Form + Personal = 0:5

1. Bundesliga, 28. Spieltag / Bayern München 5 BVB 0

Und das Imperium schlägt mal wieder zurück: Bayern München gewinnt auch in der Höhe verdient gegen einen desolaten BVB, kombiniert sich fröhlich und ungestört zu einem 5:0. Immerhin für Schwarz-Gelb ergebnistechnisch ein Fortschritt gegenüber der Vorsaison. Spielerisch war es mindestens genauso schrecklich.

Die seit letztem Samstag und dem folgenden seltsamen Pokalauftritt der Bayern moderat gestiegene Zuversicht vor dem Spitzenspiel war zwar schon am Freitag der Ernüchterung gewichen: Paco Alcacer und Raphael Guerreiro, sicherlich zwei Hoffnungsträger für die schwere Aufgabe, mussten verletzt zu Hause bleiben. Doch das heute hätte man trotz allem so nicht (noch mal) erwartet.

Die einzige Phase, in der sich die Schwarz-Gelben engagiert und angriffslustig präsentierten, waren die fünf Sekunden nach Anpfiff. Unheimlich schnell gewannen die Gastgeber die Oberhand und dominierten die Partie. Es gab nach wenigen Minuten eine Großchance für den BVB, bis dahin die beste Szene von beiden Seiten: Reus hatte den Ball von links quergelegt und Mo Dahoud traf mit einem flachen Schuss den Pfosten – Manuel Neuer wäre ohne Chance gewesen. Man sollte seine Chancen gegen die Bayern besser nutzen – aber niemand ahnte zu diesem Zeitpunkt, dass es so einseitig werden würde.

Diskussion um die Aufstellung

Dahoud anstelle von Götze war sicher eine Überraschung in der Aufstellung von Lucien Favre. Der Gedanke des Trainers war wohl, der größeren Spritzigkeit von Mo den Vorzug zu geben. Die Überhöhung Götzes vor allem in manchen Medien habe ich nie geteilt, deshalb bin ich auch nicht sicher, dass dieser Schachzug ein Fehler war. Schon schwieriger zu verteidigen ist die Tatsache, dass Favre auf beiden Außenverteidigerpositionen gerade nach kurzer oder langer Verletzungspause wieder genesene Spieler einsetzte. Vor allem Lukasz Piszczek hatte auf rechts Schwierigkeiten. Man hätte sich auch Schmelzer auf links und Diallo oder Wolf auf rechts vorstellen können – Letzterer mit der Order, nicht zu weit nach vorne zu rücken.

Diese Diskussionen fühlen sich aber ein bisschen überflüssig an, wenn alle anderen Spieler mit Ausnahme von Roman Bürki auch nicht besser spielen. Es wirkte heute tatsächlich von fast vorne bis hinten lethargisch, die Borussen kamen meistens einen Schritt zu spät und früh fehlte dann auch der Glaube. Klar, ein Halbzeitstand von 0:4 ist nicht leicht zu verdauen, aber selbst gegen sich zurücknehmende Bayern danach so wenig zu zeigen, ist halt einfach schlecht. Die Gastgeber wirkten dagegen unglaublich professionell, aggressiv und eine Qualitätsstufe besser.

Borussia nicht im Trend

Es war unglücklich, dass der BVB auf Paco, Guerreiro und Hakimi verzichten musste, die alle für Offensivdrang stehen, während die Bayern gänzlich ohne Verletzungssorgen ins Topspiel gehen konnten. Trotzdem darf deswegen natürlich nicht so ein Spiel herauskommen. Eine Niederlage hätte sicher niemand überrascht. Auch die Siege der Borussia waren zuletzt ja nicht wirklich überzeugend gewesen. Sehr späte drei Punkte gegen Wolfsburg, keine Glanzleistung auch gegen den VfB, der auf dem Relegationsplatz steht und einen ehemaligen Schalker Trainer auf der Bank sitzen hat.

Alles vorbei? Das wollte heute zum Glück niemand so sagen. Es wäre mit Blick auf die Tabelle ja auch totaler Quatsch. Beide Klubs haben noch Spiele, in denen man stolpern kann. Schon am nächsten Samstag könnte die Borussia wieder vorübergehend an der Tabellenspitze stehen. Aber die Qualität, die die beiden Mannschaften zurzeit aufrufen, spricht eindeutig für die Bayern. Selbst wenn Paco Alcacer gegen Mainz wieder dabei sein sollte.

Irgendwie wäre es ja noch cooler, nach so einer Klatsche in München am Ende doch ganz oben zu stehen. Aber es spricht im Moment eben so gut wie nichts dafür. Außer dem Support der Fans, der auch in den schweren Zeiten dieser Partie hörbar war. Sechs Spiele sind es noch und die sind wohl nach wie vor die auf absehbare Zeit beste Chance für den BVB, Meister zu werden.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek (69. Wolf), Akanji, Zagadou (46. Weigl), Diallo – Witsel, Dahoud (62. Götze), Delaney – Sancho, Bruun Larsen – Reus. Gelbe Karten: Zagadou, Delaney

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s