Dortmund zeigt das zweite Gesicht

Champions League, 1. Spieltag / Lazio 3 BVB 1

Ärgerlich erwartbar sind inzwischen die Auftritte von Borussia Dortmund, bei denen die Mannschaft so viel vermissen lässt, dass eine „Mund abputzen, weitermachen“-Haltung schwer fällt. So wird der passable Saisonstart schon wieder durch den blutleeren Auftritt im Stadio Olimpico überschattet – den man mit erschwerten Bedingungen nur ein bisschen entschuldigen kann.

Schwarz-Gelb mit Löcherkette

Lucien Favre blieb trotz akutem Innenverteidiger-Mangel bei einer Dreierkette von zentralen Abwehrspielern. Mats Hummels wurde von Lukasz Piszczek und Thomas Delaney unterstützt und war gestern nicht zu beneiden. Die Diskussion um Dreier-/Fünferkette vs Viererkette wird in Dortmund ja schon eine Weile geführt. Favre galt bisher als Verfechter letzterer Variante, lässt den BVB aber schon seit geraumer Zeit mit drei Innenverteidigern auflaufen. In Rom änderte er dies nach 65 Minuten, um mit Julian Brandt für Piszczek mehr Offensivschwung reinzubringen – der Rest des Spiels endete 1:1.

Bleibt die Frage, ob nicht zwei Innenverteidiger in einer Viererkette von Beginn an mehr Sinn gemacht hätten – angesichts von gefühlt zahllosen Lazio-Pässen durch die Abwehrreihe vor allem in der ersten Halbzeit. Die Antwort ist etwas für versiertere Taktiker. Tatsache ist aber, dass Piszczek und Delaney ihre Probleme hatten – der Däne kompensierte das immerhin in ein paar Szenen mit Härte.

Keine Lichtblicke

Unisono sprachen nach der Partie Trainer, Kapitän und Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspieler-Abteilung, davon, dass das Team bzw. zu viele Spieler nicht die nötige Leistung gebracht hätten. Mit der prekären Abwehrsituation lässt sich der Auftritt mitnichten erklären – das gestehen immerhin alle ein. Für die Probleme hinten sind natürlich auch die vielen Fehlpässe weiter vorne verantwortlich. Zunächst spielten die schwarz-gelben Jungs im vorderen Drittel einfach zu ungenau und schlampig, vielleicht überhastet. Später, als Lazio abwartend agierte, fehlte dann auch noch der Mut zur Kreativität.

Nur vom Kollektivversagen zu sprechen, ist natürlich nicht gerade analytisch. Man hätte sich beispielsweise gewünscht, dass das zentrale Mittelfeld mehr Bälle festmachen und nach vorne mehr Impulse geben kann. Der junge Jude Bellingham wurde zur Pause nicht zu Unrecht ausgewechselt. Noch mehr muss man aber Axel Witsel in die Pflicht nehmen, der eine Leistung zeigte, wie sie ihm schon in der letzten Spielzeit zu häufig passierte: zu oft Fußgänger-Tempo, zu viele Querpässe, kaum Kreatives und wenig Zugriff bei Gegenangriffen. Oder Julian Brandt: Der kam wie schon erwähnt für Piszczek rein und im Anschluss hatte der BVB seine wenigen besten Minuten. Auch wegen Brandts Wuseligkeit – doch schon bald fielen wieder vor allem dessen Fehlpässe auf.

Wie sind die Perspektiven?

In den sozialen Medien machen sich einige Fans schon Sorgen um das Derby am Samstagabend. Das wird mMn der Verfassung der Mannschaft auch nicht gerecht. Die ist ja nicht per se katastrophal. Am Wochenende könnten Manuel Akanji und auf jeden Fall Emre Can in die Defensive zurückkehren. Gerade ein mental starker Spieler wie Can fehlte in Rom. Zurückgekommen ist dieses Team schon häufig, was die regelmäßigen Aussetzer trotzdem nicht ganz entschuldigen kann.

Die Verfassung des FC Schalke muss deren Verantwortlichen nach wie vor mehr Sorgen machen. Für den BVB sollten mit einem Mindestmaß an Einsatz drei Punkte drin sein. Wenn es nicht stylish und deutlich wird – geschenkt. Sollte es tatsächlich nicht reichen, wäre die Diskussion akut, die Stand jetzt früher oder später ohnehin geführt werden muss: Ob Lucien Favre es irgendwann schaffen wird, unerklärlich schwache Auftritte wie bei Lazio zu minimieren.

Die Mannschaft: Hitz – Piszczek (65. Brandt), Hummels, Delaney – Meunier, Bellingham (46. Reyna), Witsel, Guerreiro – Sancho, Reus (78. Reinier) – Haaland. Gelbe Karte: Reyna. Tor: Haaland

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