Sternstunde im Mittelmaß

Ein Unentschieden wie ein Sieg, ein Unentschieden, das Standards setzt: So wurde im Umfeld von Shrewsbury Town das 1:1 vom Samstag aus der Ligapartie in Sunderland bewertet. Beim gefallenen Riesen aus dem Norden, der noch vor zwei Jahren in der Premier League spielte und selbst in der League One stets über 30.000 Leute ins Stadium of Light lockt.

Für die Gäste aus der 71.000-Einwohner-Stadt in der eher ländlichen Grafschaft Shropshire war das 1:1 ein Ausrufezeichen, ein Weckruf aus dem Mittelmaß. Am Ende der letzten Saison stand Shrewsbury Town überaus überraschend im Play-Off-Finale um den Aufstieg in die zweitklassige Championship – und blieb erfolglos. 2018/19 läuft es nach großen personellen Umwälzungen eher mäßig. Vor geraumer Zeit wurde John Askey entlassen; der neue Mann auf der Trainerbank hatte nicht an die Leistungen unter Vorgänger Paul Hurst anknüpfen können und zudem stets blass und distanziert gewirkt.

Es folgte eine positive Übergangsphase mit dem eigentlichen Torwarttrainer Danny Coyne in der Verantwortung und dem damaligen Leiter der Jugendakademie Eric Ramsay als Assistenten. Inzwischen sind beide Coaches der ersten Mannschaft. Den neuen Cheftrainer haben die Vereinsverantwortlichen erneut aus dem unterklassigen Fußball geholt: aus der semi-professionellen fünftklassigen National League, vom walisischen Verein AFC Wrexham. Dort hatte Sam Ricketts zu Saisonbeginn gerade seine erste Station als Cheftrainer angetreten. Mit Erfolg: Er führte die ‚Red Dragons‘ in die Play-Off-Ränge. Doch schafft es ein 37-jähriger Beinahe-Trainerneuling auch zwei Ligen höher?

Erfahrung als Spieler, nicht als Trainer

Ricketts verwies bei seiner Vorstellung in Shrewsbury auf seine Erfahrung als Spieler. Mit Hull City und den Bolton Wanderers spielte er in der Premier League, für Wales lief er 52-mal in Länderspielen auf. Die Fans der ‚Shrews‘ waren geteilter Meinung über die Verpflichtung. Einerseits besaß Sam Ricketts wie Vorgänger Askey keine Erfahrung als Trainer eines Profivereins. Andererseits konnte er sich deutlich besser darstellen, war von Beginn an offener und zugänglicher. Die mutmaßliche Mehrzahl der Anhänger war daher offen dafür, Ricketts eine Chance zu geben.

Für ein endgültiges Urteil ist es einen knappen Monat nach seinem Amtsantritt zu früh. Siege gab es unter Ricketts bisher zwei: einen in der eher unbedeutenden FA Trophy, einen in der Liga gegen Coventry City. Außerdem stehen zwei Niederlagen und zwei Unentschieden zu Buche. Das zweite davon soll nun das endgültige Signal für den Aufbruch sein. Bei den für die Liga zumindest auf dem Papier überqualifizierten Black Cats muss man erst mal einen Punkt holen, der außerdem keinesfalls unverdient war. Abwehrmann Luke Waterfall hatte die Shrews sogar per Kopf in Führung gebracht, ehe Josh Maja, einer der Topstürmer der League One, für Sunderland den Ausgleich köpfte.

Die Hoffnungen, zumindest einen sicheren Mittelfeldplatz zu erreichen, gründen sich auch auf mögliche Veränderungen während der Transferphase. In der will Sam Ricketts den Kader nicht nur verstärken, sondern nach Möglichkeit auch trimmen. Qualität vor Quantität eben. Der Mannschaftsgeist scheint in den meisten Partien schon zu stimmen. Die nächste Chance, das Tabellenbild zu verbessern, gibt es in der winterpausenlosen englischen Liga schon an Neujahr, zu Hause gegen Fleetwood Town. Nach dem verlorenen Hinspiel hatte sich John Askey noch über den stürmischen Wind beklagt.

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