Streichs erster Streich gegen Dortmund

1. Bundesliga, 20. Spieltag / SC Freiburg 2 BVB 1

Seit 2009 hatte der SC Freiburg nicht mehr gegen den BVB gewonnen. So lange ist noch nicht mal Christian Streich im Amt und so war das 2:1 sein erster Sieg über die Schwarz-Gelben. Für Letztere endet eine weitere positive Serie in dieser ergebnis- wie gefühlsmäßig bescheidenen Saison.

Probleme mit den Flügeln

Edin Terzic hatte sich sicher etwas dabei gedacht, als er Emre Can auf die rechte Position in der Viererkette beorderte. Mateu Morey durfte in den letzten beiden Partien Thomas Meunier vertreten. Über die Qualität seiner Auftritte lässt sich diskutieren; nicht aber über die Tatsache, dass der junge Spanier gelegentlich, wie beim dritten Gladbacher Tor, zu weit eingerückt und sein Flügel verwaist war. Emre Cans Leistung heute war jedoch mindestens genauso „hit-and-miss“: Vor Freiburgs 1:0 konnte er Grifos Flanke nicht verhindern.

Das 2:0 kam über den anderen Flügel zustande, wo Jonathan Schmid nicht rechtzeitig aufgehalten wurde. Während Raphael Guerreiro auf links aber wegen seiner unbestreitbaren Offensivqualitäten über ernste Zweifel erhaben ist, dürfte die Rechtsverteidiger-Position Edin Terzic zunehmend Kopfzerbrechen bereiten.

Löcher stopfen

Borussia Dortmund ist in diesen Wochen ein Dach mit zu vielen Löchern: Kaum scheint man eine Stelle abgedichtet zu haben, regnet es woanders rein. Standards waren in Freiburg kein Problem. Dafür auf einmal Weitschüsse, die der BVB so nicht antizipierte und/oder nicht verhindern konnte. Alle Bürki-Hater dürfen sich nach dem zweiten Treffer natürlich auch fragen, ob Marwin Hitz wirklich die bessere Alternative ist. Der Schuss von Schmid ging etwas unglücklich an den Pfosten, bevor Hitz drankam – trotzdem hätte sich der Ball nicht am Keeper vorbei ins Tor quetschen dürfen. Schon in der ersten Hälfte hatte Dortmunds Torhüter einen Ball nach vorne abprallen lassen.

Freiburg zeigte vor allem defensiv eine gute Partie, wogegen die Gäste zu selten Lösungen fanden. Man kann das an den handelnden Personen festmachen. Thomas Delaney brachte kaum Impulse nach vorne, aber von ihm wird das auch nicht unbedingt erwartet. Julian Brandt spielte nominell neben, in der Realität meist vor ihm, und ihm zuzuschauen ist nach wie vor eher frustrierend. Einem ordentlichen Weitschuss standen wieder eine Reihe von schlampigen, teils gefährlichen Pässen gegenüber. Jadon Sancho: immer bemüht, aber glücklos und teilweise unkonzentriert. Marco Reus und vor allem Giovanni Reyna ließen Spielwitz nur in sehr geringen Dosen aufblitzen.

So kam eine Begegnung zustande, in der der BVB, da hatte Mats Hummels im Sky-Interview danach schon recht, nicht die deutlich schlechtere Mannschaft war. Aber eben die entscheidenden Unzulänglichkeiten an den Tag legte. Die Schwarz-Gelben verzeichneten 16:6 Torschüsse und große Chancen hatte der SCF eigentlich gar nicht. Doch wenn man mit Fernschüssen zum Erfolg kommt, ist das natürlich absolut legitim.

Was nun, Herr Terzic?

In der laufenden Rückserie lassen sich nicht alle Probleme lösen: Nach Ende der Transferphase bleibt der Kader jetzt wie er ist. Also gilt es, die Fehler zu analysieren und weiterzuarbeiten. Nach Leistung aufzustellen. Wahrscheinlich wird all das schon gemacht. Warum aber nicht mal länger mit Moukoko (oder Tigges) und Haaland spielen (wie schon vorgeschlagen)? Bei aller Unerfahrenheit der jungen Stürmer: Die Agilität eines Moukoko könnte erfolgversprechender sein als das zu häufig ratlose oder schlampige Spiel von Reus, Reyna oder Brandt.

Dank des Effzeh bleibt der BVB zumindest Sechster in der Bundesliga. Der nächste Gegner Hoffenheim war den Schwarz-Gelben schon immer unangenehm. Das dürfte sich fortsetzen, auch wenn die Kraichgauer derzeit nur Zwölfte sind und tatsächlich vor ihrem Sonntagsspiel zehn Punkte hinter der Borussia stehen.

Die Aufstellung: Hitz – Can, Akanji, Hummels, Guerreiro – Delaney (60. Dahoud) – Reyna (70. Reinier), Reus (60. Moukoko), Brandt (46. Bellingham), Sancho – Haaland. Gelbe Karten: Bellingham, Akanji. Tor: Moukoko

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