Tut zu viel Lob Dortmund nicht gut?

1. Bundesliga, 9. Spieltag / BVB 1 1. FC Köln 2

Oder ist das auch nur ein rein spekulativer Erklärungsversuch für etwas schwer Erklärbares? Erneut hat Borussia Dortmund gegen einen Verein aus der unteren Tabellenregion Punkte liegen lassen, sogar gleich drei zu Hause. Und das, wo das Team doch gerade für seine neu gewonnene Stabilität gelobt worden war.

Lob für den Gegner

Credit where credit’s due: Der Effzeh trat in Dortmund auf, wie man es als Abstiegskandidat machen muss. Kompakt aus einer starken Abwehr heraus, so dass vor allem zentral kaum ein Durchkommen war. Und effektiv, sobald sich Chancen boten, wie bei den zwei Ecken, die zu den Toren führten. Zwar hatten die Schwarz-Gelben viel mehr Torschüsse zu verzeichnen, aber aufs Tor kamen bei den Roten genauso viele – fünf. Natürlich hatte der BVB auch mehr Großchancen – da muss man nur an die Nachspielzeit und Haalands fast Hundertprozentige denken – aber das Glück des Tüchtigen gehört in so einer Partie für den „Kleinen“ eben dazu.

Der Borussia fehlte gestern nicht nur die Effektivität. Offensichtlich war, dass die Deckung vor den beiden Gegentoren nicht funktionierte. Eine Frage der Aufmerksamkeit, wobei nicht klar zu sehen war, wem Doppel-Torschütze Ellyes Skhiri jeweils entwischte. Und natürlich hätte man im Idealfall auch schon die Kopfball-Verlängerungen verhindern können.

Das bedingte Leistungsprinzip

Man darf Lucien Favre für eine in dieser Saison bisher weitgehend erfolgreiche Rotation loben. Einige Personalentscheidungen sind aber auch zwiespältig. Dazu gehört die große Treue des Trainers gegenüber Axel Witsel und Thomas Meunier. Man kann sich auf Vereinsseite noch so überzeugt von ihnen zeigen – schaut man sich die Spiele an, ist meist nicht ersichtlich, warum sie so unverzichtbar sein sollen. Das war auch gestern wieder so. Von Witsel fehlten wieder mal Ideen und öffnende Pässe – sein Nebenmann Emre Can nahm die Sache wenigstens manchmal selbst in die Hand. Und Meunier? Durchwachsen wie meistens. Nur ein, zwei starke defensive Szenen bleiben in Erinnerung.

Meunier war somit Teil des Problems, das Sky-Kommentator Lindemann schon während des Spiels ansprach: Der BVB ließ sich von Köln nach außen drängen und war dort komplett ineffektiv. Von 13 Flanken brachten die Schwarz-Gelben keine einzige an den Mann. Jadon Sancho hatte über links keinen guten Tag, wollte zu oft mit dem Kopf durch die Wand, aber ihm fehlte in Raffael Guerreiro auch ein kongenialer Partner. Bei allem Zuckerguss auf der Geschichte von Felix Passlack: Der Linksverteidiger rannte sich ein ums andere Mal fest, überdribbelte keinen einzigen Gegenspieler und schlug eine Flanke, die – siehe oben – nicht ankam.

Gestern saßen etwa mit Mateu Morey, Jude Bellingham und Thomas Delaney Alternativen auf der Bank, die eigentlich nicht überspielt sein dürften. Letzterer war immerhin in Berlin verletzungsbedingt nicht dabei, ansonsten könnte man seinen Bankplatz zugunsten von Witsel noch weniger verstehen.

Julian Brandt ist weiterhin zu unkonstant, Manuel Akanji hatte nach einer Reihe souveräner Auftritte mal wieder einen schwächeren Tag – es blieben einfach zu viele Spieler über Par. Liegt das an den fehlenden Prozent Wachheit und Engagement gegen einen unterschätzten Gegner? Wir müssen uns wohl damit abfinden, dass nicht alles bei diesem BVB komplett erklärbar ist. Und dass Erling Haaland auch gegen schwächere Teams mal einen gebrauchten Tag haben kann.

Die Aufstellung: Bürki – Meunier (61. Hazard), Akanji, Hummels, Passlack (68. Reyna) – Can, Witsel – Brandt (67. Moukoko), Reus, Sancho – Haaland. Gelbe Karte: Can. Tor: Hazard

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