Niederlage gegen Frankfurt: Was wird aus dem BVB?

1. Bundesliga, 27. Spieltag / BVB 1 Eintracht Frankfurt 2

Sogenannte Sechs-Punkte-Spiele hat man womöglich mehrmals in einer Saison. Deutlich seltener sind Partien, die für einen Verein über die Spielzeit hinaus langfristig richtungweisend sein können. Die Heimniederlage des BVB gegen Eintracht Frankfurt hat das Potenzial dazu. Doch wie schlimm kann es kommen?

Keine frohen Ostertage für Schwarz-Gelb

Als es gestern Nachmittag darauf ankam, blieb Borussia Dortmund hinter der Leistung zurück, die in dieser Spielzeit nötig ist, um vor Eintracht Frankfurt und dem VfL Wolfsburg zu landen. Diese beiden Teams sind bisher einfach besser als die Schwarz-Gelben. Es war auch nicht der Einsatz, der fehlte – es waren eine Reihe von Unzulänglichkeiten, in die man das unglückliche Eigentor von Nico Schulz gar nicht einbeziehen muss. Mats Hummels hat nach der Partie mal wieder alles treffend analysiert. Aus journalistischer Sicht mag es fragwürdig sein, das Spiel mit seinen Worten nachzuerzählen, aber besser als mit diesen Worten eines direkt Beteiligten kann man es kaum ausdrücken:

Zum einen müssen wir uns ganz klar die fehlende Chancenverwertung vorwerfen lassen – wir hatten so viele Torchancen und vor allem Situationen, die Hundertprozentige werden müssen. Ein gutes Dutzend haben wir da unsauber zu Ende gespielt. Zum anderen haben wir eine unkonzentrierte Spielweise zugelassen. (…) Wir waren in der zweiten Halbzeit mit dem Ball zu unsauber, zu unkonzentriert und technisch einfach nicht gut genug. Da sind uns andere Mannschaften voraus.

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Es waren tatsächlich die vielen schlampigen Abspiele, die nicht gut zu Ende gespielten Angriffssituationen, die der Borussia diese potenziell folgenschwere Pleite einbrachten. Selbst Erling Haaland agierte gestern technisch nicht sauber genug bei seinen Gelegenheiten. Die Eintracht blieb bei Weitem nicht fehlerfrei, machte aber den entscheidenden offensiven Fehler weniger und in der 87. Minute alles richtig. Torjäger André Silva triumphierte dank seines Tores über Torjäger Haaland.

Die Zahlen belegen diese knappe Unterlegenheit des BVB nicht: Die Schwarz-Gelben brachten 5 von 19 Torschüssen aufs Ziel, die Gäste nur 3 von 14. Sie gewannen auch mehr Zweikämpfe und Tacklings. Für die Borussia verzeichnet Goal.com zwei vergebene Großchancen, für die Eintracht nur eine. Ein Unentschieden wäre demnach gerecht gewesen, aber bekanntlich richtet sich der Fußball nach wie vor nicht immer nach den Zahlen. Und man kann kaum bestreiten, dass der BVB nach dem bisherigen Saisonverlauf nicht gut genug für die ersten vier Plätze ist.

Ist Frankfurt das neue Brügge?

Zunächst mal: Bei aller Bedeutung der gestrigen Partie ist noch keine endgültige Entscheidung über Platz 4 gefallen. Nach allem was man in 2020/21 bisher gesehen hat, spricht nichts dafür, dass der BVB die Champions League noch erreicht. Aber sollten die Schwarz-Gelben wider Erwarten alle restlichen Partien gewinnen – das spielerische Potenzial dazu muss irgendwo im Kader schlummern – dürfte man durchaus nochmal mit einem Auge auf Frankfurt schauen. Im April trifft die Eintracht noch auf Wolfsburg, muss nach Mönchengladbach und Leverkusen.

Sollten die Schwarz-Gelben in der nächsten Saison nur Europa League oder sogar Conference League spielen, geht laut Hans-Joachim Watzke davon nicht direkt die Welt unter, auch wenn die finanziellen Verluste enorm wären. Es ist eher die mittel- bis langfristige Perspektive, die Sorgen machen muss. Zunächst mal dürften Jadon Sancho und Erling Haaland nicht zu halten sein. Vertrag hin oder her – Haalands Berater Mino Raiola befand sich schon in dieser Woche auf Werbetour bei den Großen Europas. Mit diesem Mann im Hintergrund werden Aki, Susi oder Basti dem Erling den Verbleib in Dortmund nicht schmackhaft machen können, wenn es nicht auf der größtmöglichen Bühne zur Sache geht.

Mit den zu erwartenden Einnahmen wird der BVB Ersatz holen und auch auf anderen Positionen Veränderungen vornehmen können. Angesichts der sportlichen und finanziellen Voraussetzungen dürfte es aber nicht zu Verpflichtungen aus der obersten Spieler-Kategorie kommen. Sollte es der Borussia und Marco Rose gelingen, das Potenzial eines veränderten Kaders voll auszuschöpfen, könnte man auch ohne Spieler der Kategorie Sancho und Haaland in ähnlichen Dimensionen spielen wie in dieser Saison. Ob allerdings in einer solchen Konstellation der Angriff auf die Spitze nochmal gelingt, ist zweifelhaft.

Ich persönlich mag die Champions League nicht mehr besonders und diese Meinung wird sich 2024 wohl noch verfestigen. Ich kann gut darauf verzichten und auch dem Neuaufbau eines teils dysfunktionalen Kaders etwas abgewinnen. Es wäre toll, wenn der BVB 2022 oder 23 die neue Eintracht wird. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit auch nicht ganz gering, dass es in der derzeitigen Situation länger dauert und der Verein Schaden nimmt. Existenzängste wie nach der 2003 gegen Brügge dramatisch vergeigten CL-Quali sind nicht zu erwarten. Eine Durststrecke schon eher. Dennoch: frohe Ostern!

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