Pokalsieger 2021: Und wir freuen uns doch!

DFB-Pokal, Finale / RB Leipzig 1 BVB 4

Viel war darüber geredet worden, wie das wohl sein werde: ein Pokalfinale in Berlin mit schwarz-gelber Beteiligung, aber ohne Fans. Wer bei einem der vergangenen Endspiele dabei oder zumindest in der Stadt war, weiß, dass das noch mal etwas anderes ist als eine beliebige andere Partie vor leeren Rängen. Es hatte schon etwas Surreales, wie die glücklichen BVB-Profis am Ende mit dem Pokal auf den Rängen durchs leere Stadion liefen. Aber trotzdem: Die Situation ist wie sie ist. Und dafür war es schon ziemlich genial, was gestern im Olympiastadion passiert ist.

Perfekter Start, starke Konter

Die Dortmunder – inklusive dem fitten Erling Haaland – gingen wach und mit einer guten Portion Aggressivität ins Spiel und belohnten sich schon nach fünf Minuten. Eine Balleroberung von Marco Reus mündete schließlich in einen tollen Schlenzer von Jadon Sancho ins Tor. Womit schon zwei der Hauptfiguren des Abends erwähnt wären. Reus ist zum bestmöglichen Zeitpunkt wieder in Topform. Und Jadon – nicht nur Erling – werden wir hart vermissen, wenn er im Sommer tatsächlich wechseln sollte. Haaland zeigte dann beim 0:2, wieso es so wichtig war, ihn dabei zu haben, selbst wenn es am Samstag noch ohne ihn geklappt hatte. Wie er sich gegen Upamecano behauptete und dann trotz Bedrängnis die richtige Ecke in Gulascis Kasten fand – unnachahmlich!

Zuvor hatte die Partie bereits ihren Rhythmus gefunden: Es spielte vor allem die Leipziger, die alles in allem passsicherer und flüssiger agierten. Nur eben nicht bis vors Tor – zumindest in der ersten Hälfte nicht. Das frühe Pressen, das der BVB zunächst noch praktiziert hatte, sah man später nur noch punktuell. Zahlen untermauern die optische Überlegenheit der Brause-Kicker: 60 Prozent Ballbesitz, 248 zielgenaue Pässe in der gegnerischen Hälfte gegenüber 92 bei der Borussia. Allerdings machten es die Schwarz-Gelben offensiv eben besser: Sie brauchten nicht viele Pässe und auch nur zehn Torschüsse, von denen fünf zielgenau und vier drin waren (Leipzig: 22/4/1). Die Nadelstiche und Konter, die der BVB setzte, waren oft gefährlich und es hätte auch noch höher ausgehen können – wenn man etwa an die Chancen von Thorgan Hazard und vor allem Jadon Sancho denkt.

Entscheidende Momente

Es war kurz vor und nach der Pause, als sich das Pokalfinale mutmaßlich entschied. In der 45. Minute schickte Dahoud Reus und Sancho steil. Nach Jadons Treffer hob der Schiedsrichter-Assistent sofort die Fahne wegen Abseits. Doch das konnte glücklicherweise vom VAR als Fehlentscheidung entlarvt werden. Es sind diese klaren, eindeutig überprüfbaren Momente, wo der Mann oder die Frau in Köln doch mal Sinn machen. 25 Sekunden nach Wiederanpfiff traf dann der eingewechselte Leipziger Nkunku nur die Latte. Er und Poulsen hatten Hwang und Sörloth im Sturm ersetzt – was dem scheidenden Trainer Julian Nagelsmann nachher als Eingeständnis einer falschen Offensiv-Besetzung ausgelegt wurde. Hätte RBL zu diesem Zeitpunkt verkürzt und nicht erst in der 71. Minute, wäre es womöglich nochmal deutlich enger für den BVB geworden.

So kam es nicht und obwohl Leipzig drückte und die Partie deswegen auch spannend blieb, gerieten die Schwarz-Gelben ergebnistechnisch nicht mehr unter Druck. Den objektiv gesehen sicherlich zu hohen Sieg machte Haaland in der 87. Minute perfekt, als er seinen eigenen Schuss an Gulacsi vorbei ins Tor abfälschte.

Edin, I think I love you!

Doch wer will schon objektiv sein, vor allem wenn es gegen Leipzig geht, die ja objektiv gesehen gar nicht in derselben Liga spielen dürften? Also – 4:1 in Berlin gegen Leipzig, das ist schon groß! Dreimal in einer Spielzeit die Mateschitzer geschlagen – super Leiwand! Vor allem aber: endlich wieder ein Titel für den BVB, nach 2017! Für Lukasz Piszczek, dessen Hochleben-lassen durch die Mannschaft in die Dortmunde Folklore eingehen wird. Für Edin Terzic – was für ein Mann! Wie sehr er sich den Titel zusammen mit den schwarz-gelben Jungs verdient hat. Für ausnahmslos jeden anderen Spieler, denn sie haben alles gegeben gestern.

Die letzten Wochen waren aus BVB-Sicht großartig. Dieser Titel bleibt großartig, selbst wenn die Champions League doch verpasst werden sollte. Selbstverständlich wollen wir das nicht hoffen. Und worauf ich persönlich auch gut verzichten kann: eine neue Terzic-Rose-Diskussion. Dafür war das jetzt alles zu schön.

Die Mannschaft: Bürki – Piszczek, Akanji, Hummels, Guerreiro – Can – Bellingham (46. Hazard), Dahoud (74. Delaney) – Reus (90. +2 Reyna), Haaland (90. +2 Brandt), Sancho (89. Meunier). Gelbe Karten: Bellingham, Dahoud, Sancho, Hummels. Tore: Sancho (2), Haaland (2)

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