-Bücher veröffentlicht. Was aber immer wieder zu wünschen übrig lässt, ist die Cover-Gestaltung. Ob beim jüngsten Werk von Christoph Ruf oder eben hier: Muss es denn etwas so offensichtlich schnell Zusammengeschustertes sein? Gebt doch ein paar Euro mehr für den Umschlag aus – in unserer visuellen Welt wirkt sich das mit Sicherheit auf die Verkaufszahlen aus und das Geld kommt wieder rein.

Nun aber schnell weg vom Äußerlichen, denn Wir sind der Verein ist das Lesen wert. Alina Schwermer hat neun Vereine in sechs Ländern besucht, in denen Fans mitbestimmen. Man muss das so vorsichtig sagen, weil Schwermer auch dem FC Schalke ein Kapitel widmet. Der ist natürlich kein Fanverein im eigentlichen Sinne, doch gibt es eben bei den Blauen Gremien, in denen so etwas wie Mitbestimmung in der Theorie möglich sein müsste. Wie weit die wirklich geht, damit beschäftigt sich die Autorin in diesem Abschnitt. Dennoch wird die Einbeziehung der Gelsenkirchener nicht jedem einleuchten – sie fällt aber keinesfalls negativ aus dem Rahmen.

International unterwegs

Ansonsten hat Schwermer in England den AFC Wimbledon, einen der Vorreiter für Fanvereine, sowie Telford United besucht. In Deutschland war sie bei Fortuna Köln und der HSV-Abspaltung HFC Falke, in Österreich bei der Salzburger Austria und in Israel bei Beitar Nordia. Den Rest könnt ihr nachlesen – es ist auf jeden Fall ein internationaler Eindruck, den man als Leser gewinnt. Weiterlesen „Buchkritik / Alina Schwermer: Wir sind der Verein“