Spaß mit Favre

1. Bundesliga, 5. Spieltag / BVB 7 1. FC Nürnberg 0

Wann hat Borussia Dortmund eigentlich zum letzten Mal in der Bundesliga siebenmal getroffen? Sechs Tore haben sich mir in den vielen Jahren, die ich die Schwarz-Gelben verfolge, als eine Art Schwelle eingeprägt, die wir nie überschritten haben. Oder, liebe Statistiker?

Wie konnte es also dazu kommen, dass die Borussia gegen den sehr achtbar in die Saison gestarteten Aufsteiger zu dieser seltenen Ausbeute kam? Nun, wenn man mit einer derart konservativ-defensiven, nur auf Konter lauernden Taktik im Westfalenstadion antritt, darf man sich so gut wie keinen Fehler erlauben. Zunächst klappte das bei den Gästen ja trotz Rückstand noch leidlich, man war das eine oder andere Mal auch in der Dortmunder Hälfte. Aber sie forderten den BVB im Mittelfeld zu selten, sie hatten keine gefährlichen Außen wie Hoffenheim, die Präzision war zu niedrig und die Fehlerquote zu hoch.

Gut für uns! So konnte die Borussia eine beeindruckende Leistungsschau abliefern. Und wem das zu sehr nach Business klingt: Das war super, das war elegant. Und mit Sicherheit auch Lucien Favre zu verdanken, der sich vor dem Spiel von Sky mal wieder die ewig gleichen Fragen nach Mario Götze anhören musste. Der war nicht im Kader, weil er im Moment schwächer spielt als die, die im Kader stehen. Punkt. Dass da so viele im Kader stehen, haben in erster Linie andere als der Trainer zu verantworten. Weiterlesen „Spaß mit Favre“

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Heißes Spiel und heiße Köpfe

1. Bundesliga, 4. Spieltag / TSG Hoffenheim 1 BVB 1

Hat diese Begegnung ihrem Ruf doch mal wieder alle Ehre gemacht. Guter Fußball – wenn auch nicht immer von Schwarz-Gelb, heiß umkämpft bis zum Schluss, Umstrittenes auf und neben dem Platz. Am Ende darf sich Borussia Dortmund über einen in Unterzahl errungenen Punkt natürlich etwas mehr freuen.

Bemerkenswerte Personalentscheidungen traf diesmal Lucien Favre: Der bis zu dieser Woche kaum zum Zug gekommene Shinji Kagwa stand in der Startelf, Marius Wolf spielte eine Art Mittelstürmer. Darüber dass Mario Götze nicht im Kader stand mussten sich nur einige Medien wundern. Die Schwarz-Gelben legten gut los, waren direkt im Spiel und bauten Druck auf. Allerdings nur bis zum Strafraum, dahinter ging nicht mehr viel.

Einige vorhergesagte Dinge trafen ein: die fehlende Durchschlagskraft ohne gelernten Stürmer, defensiv die Probleme auf den Flügeln. Marcel Schmelzer hatte vom Engagement her einen ganz starken Auftritt, aber er wurde auch etliche Male überspielt. Ein, zwei brauchbare Flanken und der Steilpass vor dem Ausgleich waren seine Offensivbilanz. Sagen wir es so: Es gab schon schwächere Partien von ihm. Ob uns das auf Dauer reicht, muss Lucien Favre entscheiden, am besten ganz allein.

Fehlentscheidung ins Glück

Als etwa zur Hälfte der ersten Halbzeit die Hoffenheimer ihrerseits Druck aufbauen konnten, wurde es dann ganz spärlich mit den Dortmunder Bemühungen nach vorne. Der Rückstand war schon folgerichtig, aber auch zu verhindern. Es war ja nicht nur Diallo, der per Kopf suboptimal klärte. Schon eine Aktion vorher konnten sich Witsel und Schmelzer in der Nähe des Sechzehnmeterraums nicht entscheiden, zum Ball zu gehen und den aus der Gefahrenzone zu befördern. Überhaupt war es mindestens bis zum Platzverweis gegen Diallo das schwächste Spiel von Axel Witsel in schwarz-gelb. Weiterlesen „Heißes Spiel und heiße Köpfe“

