Große Punkte für den BVB

1. Bundesliga, 31. Spieltag / VfL Wolfsburg 0 BVB 2

Was ist schöner als ein Sieg im Sechs-Punkte-Spiel? Klar – ein Sieg in Unterzahl. Die Borussia bleibt damit nach dem Auswärtsspiel, das sie über eine halbe Stunde zu zehnt bestreiten musste, zweifellos einer der Angstgegner der Wölfe. Seit knapp sechs Jahren haben jene nicht mehr gegen Schwarz-Gelb gewonnen, bei nur einem Unentschieden seither.

Zu passiv, aber effektiv

Für den BVB kehrte Jadon Sancho in die Startelf zurück und Lukasz Piszczek behielt seinen Platz. Kein Vertrauensbeweis für die Rechtsverteidiger-Kollegen Morey und Meunier, aber in dieser eminent wichtigen Partie war es zumindest verständlich, dass Edin Terzic auf den Routinier setzte. Es begann munter und ausgeglichen, bis Erling Haaland den katastrophalen Rückpass von Ridle Baku abfing und sich nicht mehr vom 0:1 abhalten ließ. Bleibt die Frage, wie jemand ernsthaft glauben konnte, dass Erling womöglich ein längerfristiges Problem mit dem Toreschießen habe.

Solange die Schwarz-Gelben zu elft spielten, verhielten sie sich nach der Führung zu passiv – abgesehen von der Anfangsphase der zweiten Hälfte. Wenn starke Gegner sie früh anlaufen, reagieren die Borussen mit zu viel Vorsicht und ziehen sich häufig zu weit zurück. Teilweise ist es schwer nachzuvollziehen, warum im eigenen letzten Drittel so häufig quer gespielt wird, vom Torwart bis zu den Mittelfeldspielern, anstatt schneller den Raumgewinn und den Weg nach vorne zu suchen. Ballkontrolle ist gut – wenn man sich aber beim dritten oder vierten Querpass von anrückenden Gegenspielern nervös machen lässt, ist die Kontrolle eben dahin.

Die Gastgeber brachten den Ball häufiger in den gegnerischen Strafraum als der BVB, doch es fehlte zum Glück das Endprodukt. Spielerisch war das über weite Strecken ansehnlich vom VfL, aber im Abschluss nicht effektiv genug. Fotmob verzeichnet 21 zu 8 Torschüsse für die Wölfe, davon elf aus dem Strafraum (sieben beim BVB). Zielgenau aufs Tor kamen allerdings nur zwei, demgegenüber vier bei den Gästen. Und so lagen die Wolfsburger auch bei den „expected goals“ hinten: 1,23 zu 1,42.

Einer spielt für zwei: Erling Haaland

VfL-Trainer Oliver Glasner sah den Unterschied in einem Mann: Erling Haaland. Und ja, es ist schwer vorstellbar, dass ein anderer Spieler auf dem Platz das 0:2 so gemacht hätte wie der Norweger. Die Schwarz-Gelben warem zu diesem Zeitpunkt seit zehn Minuten in Unterzahl, als Mo Dahoud tief aus der eigenen Hälfte den perfekten Pass für den vorne lauernden Haaland spielte, dieser sich im Laufduell eindrucksvoll durchsetzte und souverän abschloss.

Allerdings muss man den Borussen insgesamt ein großes Kompliment machen, wie sie nach der vertretbaren Gelb-Roten Karte gegen Jude Bellingham auftraten. Da wirkte das zuvor oft passive Spiel plötzlich abwartend-lauernd. Es war ein feiner Unterschied, aber was mit elf Mann nicht so überzeugend aussieht, kann mit zehn Mann schon wieder als charakterstark gelten. Außerdem lässt sich der Eindruck auch an Zahlen festmachen: Der xG-Wert des BVB war in der zweiten Hälfte beim BVB mehr als doppelt so hoch wie bei den Wölfen (1,05 zu 0,51). Das lag auch an einer starken Viererkette, aus der besonders Akanji und Guerreiro hervorstachen, aber Piszczu und Can (Letzterer mit nur zwei oder drei Leichtsinnspässen) nicht stark abfielen.

Es ist natürlich verlockend, den BVB im Überschwang jetzt schon fast in der Champions League zu sehen. Der Rückstand ist erneut zusammengeschmolzen: Zwei Punkte sinds noch auf Wolfsburg, nur noch ein Pünktchen auf die Eintracht. Aber die genauen Beobachter/innen der Schwarz-Gelben wissen natürlich, dass bei uns nichts sicher ist, bis es feststeht. Übernächstes Wochenende, am nächsten Spieltag, haben die drei Kontrahenten alle Heimspiele. Dortmund gegen Leipzig, Wolfsburg gegen Union, die Eintracht gegen Mainz. Es ist wohl keine Frage, wer den schwersten Gegner hat. Gegen Union oder Mainz gewinnt man nicht einfach so, wie schon manch einer erfahren musste; es ist aber durchaus machbar. Wenn die Borussia allerdings erneut RB schlägt, dann ist man tatsächlich dicht dran am Jackpot. Vorher aber noch unbedingt das Pokalfinale klarmachen!

Die Aufstellung: Hitz – Piszczek, Akanji, Can, Guerreiro – Bellingham, Dahoud, Reus (81. Meunier) – Reyna (69. Hazard), Sancho (60. Delaney) – Haaland. Gelbe Karten: Bellingham, Meunier. Gelb-Rote Karte: Bellingham. Tore: Haaland (2)

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