Und schon wieder Derbysieger

1. Bundesliga, 5. Spieltag / BVB 3 FC Schalke 0

Zeit für eine neue Serie: Mit dem überzeugenden zweiten Derbysieg in Folge erwecken die schwarz-gelben Jungs Hoffnung auf ein Ende der bescheidenen Auftritte gegen die Nachbarn aus Gelsenkirchen. Die Kräfteverhältnisse waren am Samstagabend noch eindeutiger als das Chancenverhältnis.

Gegner ohne Überraschungsmoment

Mats Hummels gab nach dem Derbysieg – und seinem ersten Derbytor – gegenüber Sky eine interessante Antwort auf die (sinngemäße) Frage, wie die immer wieder auftretenden Aussetzer-Spiele des BVB zu erklären seien. Man habe darüber intern schon öfter diskutiert und er glaube, einen Teil der Antwort zu kennen, sagte der Vize-Kapitän in dem Interview, das wie üblich qualitativ um Längen besser war als 98 Prozent der TV-Gespräche mit anderen Spielern. Ohne ins Detail zu gehen erweckt die Aussage immerhin die Hoffnung, dass man dem Mysterium auf der Spur ist.

Wie wäre das Derby wohl ausgegangen, wenn die Borussia unter der Woche in Rom gewonnen hätte? Braucht es immer erst einen schockierenden Rückschlag, um in die Nähe der vollen Leistungsfähigkeit zu kommen? Der Gegner Schalke taugte nicht als Beweis für diese vielleicht naheliegende, aber doch etwas oberflächliche Theorie. Die Blauen hätte man am Samstag in beiden Konstellationen und auch nach einem Unentschieden zuvor geschlagen. Ihre Akteure räumten es nach der Partie freimütig ein: Die Gäste wussten nichts mit dem Ball anzufangen und verloren ihn meistens sehr schnell wieder.

Vielleicht kann man die in diesem Spiel ausgebliebene Problematik der Schwarz-Gelben so zusammenfassen: Wenn die Mannschaft von einem Gegner überrascht wird – durch ein frühes Tor, eine besondere Spielweise oder einfach unerwartet hohe Qualität – wird sie nervös und reaktiv; die eigene Qualität bringt sie nicht mehr auf den Platz. All das war im Derby nicht der Fall, denn die Blauen spielten so schwach und uninspiriert, wie man sie erwartet hatte.

Viererkette kein Problem

Logisch ist demnach auch, dass eine zuletzt selten im Wettkampf eingeübte Abwehrformation funktionierte: die Viererkette. Nach Manuel Akanji wurde zuletzt auch Emre Can positiv auf Covid-19 getestet, so dass trotz der Rückkehr des Schweizers ein echter Innenverteidiger für die Dreierkette gefehlt hätte. Lucien Favre entschied sich für ein Duo Hummels-Akanji, dem außen Thomas Meunier und Rafa Guerreiro assistierten. Entscheidend für den Erfolg einer Viererkette ist, dass neben zwei starken Innenverteidigern auch die Außenverteidiger ihren Defensivaufgaben gewachsen sind. Gegen die Blauen traf das zu.

Nur gegen die Blauen? Trotz deren besonders fragilen Zustands sollte eine Viererkette für den BVB zumindest dann eine Option sein, wenn nur zwei Innenverteidiger zur Verfügung stehen. Denn auf kompetente Hilfe aus dem Mittelfeld kann man sich bei den Schwarz-Gelben nun auch nicht immer verlassen.

Geduld und Standards

An der Viererkette mag es mit gelegen haben, dass die Borussia über die Außen wenig Gefahr entwickelte. Wagemutiges war von Meunier und Guerreiro zunächst nicht zu sehen. Die Balance zwischen Defensive und Offensive auf den Außenpositionen ist ein Punkt, an der Trainerteam und Spieler noch arbeiten müssen. Die Partie wurde angesichts der großen Überlegenheit der Schwarz-Gelben zum Wartespiel.

Als ausgerechnet Rückkehrer Akanji endlich zum 1:0 traf, war klar, dass es dabei nicht bleiben würde. Der BVB kam mit Stil – Haaland überlobbte Torwart Rönnow – und einem weiteren Standard – Hummels per Kopf nach Guerreiros Ecke – zum Endstand. Zwei Ecken mit Torerfolg: Der Variantenreichtum dabei darf gerne bleiben. 7:0 Tore und sechs Punkte aus den letzten beiden Derbys – auch das kann so weitergehen. Und die Jungs dürfen dann gerne auch mit Zuversicht ins Auswärtsspiel gehen, wenn es so weit ist.

Für die nächste Aufgabe am Mittwoch in der Champions League, zu Hause gegen Zenit St. Petersburg, hilft der Derbysieg wohl nur bedingt weiter. Da wäre es wirklich wichtig, dass der BVB auf alles oder zumindest möglichst viel gefasst ist.

Die Aufstellung: Bürki – Meunier (80. Morey), Akanji, Hummels, Guerreiro – Dahoud (71. Witsel), Delaney – Sancho (77. Hazard), Brandt (77. Reus), Reyna (71. Passlack) – Haaland. Tore: Akanji, Haaland, Hummels

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