Prüfungszeit für Schwarz-Gelb

Brügge war der Höhepunkt der Favre’schen Effektivität. Oder der BVB hat schlecht gespielt und einmal gut das Bein hingehalten. Diese schwer erklärbare, aber sehr positive Fähigkeit, verzwickte bis verkorkste Spiele zu gewinnen, wird am Samstag mit Sicherheit arg auf die Probe gestellt. Es wäre also genau der richtige Zeitpunkt für spielerische Verbesserungen.

Die Schwarz-Gelben fahren zur TSG Hoffenheim, stets einer der unangenehmsten Gegner. Ja, die Truppe des künftigen Brause-Trainers zeigt in dieser Saison bisher zwei Gesichter. Niederlagen gegen Bayern (verständlich) und Düsseldorf (sehr überraschend), ein Sieg gegen Freiburg (erwartbar) und ein ehrenwerter Punkt gegen Donezk. Aber wer den in deutschen Pressekonferenzen sonst recht einsilbigen Lucien Favre heute von den Qualitäten Hoffenheims dozieren hörte, der weiß: Das wird kein Spaß und seine Analyse ist kein Understatement der eigenen Fähigkeiten. Schnell raus schiebende und gefährliche Außen, Stürmer, die den Ball festmachen können, eine Mannschaft, die das Spiel breit macht – hört sich alles nicht nach elf Freunden an, die uns nichts können.

Julian Nagelsmann fehlen ein paar Spieler, darunter Nadiem Amiri, Benjamin Hübner und Kasim Adams. Doch die TSG hat einen mit 32 Mann noch riesigeren Kader als der BVB. Bei dem steht leider noch ein Fragezeichen hinter dem Einsatz von Paco Alcacer. Gut sieht es bei Thomas Delaney aus. Dagegen fallen Toprak und Guerreiro aus.

Ein hoher Sieg wie gegen Leipzig ist am Samstag ungefähr so wahrscheinlich wie ein gemeinsamer Oktoberfestbesuch von Uli Hoeneß und Karim Bellarabi. Gut möglich, dass uns die Gastgeber über die Außen mehr weh tun werden als Brügge am Dienstag. Schon da sah man mal wieder, dass Schmelzer und Piszczek einfach nicht mehr dieses Topniveau haben, dass es als Klub mit internationalen Ansprüchen braucht. Trotz Schmelles starker Rettungsaktion. Ganz entscheidend wird für den BVB sein, den oder die Stürmer wieder besser ins Spiel einzubinden. Wenn einer davon Alcacer hieße, wäre ein Punktgewinn um einiges wahrscheinlicher.

Borussia kompakt: 3:1 gegen den Pokalsieger

Borussia Dortmund gibt sich zu Hause keine Blöße und hat auch das zweite Heimspiel der Saison gewonnen. Es war zugleich das letzte Freitagabendspiel für die nähere Zukunft. Ich werde mich also zum vorerst letzten Mal kurz halten, weil ich das Spiel nur in der Zusammenfassung gesehen habe.

3:1 gegen den Pokalsieger. Da kann man nicht meckern. Aber natürlich wird der Erfolg durch den Aderlass und den mäßigen Saisonstart relativiert, den Eintracht Frankfurt zu verkraften hatte. Außerdem durch die spielerische Armut, die laut Sky oder Kicker lange vorherrschte. Sehen wir es positiv, so zeigte sich mal wieder die Effektivität von Favre-Teams.

Die Aufstellungen von Lucien Favre finde ich bisher mutig, konsequent und nachvollziehbar – mit einem kleinen Fragezeichen hinter Mo Dahoud. Der Startelfeinsatz von Jacob Bruun Larsen war ein wichtiges Zeichen an den Riesenkader, dass man es mit starken Leistungen auch unter die ersten 18 und weiter schaffen kann. Larsen zerlegte nun nicht gerade die Eintracht, schlug aber immerhin die Ecke, die Abdou Diallo zum 1:0 verwerten konnte. Favre gab auch Marius Wolf erneut eine Chance und der traf gegen seinen vorherigen Klub zum 2:1.

