Eine Hälfte mit Herz

1. Bundesliga, 29. Spieltag / SC Paderborn 1 BVB 6

Einer eher inspirationslosen ersten Halbzeit, die aber laut Lucien Favre immerhin den Gegner müde machte, ließ Borussia Dortmund in Paderborn eine Galavorstellung mit sechs Treffern folgen. Fünf Tage zu spät einerseits – aber trotzdem ein Zeichen gegen die Zweifel.

Wieder ein Spiel der zwei Hälften

Einer der Hauptvorwürfe, den man Lucien Favres Borussia trotz Platz 2 machen könnte, ist der der mangelnden Konstanz über 90 Minuten. Ja, auch ein FC Bayern nimmt sich Auszeiten, aber die sind meistens weniger deutlich erkennbar und weniger gravierend als die der Schwarz-Gelben. Gestern hatte das lustlos wirkende Gekicke der ersten Hälfte gegen den limitierten Tabellenletzten keine negativen Konsequenzen. Und der Mannschaft den Willen absprechen – ein heutzutage schnell gemachter Vorwurf – möchte ich auch gar nicht. Irgendwie schafften es die Gastgeber aber, die Vorwärtsverteidigung des FC Bayern zumindest phasenweise so zu kopieren, dass den Schwarz-Gelben nicht viel mehr einfiel als gegen den Rekordmeister.

Sprung in Halbzeit 2 und nach einer ersten guten Szene der Paderborner schlug der BVB schnell zu. Innerhalb von gut drei Minuten stand es 2:0 durch Hazard und Sancho. Die Gäste hatten das unbedingte Durchspielen zugunsten von längeren Pässen und Läufen aufgegeben. Und vielleicht klappte das tatsächlich deswegen, weil dem SCP zunehmend die Konzentration fehlte, dessen Spieler weniger reaktionsschnell wirkten. Es half den Gastgebern auch nichts, dass Schiedsrichter Siebert Handelfmeter gab, als der Ball Emre Can an den weitgehend angelegten Arm sprang. Ein Witz zumindest im Vergleich mit der Boateng-Szene im Bayern-Spiel. Das Tor durch Ex-Borusse Hünemeier konterte Sancho nur zwei Minuten später.

Die schönsten Schlussminuten seit Langem

Drei Tore in den letzten fünf Minuten plus Nachspielzeit – das hat man nicht so oft. Als besonderer Bonus war der in der 80. Minute eingewechselte Marcel Schmelzer an zwei von ihnen beteiligt: erst mit einer starken Vorarbeit für Hakimi, dann mit einem eigenen Treffer. Schmelle wird den BVB bekanntlich nach langer Zeit zum Saisonende verlassen. Obwohl ich das nicht grundsätzlich falsch finde, gönne ich ihm Momente wie gestern natürlich von Herzen.

Ziemlich sicher gehen wird auch Achraf Hakimi. Real Madrid ruft wieder. Ersetzen könnte ihn unser Talent vom FC Barcelona, der allerdings fest verpflichtete Mateu Morey. Er kam in der 87. Minute für Hakimi und spielte so frisch auf, dass man sich fragte, warum er erst jetzt von Favre seine Chance bekam. Das 6:1 durch Sancho bereitete Mateu auch noch vor. Ja, das war gegen ein zu jenem Zeitpunkt sicherlich demoralisiertes Team. Aber seine Ansätze sind so deutlich zu erkennen, dass Favre ihn zumindest für nächste Saison auf der Rechnung haben sollte – auch wenn Piszczek gerade verlängert hat. Ähnlich wie bei Hakimi stellt sich nur die Frage nach Moreys defensiven Qualitäten.

Jadon Sancho und Achraf Hakimi zeigten nach ihren Toren Haltung und forderten auf den Unterhemden „Justice for George Floyd“. Das passt gut zum nun auch spielerisch wieder starken Auftritt von Sancho, der seinen ersten Hattrick schaffte. Bleibt das Fazit, dass wir zwar höchstwahrscheinlich keinen spannenden Meisterschaftskampf mehr sehen werden, aber durchaus noch auf schönen Fußball hoffen können. Der BVB hat Platz 2 und die Champions League weiterhin im Visier. Mal abgesehen vom weniger schönen großen Ganzen ist das schon mal was.

Die Mannschaft: Bürki – Piszczek, Hummels, Akanji – Hakimi (87. Morey), Can (87. Balerdi), Delaney (68. Witsel), Guerreiro (80. Schmelzer), Brandt (80. Reyna) – Sancho, Hazard. Gelbe Karten: Sancho, Can, Hummels. Tore: Hazard, Sancho (3), Hakimi, Schmelzer

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