Das verflixte 13. Spiel

1. Bundesliga, 18. Spieltag / Mönchengladbach 4 BVB 2

Zwölfmal hatte Borussia Dortmund gegen die andere Borussia zuvor gewonnen, doch 2020/21 kann man sich auf nichts mehr verlassen, schon gar nicht auf eine schwarz-gelbe Serie. Stattdessen kassierte der BVB vier Tore in Gladbach, davon drei durch Standards. Es war ein attraktives Spiel, das die Gäste aber erneut zu wechselhaft bestritten.

Diesmal fehlt die Wachheit

Stellen die Schwarz-Gelben eine Unzulänglichkeit ab, tritt eine neue zutage. Das Offensivspiel hat sich unter Edin Terzic insoweit verbessert, dass die Mannschaft wieder mehr nach vorne probiert und streckenweise ansehnliche Szenen im letzten Drittel hat. Zwei gut herausgespielte und erkämpfte Tore von Erling Haaland auf Vorlage von Jadon Sancho lassen hoffen.

Doch in beiden Halbzeiten brauchte der BVB eine Anlaufzeit, um wach zu sein und den Gladbacher Angriffsbemühungen zu widerstehen. Aus beiden Anlaufzeiten resultierten Tore der Gastgeber. Dem ganz frühen, nicht anerkannten Treffer der Gladbacher ging ein klares Foul an Bellingham voraus, so dass man diese Aktion nicht einbeziehen muss. Doch sie tauchten auch danach zu oft am und im Dortmunder Strafraum auf. Das 1:0 durch Elvedi nach Freistoß von Jonas Hofmann war folgerichtig.

Danach kam der BVB aber ins Spiel und drehte es in starker Manier. Auch dazu gehört Wachheit, wie etwa vor dem 1:2, als Jude Bellingham im Mittelfeld die Gladbacher Vorwärtsbewegung störte und den Ball eroberte. Aber wir wissen ja schon: Das sind nur so Phasen bei den Schwarz-Gelben. Die erste Hälfte lief noch ganz gut; beide Teams schenkten sich nichts und spielten attraktiv nach vorne. Beim 2:2 in der 32. Minute wehrte Roman Bürki Lars Stindls Freistoß nach vorne ab, Elvedi war dann als erster am Ball. Unser Torwart sah den Ball spät – dennoch war es eher eine Unzulänglichkeit von ihm als fehlende Wachheit der Abwehr.

Ungewöhnlich biedere zweite Hälfte

Normalerweise blühen die Schwarz-Gelben ja eher nach dem Pausentee auf. Diesmal taten sie sich aber in den zweiten 45 Minuten schwerer. Das hing natürlich auch mit der Dramaturgie der Partie zusammen. Vor dem 3:2 in der 50. Minute war Mateu Morey etwas nach innen gerückt, so dass Julian Brandt rechts allein gegen Bensebaini stand. Man kann da vieles versuchen, um einen Torschuss zu verhindern – mit einem lockeren Hüpfer am Ball vorbei ist es aber nicht getan. Brandt, der in den letzten Spielen einen leichten Aufschwung genommen hatte, überzeugte auch abgesehen von dieser Szene nur mäßig – einigen guten Pässen standen zu viele einfache schlechte gegenüber.

Mit der Führung zogen sich die Gastgeber etwas weiter zurück, attackierten etwa ab der Mittellinie. Das reichte, um wieder eine gewisse Ratlosigkeit bei Schwarz-Gelb einkehren zu lassen. Torraumszenen waren nun selten und gerade, als man sich wieder etwas Hoffnung auf eine bessere Schlussphase machte, waren die Gladbacher nach einem Eckstoß durch den eingewechselten Thuram erfolgreich. Der konnte sich lösen und hatte genügend Platz für seinen Kopfball. Ein einfacher Fehler im Stellungsspiel, wie er aber zu oft und kollektiv passiert. Dagegen blieben die sieben Ecken des BVB mit einer Ausnahme harmlos. Und warum Raphael Guerreiro einen direkten Freistoß aus bester Position schießt und nicht Marco Reus, ist mir ein Rätsel.

Was sonst noch zu denken gibt

Eine Statistik, die zu denken gibt, ist die Laufleistung. Es ist zwar normal , dass die Mannschaft mit weniger Ballbesitz und defensiverer Einstellung mehr laufen muss. Aber in dieser recht offenen Partie kam Gladbach auf 120,57 Kilometer, der BVB nur auf 114,77. Die zweite Hälfte dürfte hier eine Rolle gespielt haben. Aber auch das Auftreten der Schwarz-Gelben in der ersten Viertelstunde sah so aus, als ob sie immer einen Schritt weniger machten und langsamer waren – jedenfalls nicht nah genug am Gegner.

Hinterfragen darf man auch die späten Auswechslungen, die Edin Terzic von Lucien Favre übernommen zu haben scheint. Insgesamt gab es nur drei Wechsel, der erste davon – Reyna für Reus – erfolgte in der 71. Minute. Hätten nicht die beiden jungen Stürmer Moukoko und Tigges, die in der 79. respektive 87. Minute kamen, schon früher für Wirbel sorgen können?

Gladbach ist vorerst am BVB vorbeigezogen. Sie müssen allerdings nächsten Samstag zum 1. FC Union, während es für Dortmund zu Hause gegen Augsburg weitergeht. Nicht dass das was heißen muss. Gewissheiten gibt es für Schwarz-Gelb in dieser Saison nicht mehr – das betrifft auch das Erreichen der Champions League.

Die Aufstellung: Bürki – Morey (87. Tigges), Akanji, Hummels, Guerreiro – Bellingham (79. Moukoko), Can – Sancho, Reus (71. Reyna), Brandt – Haaland. Tore: Haaland (2)

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