Auch das Gras wird wieder grün, wenn in Dortmund Rosen blühen

Es war die Nachricht, auf die viele gewartet hatten – anscheinend so viele, dass heute Nachmittag sogar die Webseite von Borussia Mönchengladbach kurzzeitig in die Knie ging: Trainer Marco Rose verlässt die Gladbacher im Sommer und wechselt zu Borussia Dortmund. Um genau zu sein vermeldet der BVB Roses Zusage, während dessen bisheriger Arbeitgeber seinen bevorstehenden Abgang unter folgender Bedingung bestätigt:

Sollten die in seinem Vertrag festgelegten Bedingungen fristgerecht erfüllt werden, wird er uns also nach dem Saisonende nicht mehr zur Verfügung stehen.

Die Bedingungen dürften darin bestehen, dass der BVB sich bis zu einem bestimmten Zeitpunkt mit Gladbach über die Zahlungsmodalitäten für die angeblich fünf Millionen Euro einigt, die aufgrund von Roses Ausstiegsklausel fällig werden. Daran gibt es trotz der finanziell angespannten Lage wenig Zweifel.

Es war an der Zeit, das Versteckspiel zu beenden und Klartext zu reden – auch wenn es dazu wohl vor allem auf Druck der Medien kam. Jede Woche die gleichen penetranten Fragen beantworten zu müssen macht müde und vielleicht richtet die medial verstärkte Ungewissheit genauso viel oder mehr Schaden an wie ein frühes Bekenntnis zum Vereinswechsel. Letzteres ist aber auch nicht ohne: Für beide Borussias dürfte es die restliche Saison durch die heutige Neuigkeit noch mehr in sich haben. Ja, die Dinge sind geklärt, doch welche Auswirkungen hat das auf die Mannschaften und die Trainingsarbeit?

Vor allem aber sind Gladbach und der BVB direkte Konkurrenten um die Champions League-Plätze. Marco Rose könnte also seinem neuen Verein lukrative Einnahmen wegschnappen oder bei seinem alten einen schalen Nachgeschmack hinterlassen. Dazu treffen die Vereine auch noch im DFB-Pokal aufeinander. Es gibt keinen Grund daran zu zweifeln, dass sich Rose und Edin Terzic auf ihren aktuellen Posten bis zuletzt ins Zeug legen werden. Wie aber der Ausgang der Geschichte nachher ausgelegt werden wird, ist eine andere Frage.

Wen bekommt Borussia Dortmund mit Marco Rose? Ohne Zweifel einen Trainer, der sich bei seinen bisherigen Stationen am oberen Limit dessen bewegt hat, was mit den jeweiligen Klubs zu erreichen war. Aber eben auch einen ehrgeizigen Mann, der recht schnell bereit für den nächsten Karriereschritt zu sein scheint. Mit Sicherheit wird ziemlich schnell nach oder sogar noch vor seiner Ankunft in Dortmund danach gefragt werden, ob Rose auch bei Schwarz-Gelb eine Ausstiegsklausel im Vertrag stehen hat.

Mein Gefühl vor diesem Wechsel ist gespalten mit Tendenz zum Positiven. Einerseits hat Marco Rose in Mainz sechs Jahre unter Jürgen Klopp gespielt und wurde von ihm sicherlich beeinflusst. Andererseits war er später auch sechs Jahre als Trainer bei RB Salzburg tätig (zunächst im Jugendbereich). Selbst wenn ich die sportliche Leistung dort akzeptiere: Anfreunden muss man sich mit Mateschitz‘ Brause-Klubs und deren Angestellten gewiss nicht. Und ein bisschen haftet einem Ex der dortige Stallgeruch noch an, da kann man duschen so viel man will.

Am Ende wird es den BVB-Fans darauf ankommen, was die gemeinsame Zukunft mit Rose in Dortmund bringt. Wenn es danach ginge, ob Rose mehr Klopp ist als Lucien Favre und Edin Terzic, hätte er schon gewonnen. Aber das reicht eben nicht mehr. Die Mannschaft und die Zeiten haben sich geändert. Es wird genauso von Hans-Joachim Watzke, Michael Zorc und deren Nachfolgern abhängen, ob bei den Schwarz-Gelben wieder rosige Zeiten anbrechen. Bevor es losgehen kann, wird man sich allerdings laut oben verlinkter Vereinsmitteilung „aus Respekt vor allen beteiligten Parteien (…) erst im Anschluss an die Spielzeit 2020/21 wieder zur sportlichen Zukunft unter der Leitung von Marco Rose äußern.“

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