Heißes Spiel und heiße Köpfe

1. Bundesliga, 4. Spieltag / TSG Hoffenheim 1 BVB 1

Hat diese Begegnung ihrem Ruf doch mal wieder alle Ehre gemacht. Guter Fußball – wenn auch nicht immer von Schwarz-Gelb, heiß umkämpft bis zum Schluss, Umstrittenes auf und neben dem Platz. Am Ende darf sich Borussia Dortmund über einen in Unterzahl errungenen Punkt natürlich etwas mehr freuen.

Bemerkenswerte Personalentscheidungen traf diesmal Lucien Favre: Der bis zu dieser Woche kaum zum Zug gekommene Shinji Kagwa stand in der Startelf, Marius Wolf spielte eine Art Mittelstürmer. Darüber dass Mario Götze nicht im Kader stand mussten sich nur einige Medien wundern. Die Schwarz-Gelben legten gut los, waren direkt im Spiel und bauten Druck auf. Allerdings nur bis zum Strafraum, dahinter ging nicht mehr viel.

Einige vorhergesagte Dinge trafen ein: die fehlende Durchschlagskraft ohne gelernten Stürmer, defensiv die Probleme auf den Flügeln. Marcel Schmelzer hatte vom Engagement her einen ganz starken Auftritt, aber er wurde auch etliche Male überspielt. Ein, zwei brauchbare Flanken und der Steilpass vor dem Ausgleich waren seine Offensivbilanz. Sagen wir es so: Es gab schon schwächere Partien von ihm. Ob uns das auf Dauer reicht, muss Lucien Favre entscheiden, am besten ganz allein.

Fehlentscheidung ins Glück

Als etwa zur Hälfte der ersten Halbzeit die Hoffenheimer ihrerseits Druck aufbauen konnten, wurde es dann ganz spärlich mit den Dortmunder Bemühungen nach vorne. Der Rückstand war schon folgerichtig, aber auch zu verhindern. Es war ja nicht nur Diallo, der per Kopf suboptimal klärte. Schon eine Aktion vorher konnten sich Witsel und Schmelzer in der Nähe des Sechzehnmeterraums nicht entscheiden, zum Ball zu gehen und den aus der Gefahrenzone zu befördern. Überhaupt war es mindestens bis zum Platzverweis gegen Diallo das schwächste Spiel von Axel Witsel in schwarz-gelb.

Womit wir schon beim ersten Aufreger wären. Nachdem der BVB sich nach schwachen Anfangsminuten besser in die zweite Hälfte hinein fand und dank eines Videobeweises weiter nur mit 0:1 hinten lag, soll Abdou Diallo in der 76. Minute gegen Krmaric die Notbremse gezogen haben. So sah es Schiedsrichter Harm Osmers. Wir Fernsehzuschauer sahen das in Laufduellen übliche Gehakel mit den Armen; am Ende hält Diallo ein wenig länger als Krmaric. Man sah aber mit bloßem Auge, dass zu diesem Zeitpunkt der Ball schon fast beim starken Roman Bürki war. Wenn also überhaupt Foul, dann kaum rotwürdig. Doch hier wollte der Videoschiedsrichter Osmers offensichtlich nicht überstimmen.

Was der BVB aber in dieser Saison wieder hat ist Moral. Es war also gar nicht so überraschend, dass die Schwarz-Gelben jetzt noch mal alles versuchten und die Partie tatsächlich noch mal in den Griff bekamen. Das wurde zum Glück belohnt und zwar mit weniger Glück als in Brügge. Schmelzer, Reus-Pass nach innen, Pulisic diesmal mit eigener Kraft am richtigen Ort. 1:1. Es folgte eine offene Schlussphase, wobei die letzte dicke Chance den Gastgebern gehörte – Belfodil zielte hier aus zwei Metern über das leere Tor.

Einfallslose Ultras

Ein Auswärtspunkt, mit dem man nach diesem Spielverlauf gut leben kann. Aber wir müssen noch über das Geschehen auf den Rängen reden. Nachdem vor einigen Tagen bekanntgeworden war, dass sich Dietmar Hopp auf Anfrage der Polizei zu einer Anzeige gegen rund 30 BVB-Fans entschlossen hatte, die ihn beleidigt haben sollen, gab es von den Gästefans heute eine deftige Reaktion. Das berühmte „Hasta la vista, Hopp“-Plakat im Großformat, den Ausdruck mit -sohn am Ende, andere Banner.

Aber wem soll das in dieser Form etwas bringen? Natürlich müssen wir Fans die Frage stellen, was man im Stadion eigentlich noch sagen darf. Aber man hätte das mit viel intelligenteren Bannern machen können, mit mehr Ironie und weniger Beleidigungen. Was wäre etwa gewesen, wenn alle BVB-Fans das Hopp-Gesicht vom Plakat als Maske getragen hätten, natürlich ohne Fadenkreuz? Aber nein, es muss dann wieder so ein Auge-um-Auge, Zahn-um-Zahn-Mackertum sein. Und wieder hat man sich und dem Verein ein Eigentor geschossen.

Der Mannschaft zuzugucken macht allerdings trotz aller Unzulänglichkeiten gerade wieder Spaß und ist auf jeden Fall spannender als beim FC Bayern. Am Mittwoch gegen Nürnberg, einen Verein, den ich persönlich gerne wieder in der 1. Bundesliga sehe.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Akanji, Diallo, Schmelzer – Witsel, Dahoud (60. Delaney) – Pulisic, Kagawa (70. Philipp), Reus – Wolf (60. Sancho). Gelbe Karte: Dahoud. Roter Karte: Diallo. Tor: Pulisic

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