Die Hereinnahmen von Jadon Sancho und Paco Alcacer waren zu erwarten, aber nichtsdestotrotz goldrichtig. Das erste Tor im ersten Pflichtspiel für den Neuzugang aus Barcelona sollte ihm gleich den nötigen Schub für die nächsten Aufgaben geben. Gut möglich, dass Paco schon in Brügge in der Startelf steht.

Auch wenn Lucien Favre natürlich in den nächsten Wochen und Monaten rotieren lassen wird: Im Spieltagskader war kein Platz für Shinji Kagawa oder Julian Weigl. Sowie eine Reihe anderer Spieler. Während jene Schwarz-Gelbe, die immer oder häufig spielen, im Erfolgsfall wirklich zu einer neuen Einheit zusammenwachsen könnten, werden die, die selten oder nie im Kader stehen, nicht zufrieden sein. Dass sie alle trotzdem immer alles geben und gute Schwingungen aussenden, ist illusorisch. Das schwebt bei aller Freude über den gelungenen Saisonstart auch über Dortmund.

Zweiter Abschied von Sahin, erstes 0:0 in Hannover

Kurz vor Schließung des Transferfensters hat Borussia Dortmund noch einen Spieler abgegeben. Nur einen, was die Kadergröße auf immer noch stolze 29 Mann verringert. Weitere Abgänge sind ohne Vertragsauflösung nur noch ein paar Tage in Länder wie Tschechien, die Slowakei, Bulgarien oder ganz exotische Ziele wie Kongo und Curacao möglich. Halten wir also fest, dass es die BVB-Verantwortlichen erneut nicht geschafft haben, eine vernünftige Kadergröße zu erreichen.

Gegangen ist Nuri Sahin. Ausgerechnet Nuri Sahin, der Mann aus der eigenen Jugend und Held vieler Geschichten. Er wechselte zu Werder Bremen, für eine eher nominelle Ablöse von angeblich rund einer Million Euro, und unterschrieb einen Zweijahresvertrag. Von vielen traditionsbewussten BVB-Fans wird er vermisst werden. Es gab emotionale Abschiedsworte von beiden Seiten, von Nuri wie von Susi Zorc und Aki Watzke. Die Sätze sind passend und glaubwürdig.

Trotzdem sehe ich es etwas weniger sentimental. Nuri Sahin hat sich schon einmal von Schwarz-Gelb verabschiedet, um sein Glück bei Real Madrid zu versuchen. Hätte das funktioniert, wäre er heute wohl noch nicht zurück. Vielleicht wäre er mit 32 zum Karriereausklang mal zurückgekehrt. Es kommt hinzu, dass Nuri nie für längere Phasen an seine alte Stärke vor dem Wechsel anknüpfen konnte. Für mich ist der erneute Weggang also sportlich und emotional verkraftbar. Jemand wie Marco Reus verkörpert heute für mich glaubwürdiger einen ‚echten schwarz-gelben Jungen‘. Und natürlich hoffe ich, dass aus unserer Jugendakademie mal wieder jemand zu den Profis durchkommt.

Dann war da noch ein Freitagabendspiel, dessen bemerkenswertester Fakt der war, dass es erstmals in Hannover ein torloses Unentschieden für den BVB gab. Auch, aber nicht nur wegen der Übertragungssituation schaue ich mir die Freitagsspiele nur noch selten an. Die Sky-Zusammenfassung und die Presseberichte ergeben das Bild, das die schwarz-gelbe Defensive viel richtig machte und/oder kaum gefährdet war. In der Offensive standen zwei Alu-Treffer zu Buche und sonst wenig Brauchbares. Mehr Fürth als Leipzig also. Es scheint so, als ob noch viel Arbeit und Paco Alcacer nötig sind, um die Borussia richtig in Fahrt zu bringen.